2. September 2013, 08:36

Ist Risk Parity gescheitert?

Risk-Parity-Strategien, also Investments in Form von Risikoausgleichsportfolios, sind eine noch recht junge Investmentstrategie, die in den turbulenten Marktphasen der letzten Jahre aber einige teils beachtliche Erfolge erzielen konnte.

Gastbeitrag von Alexander Lehmann, Invesco

Risk Parity

“Das Jahr 2013 hat uns daran erinnert, dass sich ein diversifizierterer, risikogewichteter Ansatz während einer Aktienrallye schlechter als der Markt entwickeln kann.”

Trotzdem werden in jüngster Zeit Stimmen laut, die wissen wollen, dass dieser Ansatz gescheitert ist. Die Hauptursache dafür, so die Kritiker, entstehe genau dort, wo sich Risk-Parity-Fonds von herkömmlichen Mischfonds unterscheiden.

Risk-Parity-Fonds: Asset Allokation steuerbares Ergebnis verschiedener Risikobeiträge

Ein traditionelles Misch-Portfolio besteht in der Regel zu 40 Prozent aus Anleihen und zu 60 Prozent Aktien, was aber bedeuten kann, dass bis zu 90 Prozent des Fondsrisikos auf die Aktien entfallen können, weil diese nun einmal risikoreicher sind.

Ein Risk-Parity-Fonds dagegen gewichtet die einzelnen Vermögenswerte so, dass ihr Beitrag zum Gesamtrisiko gleich hoch ist. Damit ist die Asset Allokation das steuerbare Ergebnis der verschiedenen Risikobeiträge und nicht umgekehrt das Gesamtrisiko eine mehr oder weniger zufällige Folge der Asset Allokation.

Höherer Anteil risikoärmerer Anlageklassen

Das bedeutet, der Risikobeitrag der einzelnen Anlageklassen bestimmt ihre Gewichtung im Portfolio. Risikoärmere Anlageklassen müssen daher einen höheren Anteil an der Asset Allokation bekommen, um den gleichen Beitrag zum Gesamtrisiko beitragen zu können – und genau das wird den Risk-Parity-Fonds nach Ansicht der Kritiker zum Verhängnis, weil die Fondsmanager Derivate und Anleihehebel einsetzen müssen, um den Rentenanteil im Fonds volumenstark genug zu bekommen. Je höher dieser Hebel, desto größer die Volatilität der Performance.

Eine solche Sichtweise aber heißt, das Kind mit dem Bad ausschütten. Risk-Parity-Fonds wie der Invesco Balanced-Risk Allocation Fund haben in der Praxis bewiesen, dass der Ansatz funktioniert. Richtig ist allerdings auch, dass er in Bärenmärkten besser funktioniert als in Bullenphasen.

Risk-Parity-Fonds peformen besser in Bärenmärkten

Das Jahr 2013 hat uns lediglich daran erinnert, dass sich ein diversifizierterer, risikogewichteter Ansatz während einer Aktienrallye schlechter als der Markt entwickeln kann. Wenn – wie erwähnt – rund 90 Prozent des Risikos eines traditionellen 60/40-Mischfonds von Aktien stammen, dann ist logischerweise zu erwarten, dass ein Risk-Parity-Fonds in Bullenmärkten für Aktien hinterherhinkt.

Die Performance der Invesco Balanced-Risk Allocation Strategie im bisherigen Verlauf des Jahres 2013 lässt sich in drei Phasen unterteilen:

1. durch die eingeschränkte Gewichtung in Aktien hat die Strategie vor allem am Anfang des Jahres nur begrenzt an der breiten Aktienrallye teilgenommen,
2. generell waren Rohstoffe in der ersten Hälfte des Jahres eine benachteiligte Anlagekategorie und
3. im Verlaufe des Junis 2013 korrellierten alle drei Anlagekategorien stark miteinander.

Trotz der kurzfristigen und vorübergehenden Herausforderungen bleibt das Ziel von Invesco unverändert – in der Strategie eine breit gefächerte strategische Allokation zu erstellen und durch fortlaufende Anpassungen für konstante Erträge im Zeitverlauf zu sorgen.

Diese aktive Positionierung ist der Übergang von der strategischen zur taktischen Allokation, wobei die strategische Allokation auf Basis von Volatilitäts- und Korrelationsschätzungen berechnet und monatlich neu aufgesetzt wird; die gesamtstrategisch angestrebte Volatilität beträgt 8 Prozent.

Um einen Mehrwert für die Anleger zu schaffen, ermöglicht die aktive Positionierung eine Abweichung der einzelnen Anlagegewichtungen von der langfristigen strategischen Risikoallokation. Daraus resultiert eine angestrebte totale Portfoliovolatilität, die sich zwischen 6 und 10 Prozent bewegen sollte. Demzufolge kann das Management die Risikozusammensetzung innerhalb vorab festgelegter Risikospannen steuern.

Autor Alexander Lehmann ist Leiter Wholesale Deutschland und Österreich bei Invesco Asset Management.

Foto: Invesco


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Investmentfonds


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien


Ab dem 19. Mai im Handel.

Rendite+ 2/2016 "Altersvorsorge"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds- und Indexpolicen – Dividendenfonds – Zinshäuser – Robo-Advisors


Ab dem 12. Mai im Handel.

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Ein Jahr Finpool: Maklerverbund zieht positive Bilanz

Der Maklerverbund Finpool Maklerservice AG aus Unterhaching hat im Juni 2015 seine Tätigkeit aufgenommen. Vorstand Jürgen Beisler zeigt sich zufrieden mit dem ersten Jahr. Demnach sei das Konzept auf großes Interesse bei Vermittlern und Gesellschaften gestoßen.

mehr ...

Immobilien

Effizientes Heizen: Mehrfachförderung möglich

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat am 12. Mai eine Offensive für das Energiesparen gestartet. Die Bundesregierung fördert Umbaumaßnahmen für mehr Energieeffizienz besonders stark, wenn Verbraucher auf erneuerbare Energien setzen.

mehr ...

Investmentfonds

Iggo: “Ist die Welt bereit für höhere Zinsen?”

Eine einfache Investmentregel besagt: Wenn die Wirtschaft expandiert laufen riskante Anlagen gut, bei wirtschaftlichen Abschwüngen sollten Investoren jedoch lieber auf sichere Investments setzen. Was macht also die gegenwärtige Situation so kompliziert? Laut Chris Iggo, CIO Fixed Income bei Axa Investment Managers (Axa IM), ist es die vorherrschende Unsicherheit.

mehr ...

Berater

Interessieren statt informieren: Setzen Sie auf Kundennutzen statt Faktenflut!

Verkaufen heißt, andere zu Taten zu bewegen. Fünf Tipps helfen Ihnen dabei, im Verkaufsgespräch sicherzustellen, dass Sie gegenüber Ihren Kunden die richtigen Signale senden. Die Limbeck-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

Hahn Gruppe: Großes Stühle-Rücken im Aufsichtsrat

Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Reinhard Freiherr von Dalwigk sowie Wolfgang Erbach, Robert Löer und Bärbel Schomberg sind mit Auslaufen ihrer Mandate aus dem Aufsichtsrat der Hahn Gruppe ausgeschieden.

mehr ...

Recht

BU: Keine Beraterhaftung bei Falschangaben

Nach einer Entscheidung des Landgerichts Krefeld, kann die Vermittlerhaftung trotz fehlgeschlagener Umdeckung einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ausgeschlossen sein (Urteil vom 17. Dezember 2015 – 3 O 29/15 – VertR-LS). Grund: Mitverschulden.

mehr ...