Aktive ETFs haben in Europa 2026 schon vor Jahresende einen neuen Bestwert erreicht. Der Morningstar-Report „Europe Active ETF Trends Q3 2026 Review“ zeigt: Allein in den ersten neun Monaten flossen aktiv gemanagten ETFs netto 28,9 Milliarden Euro zu. Damit übertreffen sie die bisherige Bestmarke von 26,8 Milliarden Euro aus dem gesamten Jahr 2025 bereits deutlich.
Aktive ETFs gewinnen laut dem Report bei europäischen Anlegern weiter an Bedeutung. Anleger nutzen die Struktur zunehmend bei Aktien- wie bei Anleiheallokationen. Zwar stellen aktive ETFs nach wie vor nur einen vergleichsweise geringen Anteil am gesamten ETF-Markt dar. Rekordzuflüsse, steigende Produktauflagen und der wachsende Wettbewerb unter den Anbietern deuten jedoch darauf hin, dass das Segment innerhalb der europäischen ETF-Landschaft an Bedeutung gewinnt.
Zuflüsse bei aktiven ETFs erreichen neue Höchstwerte
Im dritten Quartal 2026 kamen 10,1 Milliarden Euro hinzu, nach 10,8 Milliarden Euro im Quartal zuvor. Auf aktive Produkte entfiel damit in den ersten neun Monaten ein Anteil von 8,1 Prozent an sämtlichen ETF-Zuflüssen in Europa, verglichen mit 7,6 Prozent im gesamten Jahr 2025 und 7,3 Prozent im Jahr 2024.
Das von aktiven ETFs in Europa verwaltete Vermögen belief sich Ende September 2026 auf 117,1 Milliarden Euro. Verglichen mit dem zweiten Quartal, in dem es bei 108,3 Milliarden Euro lag, bedeutet das ein Plus von 8,1 Prozent; gegenüber dem Stand zum Jahresende 2025 von 78,2 Milliarden Euro beträgt der Zuwachs sogar 49,7 Prozent. Binnen drei Jahren, seit 2023, hat sich das Marktvolumen damit mehr als verdreifacht.
Trotz dieses Wachstums bleibt der Anteil überschaubar: In Europa machen aktive ETFs 3,4 Prozent des gesamten ETF-Vermögens aus. Zum Vergleich: In den USA beträgt dieser Anteil rund 13,1 Prozent.
Zum Vergleich: Der gesamte europäische ETF-Markt - aktive und passive Fonds zusammengenommen - kam laut Amundi ETF Flow Report Ende September 2026 auf ein Volumen von rund 3,2 Billionen Euro. Allein im dritten Quartal flossen netto 127,4 Milliarden Euro zu, nach 113,6 Milliarden Euro im Quartal davor und 89,1 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.
Aktienstrategien bleiben die Basis, Anleihen-ETFs holen auf
Aktienstrategien bilden nach wie vor das Rückgrat des Marktes für aktive ETFs: Auf sie entfallen 85,6 Milliarden Euro beziehungsweise 71 Prozent des verwalteten Vermögens sowie 65 Prozent der in den ersten neun Monaten 2026 verzeichneten Netto-Zuflüsse.
Aufholpotenzial zeigen dagegen aktive Renten-ETFs: Sie sammelten in diesem Zeitraum 7,4 Milliarden Euro ein, immerhin 26 Prozent aller Zuflüsse in aktive ETFs. Ihr verwaltetes Vermögen stieg auf 25,9 Milliarden Euro, was einem Anteil von 22 Prozent am Gesamtvermögen entspricht.
J.P. Morgan führt den Markt, der Anteil sinkt
J.P. Morgan bleibt mit einem Marktanteil von 41,4 Prozent (Stand Ende drittes Quartal 2026) größter Anbieter aktiver ETFs in Europa. Allerdings sinkt dieser Anteil: Ende 2025 lag er noch bei 47,1 Prozent, Ende des zweiten Quartals 2026 bei 42,1 Prozent. Das verwaltete Vermögen des Anbieters stieg im dritten Quartal dennoch um rund vier Milliarden Euro.
