Anzeige
Anzeige
11. April 2013, 10:59
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Pflege-Bahr kann nur ein Baustein sein”

Die Versicherungswirtschaft würdigt die Einführung der staatlich geförderten ergänzenden Pflegezusatzversicherung als “Schritt in die richtige Richtung”. Im Vertrieb gibt es allerdings Vorbehalte gegen den sogenannten Pflege-Bahr, wie Versicherungsmakler Lutz Abromeit im Cash.-Interview zu berichten weiß.

Versicherungsmakler Lutz Abromeit

Versicherungsmakler Lutz Abromeit

Cash.: Aus der Branche ist zu hören, dass beim Thema Pflege mittlerweile eine Umkehrung des Vertriebsprozesses stattfinde, das heißt, dass die Kunden auf den Berater zukommen. Wie lauten Ihre bisherigen Erfahrungen aus der Vertriebspraxis?

Abromeit: Ganz ehrlich – ich halte solche Aussagen für realitätsfremdes Wunschdenken. Richtig ist aber, dass nicht zuletzt durch den Pflege-Bahr mehr Menschen auf das „Pflegeproblem“ aufmerksam gemacht wurden. Die seit längerer Zeit andauernde Medienpräsenz hat bei einer Reihe von Personen das Bewusstsein geweckt, dass es da ein Problem gibt, das bisher von sehr Vielen nicht wahrgenommen wurde.

Welche Menschen sind für das Thema Pflege am ehesten empfänglich?

Angesprochen fühlen sich insbesondere diejenigen, die mehr oder weniger kurz vor dem eigenen Pflegefall stehen oder in ihrem persönlichen Umfeld Pflegefälle erleben. Zudem gibt es natürlich einen Teil der Bevölkerung, der sich schon immer in Versicherungsfragen gut informiert hat.

Aber all diese Personengruppen stellen eine Minderheit dar – und die fünf Euro staatliche Zulage im Monat sind nun wirklich zu wenig Geld, um einen Boom auszulösen. Seien wir ehrlich: Die breite Mehrheit der Bevölkerung reagiert zurückhaltend und so mancher wird sich denken: „Schon wieder noch eine neue Versicherung die abgeschlossen werden soll…“

Die jüngsten Zahlen scheinen Ihnen da Recht zu geben: Bislang wurden erst 10.000 Pflege-Bahr-Verträge abgeschlossen. Wie bewerten Sie die Zukunft der staatlich geförderten Pflegetageldversicherung?

Von jedem Berater, der seinen Beruf ernst nimmt, erfordert es profundes Wissen und handwerkliches Vermögen, um den Kunden sachgerecht zum Thema Pflegefallabsicherung zu beraten. Es gilt dann, die jeweils passenden Lösungen zu finden.

Aber ob der Pflege-Bahr die richtige Antwort ist, wage ich zu bezweifeln. Dieser kann ein sinnvoller Baustein sein, er wird aber in vielen Fällen nicht ausreichen. Persönlich hätte ich mir zudem gewünscht, dass der Gesetzgeber alle private Pflegezusatzversicherungen gleichberechtigt gefördert hätte, so dass dem Kunden die Wahl überlassen wäre.

Wird der “Aufhänger Pflege-Bahr” das Beratungsgespräch zumindest erleichtern?

Es war auch schon vor der Einführung des Pflege-Bahrs eine Herausforderung für jeden Berater den Kunden für notwendige Hinterbliebenenvorsorge, Berufsunfähigkeitsabsicherung und Altersvorsorge im Komplex zu sensibilisieren und kongruent zu versichern.

Nicht selten entscheiden sich Kunden aus finanziellen Erwägungen mit Mut zur (Deckungs-)Lücke. Am ehesten wählen sie dann Verträge, aus denen sie irgendwann garantiert eine Leistung erhalten – als Kapitalzahlung, als Rente oder als Beitragsrückgewähr. Es ist leider in viel zu vielen Fällen immer noch einfacher eine Handyversicherung zu vertreiben, als eine risiko-adäquate Berufsunfähigkeitsversicherung beim Kunden „durchzusetzen“.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Ronald Mundzeck

Wie Lutz Abromeit die Maklervergütung in der Pflege-Bahr-Beratung bewertet, lesen Sie in der Cash. 5/2013, die ab dem 18. April im Handel ist.

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

GDV: Senioren ab 75 sollen zum Fahrtest

Die Versicherer fordern, dass Autofahrer ab dem 75. Lebensjahr eine verpflichtende Kontrollfahrt absolvieren, um ihre Fahrtüchtigkeit testen zu lassen. “Die Unfallforschung der Versicherer wird in diesem Jahr Standards für eine solche Testfahrt entwickeln”, erklärte Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung des GDV, in der “Westfalenpost”.

mehr ...

Immobilien

Baubranche fordert Ende des Vorschriften-Dschungels

Angesichts des Wohnungsmangels in vielen deutschen Städten hat die Baubranche eine Vereinheitlichung des Vorschriften-Dschungels der 16 Bundesländer gefordert.

mehr ...

Investmentfonds

Trump könnte Märkte enttäuschen

Von Donald Trump erwarten die Investoren derzeit viel. Allerdings könnte schon bald die Enttäuschung folgen. Die Lage ist keinesfalls entspannt. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

mehr ...

Berater

Fondsnet baut institutionelle Kundenbetreuung aus

Der Erftstadter Maklerpool Fondsnet stärkt die Beratung und Betreuung institutioneller Kunden. Marc Blum (50) unterstützt seit 1. November 2016 als Ansprechpartner den Geschäftsbereich Fund-Servicing, der für eine Vielzahl von Dienstleistungen rund um die Betreuung und Verwaltung von Investmentfonds steht.

mehr ...

Sachwertanlagen

Marke Brenneisen Capital wird veräußert

Manfred Brenneisen, Chef der Brenneisen Capital mit Sitz in Wiesloch, veräußert den Geschäftsbereich Spezialvertrieb für Sachwertanlagen samt Markennamen. Die persönliche Kontinuität für die Geschäftspartner soll gewahrt bleiben.

mehr ...

Recht

Privathaftpflicht: “Billigkeit” kein Anspruchsgrund für Schadensersatz

Die Privathaftpflichtversicherung dient, im Gegensatz zur Pflichtversicherung, dem Schutz des Versicherten. Ein Schadensersatzanspruch besteht somit nur dann, wenn die gesamten Umstände des Falles eine Haftung des schuldlosen Schädigers aus Billigkeitsgründen geradezu erfordern.

mehr ...