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10. August 2015, 12:52
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“Was die großen Banken und Versicherungen mit ihrem Geld machen ist pseudo-ethisch”

Die Investmentboutique Ökoworld AG, Hilden, feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Cash. sprach aus diesem Anlass mit Alfred Platow, Gründer und Vorstandsvorsitzender, sowie mit dem Co-Vorsitzenden des unabhängigen Anlageausschusses des Flaggschiff-Fonds Ökovision, R. Andreas Kraemer.

Platow-kraemer in Was die großen Banken und Versicherungen mit ihrem Geld machen ist pseudo-ethisch

Alfred Platow (links) und R. Andreas Kraemer sehen Nachhaltigkeit als zunehmend bedeutendes Anlagekriterium für Unternehmen.

Cash.: Wie stark ist das Thema nachhaltiges Investment basierend auf den Säulen Ethik, Ökologie und Soziales in Deutschland mittlerweile verankert?

Platow: Meinem politischen Anspruch entsprechend müsste es im institutionellen Bereich, damit meine ich Banken und Versicherungen, mit ihrem Eigenkapital oder mit dem Kapital ihrer Kunden wesentlich stärker verankert sein. Das, was die großen Banken und die großen Versicherungen hierzulande mit ihrem Geld machen, ist pseudo-ethisch und wird auch so über die Lobbys transportiert. Eine reale Verankerung wäre nur dann möglich, wenn das, was die Gesellschaften mit ihrem Investment tun, auch an die Kunden der Bank oder an die Kunden der Versicherungsgesellschaften transportiert würde. In diesem Prozess sind wir mit der hauseigenen Kapitalanlagegesellschaft Ökoworld seit zwanzig Jahren unterwegs und schon deutlich weiter. Derzeit konzentrieren wir uns auf zwei, drei große Versicherungsgesellschaften in Europa, um mit diesen zusammen das Ziel zu erreichen, dass sie in ihren Aussagen gegenüber ihren Kunden auch eine politische Übereinstimmung mit den Inhalten ihrer Investments erreichen. Das zu erzielen ist nicht leicht. Schließlich sind es geschätzt erst rund 200.000 Menschen, die über Sparkassen, Genossenschaftsbanken und sonstige Vertriebsstellen in unsere Fonds investiert sind. Das ist ein sehr kleiner Ausschnitt von in etwa einem Prozent in Deutschland.

Kraemer: Vielleicht noch ein Wort zur aktuellen Entwicklung aus einer etwas anderen Perspektive. Es ist ein Punkt, zukunftsfähiges Investment als eine Nische zu verstehen, aber positiv zu definieren, was man haben will. Daneben haben wir ganz aktuell die Entwicklung, dass Unternehmen, von denen wir seit Jahrzehnten wissen, dass sie gegen die Prinzipien von Nachhaltigkeit, ökologischer wie auch sozialer Nachhaltigkeit, verstoßen haben, massiv an Wert verlieren. Und wenn man das mit hinzurechnet, sozusagen die wirtschaftlichen Auswirkungen von nicht nachhaltigem Handeln, dann sind wir deutlich über dem einen Prozent. Stichwort “Carbon Bubble”: Im Moment macht sich eigentlich jeder Fondsmanager Tag und Nacht Gedanken darüber, wie er aus diesen großen Unternehmen, die in den Indizes immer noch eine große Rolle spielen, rauskommt, und zwar schneller als seine Kollegen beziehungsweise Wettbewerber. Das ist ein ein anderer Blick auf die gleiche Thematik, zeigt aber, dass es dort sehr viel Dynamik gibt, die wir vor drei Jahren so nicht hatten.

Seite zwei: “Völlig neue Strukturierungen im Kapitalmarkt”

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