Deutschlands Abhängigkeit von Energieimporten bleibt nach Einschätzung des Asset Managers Assenagon ein strukturelles Risiko für Wirtschaft und Kapitalmarkt. Laut der aktuellen Studie lag die Importquote 2024 bei Erdgas bei 95 Prozent, bei Mineralöl bei 98 Prozent und bei Steinkohle bei 100 Prozent. Damit ist die Bundesrepublik bei fossilen Energieträgern in hohem Maß von externen Märkten abhängig.
Diese Struktur macht Deutschland anfällig für globale Preisschocks. Steigen die Preise für Öl und Gas, wirkt sich das direkt auf die Inflation aus, mindert die Kaufkraft und belastet vor allem energieintensive Branchen. „Deutschland ist strukturell ein Preisnehmer auf den globalen Energiemärkten – mit entsprechend begrenztem wirtschaftspolitischem Handlungsspielraum“, konstatiert Sebastian Schmider, Head of AI Solutions & Macro Analytics bei Assenagon.
Nach Einschätzung der Studienautoren hat auch die Energiewende an dieser Verwundbarkeit bislang wenig geändert. Im Gegenteil: Der Atomausstieg nach 2011 habe die Abhängigkeit weiter erhöht, weil damit ein Teil der heimischen Energieerzeugung weggefallen sei.
Energiepreise belasten Industrie und Wachstum
Die Folgen reichen laut Assenagon über kurzfristige Marktreaktionen hinaus. Besonders deutlich zeigt sich das in energieintensiven Industrien wie Chemie, Metall und Papier. Deren Produktion liegt seit 2023 rund 20 Prozent unter dem Niveau vor dem Ukrainekrieg. Für Assenagon ist das ein Hinweis auf eine beginnende strukturelle Deindustrialisierung.
Zugleich verlagern Unternehmen ihre Produktion zunehmend in Regionen mit niedrigeren Energiekosten. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten ist in dieser Entwicklung nach Ansicht von Assenagon noch nicht vollständig berücksichtigt. Neue Spannungen im Persischen Golf könnten den Druck auf die Energiepreise weiter erhöhen und damit den bestehenden Abwärtstrend verschärfen.
„Die strukturelle Verwundbarkeit Deutschlands ist kein zyklisches Phänomen. Anleger sollten dies in der Portfoliokonstruktion dauerhaft berücksichtigen“, so Thomas Romig, CIO Multi Asset bei Assenagon.
Portfolioanpassung bei geopolitischen Risiken
Der Krieg im Nahen Osten zeigt nach Ansicht der Autoren erneut, wie sensibel die globalen Energiemärkte auf geopolitische Risiken reagieren. Auch ohne direkte Importbeziehungen zum Iran können Angebotsrisiken in der Region steigende Öl- und Gaspreise auslösen. Für Deutschland würde das das Risiko neuer Inflationsschübe erhöhen und die wirtschaftliche Erholung dämpfen.
Für Anleger ergibt sich daraus laut Assenagon ein klarer Handlungsbedarf. „Taktisch können Rohstoffpositionen und inflationsindexierte Anleihen helfen, akute Energiepreis- und Inflationsschübe abzufedern“, sagt Romig, und Schmider ergänzt: „Strategisch spricht die anhaltende Standortverwundbarkeit dafür, energieintensive deutsche Industriewerte selektiv unterzugewichten und Wettbewerber aus Regionen mit strukturell günstigeren Energiekosten stärker zu berücksichtigen.“














