CSRD-Berichtspflicht: Jedes zweite Unternehmen kürzt Nachhaltigkeitsinvestitionen

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Montage aus EU-Gebäude in Brüssel, Aktenstapel und einer fallenden roten Investitionskurve vor einer Fabrik.
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Die EU-Berichtspflicht trifft auf einen Mittelstand, der beim Thema Nachhaltigkeit zunehmend den Rotstift ansetzt.

Eine Atradius-Umfrage unter rund 300 Unternehmen zeigt: Kostendruck bremst die grüne Transformation. Fast jede zweite Firma schiebt Investitionen auf, und 77 Prozent empfinden die CSRD-Berichtspflicht vor allem als Last.

Fast jedes zweite deutsche Unternehmen schiebt Investitionen in Nachhaltigkeit auf oder streicht sie ganz. Grund ist der wachsende Kostendruck. Das zeigt eine Umfrage des Kreditversicherers Atradius unter rund 300 Unternehmen. Der Konzern hat sie am 22. Oktober 2026 veröffentlicht. Im Zentrum der Kritik steht die CSRD-Berichtspflicht: 77 Prozent der befragten Firmen empfinden sie vor allem als zusätzlichen Aufwand und kaum als Nutzen.

Mit der CSRD-Berichtspflicht ist jene EU-Vorgabe gemeint, die Unternehmen zu umfassender Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet. Über ihren Umfang und ihre Ausgestaltung läuft derzeit eine Debatte auf europäischer Ebene. Für Kreditversicherer, Firmenkundenberater und Finanzierungsvermittler liefert die Atradius-Erhebung damit ein klares Signal: Nachhaltigkeit bleibt Thema, verliert jedoch an Priorität, sobald die Liquidität knapp wird.

Für Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius, bedeuten die Zahlen keinen grundsätzlichen Abschied vom Thema Nachhaltigkeit. Vielmehr müssten Firmen Aufwand, Kosten und strategische Prioritäten künftig genauer gegeneinander abwägen, erklärt er.

„Wer heute jeden Euro zweimal umdrehen muss, investiert lieber in die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens als in die Erfüllung von Berichtspflichten. Dieses Signal sollte die Politik ernst nehmen“, sagt Liebold.

Jedes zweite Unternehmen kürzt Nachhaltigkeitsinvestitionen

Bei einem Drittel der Unternehmen (33 Prozent) besitzt Nachhaltigkeit noch immer hohe Priorität, bei weiteren 40 Prozent zumindest mittlere Bedeutung. Ein Viertel der Firmen (27 Prozent) ordnet das Thema hingegen als nachrangig ein oder hat es ganz zurückgestellt.

Noch deutlicher zeigt sich der Kostendruck bei den Investitionsentscheidungen. Zwölf Prozent der Unternehmen haben Nachhaltigkeitsinvestitionen komplett verschoben, 34 Prozent zumindest teilweise. Insgesamt fährt damit fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) seine Investitionen in Nachhaltigkeit zurück. Lediglich 54 Prozent halten an ihren ursprünglichen Plänen fest.

Für viele mittelständische Unternehmen sei Nachhaltigkeit inzwischen vor allem eine Liquiditätsfrage, erläutert Liebold. Schöben Firmen Investitionen in Energieeffizienz oder Lieferketten auf, handele es sich um Selbstschutz und nicht um einen Sinneswandel. Entsprechend bräuchten Unternehmen nach seiner Einschätzung derzeit vor allem verlässliche Rahmenbedingungen statt zusätzlicher Vorgaben.

Unternehmen halten Aufwand der CSRD-Berichtspflicht für zu hoch

Beim Thema Berichterstattung fällt das Urteil der Unternehmen eindeutig aus. 58 Prozent der Befragten bewerten den Aufwand der CSRD-Berichtspflicht als überhöht, 32 Prozent sogar als deutlich überzogen. Nur elf Prozent empfinden ihn als angemessen.

Auch der Nutzen vermag kaum zu überzeugen: 77 Prozent berichten, das CSRD-Reporting bringe überwiegend oder eher zusätzliche Belastung mit sich. Lediglich fünf Prozent erkennen darin vorrangig einen Nutzen, 18 Prozent sehen ein ausgeglichenes Verhältnis.

„Ein Berichtswesen, das 77 Prozent der Unternehmen vor allem als Last empfinden, verfehlt sein Ziel. Transparenz ist wichtig, auch für uns als Kreditversicherer, wenn wir Risiken bewerten“, sagt Liebold. Dennoch müsse der Aufwand bei der CSRD-Umsetzung verhältnismäßig bleiben, fügt er hinzu.


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Druck von außen bleibt gering, Erwartungen verschieben sich

Druck von Kunden und Investoren, Nachhaltigkeitskennzahlen offenzulegen, spürt laut Umfrage nur eine Minderheit der Unternehmen. Sieben Prozent empfinden diesen Druck als stark, knapp 31 Prozent registrieren ihn als tendenziell zunehmend. Die Mehrheit der Befragten (62 Prozent) nimmt dagegen kaum oder überhaupt keinen zusätzlichen Druck von außen wahr.

Gesellschaftlich sehen die Unternehmen die Erwartungen dennoch steigen. Gefragt, welche Erwartung sich am deutlichsten verstärkt habe, verweisen 28 Prozent auf das Thema Nachhaltigkeit. Nahezu gleichauf liegt Datensicherheit mit 26 Prozent und faire Arbeitsbedingungen mit 24 Prozent. Deutlich abgeschlagen folgen regionale Verantwortung mit elf Prozent, Transparenz mit fünf Prozent und Diversität mit zwei Prozent.

Der Erwartungsdruck an Unternehmen ist nach Einschätzung von Liebold damit insgesamt vielfältiger geworden. Nachhaltigkeit teile sich die Aufmerksamkeit mittlerweile mit Datensicherheit und fairen Arbeitsbedingungen. Wer als Geschäftspartner überzeugen wolle, müsse in allen drei Bereichen liefern. Entscheidend sei am Ende das tatsächliche Handeln und nicht der Umfang eines Berichts.

Aussage der UnternehmenAnteil der Befragten
Nachhaltigkeit hat hohe Priorität33 Prozent
Nachhaltigkeit hat mittlere Priorität40 Prozent
Nachhaltigkeitsinvestitionen komplett verschobenZwölf Prozent
Nachhaltigkeitsinvestitionen teilweise verschoben34 Prozent
Aufwand der CSRD-Berichtspflicht zu hoch58 Prozent
Aufwand der CSRD-Berichtspflicht deutlich zu hoch32 Prozent
CSRD-Reporting bringt überwiegend NutzenFünf Prozent
Spüren kaum oder keinen Druck von Kunden und Investoren62 Prozent
Quelle: Atradius

Für die Erhebung hat Atradius im September 2026 rund 300 Unternehmen befragt, die unter anderem aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft, Chemie, Finanzen, IT, Landwirtschaft, Maschinenbau und Transport stammen. Der Jahresumsatz der teilnehmenden Unternehmen reichte von unter fünf Millionen Euro bis über einer Milliarde Euro, die Beschäftigtenzahl von unter 100 bis mehr als 1.500.

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