| Anbieter | Marktanteil Q3 2026 | Marktanteil Q2 2026 | Marktanteil Ende 2025 |
|---|---|---|---|
| J.P. Morgan | 41,4 Prozent | 42,1 Prozent | 47,1 Prozent |
| Fidelity International | 9,0 Prozent | 9,9 Prozent | keine Angabe laut Morningstar |
| iShares | 8,3 Prozent | 8,2 Prozent | 6,5 Prozent |
Fidelity International behauptet Platz zwei mit 9,0 Prozent, nach 9,9 Prozent im Vorquartal. iShares steigerte seinen Anteil auf 8,3 Prozent, verglichen mit 8,2 Prozent im zweiten Quartal und 6,5 Prozent Ende 2025. HSBC verschwand dagegen aus den Top Ten der Anbieter. Dafür rückte American Century nach, der Anbieter konnte sein Vermögen insbesondere durch den Avantis Global Small Cap Value ETF deutlich steigern.
Auf die fünf größten Anbieter entfallen nach wie vor 70 Prozent des gesamten Marktvolumens.
118 neue aktive ETFs kommen auf den Markt
In Europa wurden in den ersten neun Monaten 2026 insgesamt 118 neue aktive ETFs aufgelegt: 67 Aktien-, 29 Anleihe-, zwölf Misch- und zehn ETFs mit alternativen Ansätzen. Nur drei Produkte wurden im gleichen Zeitraum geschlossen. Damit wuchs die Gesamtzahl aktiver ETFs in Europa auf 377.
Zum Vergleich: 2025 kamen insgesamt 148 neue aktive ETFs an den Markt. Bleibt das aktuelle Tempo bestehen, könnte dieser Rekord 2026 geknackt werden.
Auch neue Anbieter betraten 2026 den europäischen Markt, zu ihnen zählen Acatis, AllianceBernstein, Allianz Global Investors, Ampega sowie - im dritten Quartal hinzugekommen - Pictet. T. Rowe Price ließ seine ersten aktiven ETFs Anfang Oktober 2026 zu.
Pictet und T. Rowe Price starten mit eigenen Ansätzen
Am 1. Juli 2026 führte Pictet Asset Management seine ersten vier europäischen aktiven ETFs ein: PQWD, PQWX, PQUS und PQEU. Dabei verbinden die Produkte ein selbst entwickeltes KI-gestütztes Aktienauswahlmodell mit einer automatisierten Portfoliooptimierung, Ziel ist eine jährliche Mehrrendite von etwa einem Prozent netto nach Kostenabzug.
T. Rowe Price legte am 8. Oktober 2026 zunächst an der Deutschen Börse Xetra zwei in Irland aufgelegte Fonds auf, den Integrated Global Equity und den Integrated US Equity Enhanced Index UCITS ETF. Weitere Notierungen sind für den 15. Oktober an der London Stock Exchange und für den 22. Oktober an der Borsa Italiana vorgesehen. Auf die Verwaltungsgebühr verzichtet der Anbieter im ersten Jahr.
Systematische Strategien gewinnen bei aktiven ETFs an Boden
Bei Aktienstrategien zogen systematische Ansätze 2026 deutlich stärker Kapital an als diskretionäre Ansätze: 12,0 Milliarden Euro standen 6,7 Milliarden Euro gegenüber. Im Anleihesegment verhält es sich umgekehrt, dort liegen diskretionäre Strategien mit 6,9 Milliarden Euro klar vor systematischen Ansätzen, die lediglich 0,6 Milliarden Euro einsammelten.
Beim verwalteten Vermögen liegen diskretionäre Strategien mit 85,1 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 71 Prozent weiterhin klar vorn. Der Anteil systematischer Strategien kletterte dagegen von 25 Prozent Ende 2025 auf mittlerweile 28,5 Prozent, was einem Volumen von 34,2 Milliarden Euro entspricht.
Grundlage dieser Einteilung ist eine neue, KI-gestützte Klassifizierungsmethodik von Morningstar, die zusätzlich einer menschlichen Prüfung unterzogen wird. Anhand der jeweiligen Fondsunterlagen werden aktive ETFs dabei auf einer Bandbreite zwischen diskretionärem und systematischem Ansatz verortet, statt sie pauschal mit dem Etikett „aktiv“ zu versehen.














