Digitales Zentralbankgeld: Risiko einer globalen finanziellen Aufspaltung

Digitale Bank mit dem Schriftzug CBDC für Central Bank Digital Currency
Foto: PantherMedia/bennymarty
Digitales Zentralbankgeld: Fluch oder Segen?

Noch ist das digitale Zentralbankgeld kaum im Einsatz, doch schon jetzt türmen sich Risiken für die Finanzmärkte auf, die zu Beginn gar nicht ersichtlich waren.

Die Geschichte der Technologie auf den Kapitalmärkten geht weitgehend in eine Richtung. Jede Innovation hat die Marktfunktionalität verbessert, in der Regel durch Erhöhung der Geschwindigkeit und/oder der Senkung von Transaktionskosten. Die Technologiesprünge haben sich international zum Nutzen aller Marktteilnehmer verbreitet und zu immer effizienteren und stärker integrierten globalen Finanzmärkten geführt.

Die jüngste Entwicklung – die digitalen Währungen der Zentralbanken – könnte jedoch den gegenteiligen Effekt haben und zu einer globalen Finanzfragmentierung führen. Darüber hinaus könnte eine „Entdollarisierung“ an Glaubwürdigkeit gewinnen. Dies ist keine Zukunftsmusik, sondern schon heute höchst relevant. Elf Länder haben bereits aktiv digitales Zentralbankgeld (CBDC) eingeführt und eine ähnliche Anzahl befindet sich in der Pilotphase.

Ein CBDC ist eine neuartige Form der Bereitstellung von Zentralbankgeld – keine neutrale technische Innovation. Innerhalb geschlossener inländischer Finanzsysteme sollten solche Währungen marktunabhängig sein, da jede Zentralbank ihre eigene Währung entwerfen kann. Im globalen Kontext jedoch könnten grenzüberschreitende CBDCs neue Hürden und Beschränkungen für Kapitaltransaktionen schaffen.

Die Geopolitik des 21. Jahrhunderts hat nicht-westliche Staaten dazu veranlasst, alternative Zahlungsnetze zu entwickeln. Man will die Abhängigkeit von den US-Dollar-Zahlungsschienen und dem in Belgien ansässigen Swift-Nachrichtensystem für Banken verringern. Die Herausforderung für neue Netzwerke wie Chinas Cross-Border Interbank Payment System (Cips) oder Russlands Mir besteht darin, den Vorsprung von Swift auf dem grenzüberschreitenden Markt zu überwinden. Ihr Aufstieg wird allerdings immer bestenfalls schrittweise erfolgen.

CBDCs könnten all dies ändern. Die grenzüberschreitende Konnektivität muss von Grund auf neu konzipiert werden, wodurch sich die Möglichkeit ergibt, eine neue, ganz andere Finanzarchitektur zu schaffen. Viele Skeptiker halten CBDCs für „eine Lösung auf der Suche nach einem Problem“ und verweisen auf die sehr geringe Akzeptanz ihrer Nutzung. Der Fehler besteht jedoch darin, CBDC als eigenständige digitale Zahlungslösung zu betrachten, die für die meisten Länder angesichts der fortgeschrittenen Digitalisierung des Finanzwesens tatsächlich überflüssig ist.

Tatsache ist, dass die wahre technologische Revolution der Blockchain in der bevorstehenden „Tokenisierung“ breiter Schichten von Finanz- und Sachwerten liegt, die entsprechendes digitales Zentralbankgeld auf Blockchain-Basis erfordern wird.

Ein erfolgreiches grenzüberschreitendes Zahlungsmodell muss das schnellste und effizienteste sein und die geringsten Transaktionskosten verursachen. Entscheidend ist, inwieweit die gewählten Systeme alternative Zahlungsnetze fördern, grenzüberschreitende Kapitalströme erleichtern und die Hürden für den Zugang zu den Finanzanlagen anderer Länder senken. In einem demnächst erscheinenden Bericht von State Street untersuchten wir die geopolitischen Implikationen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Verwaltung grenzüberschreitender CBDCs das Potenzial hat die Position der Länder in der globalen politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Ordnung zu beeinflussen.

Aber wie würden grenzüberschreitende CBDC-Vereinbarungen in der realen Welt funktionieren? Wir stellen uns hier drei verschiedene Modelle vor. Das erste würde sich auf eine neutrale supranationale Stelle stützen, die grenzüberschreitende Zahlungen vermittelt – ganz ähnlich wie Swift heute. Dies wäre einfach einzurichten, denn die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) hat mit ihrem Icebreaker-Projekt genau damit experimentiert. Das könnte aber nur eine begrenzte Funktionalität haben und im Grunde nur einen einfachen Währungsaustausch ermöglichen.

Das zweite Modell wäre eine neue digitale Infrastruktur, die die CBDCs der teilnehmenden Länder miteinander verbindet. Man könnte sich dies wie das digitale Äquivalent eines Eisenbahnnetzes vorstellen, mit etablierten Strecken und interoperablem Verkehr zwischen bestimmten Ländern. Das am weitesten fortgeschrittene Beispiel ist mBridge, das von der Hong Kong Monetary Authority, der People’s Bank of China und anderen Zentralbanken entwickelt wird. Dies könnte sich weiterentwickeln, um auch grenzüberschreitende Wertpapiertransaktionen zu ermöglichen.

Das dritte Modell wäre ein gemeinsames Zentralverwahrerzentrum zwischen Ländern mit gemeinsamer Verwaltung. Dies würde nur für Länder mit einem hohen Maß an politischer und wirtschaftlicher Integration funktionieren.

Bei diesen neuen Modellen sind drei Dinge zu beachten. Erstens werden grenzüberschreitende Zentralverwahrer wahrscheinlich eher zu einer stärkeren als zu einer geringeren Fragmentierung der globalen Finanzmärkte führen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine auf CBDCs basierende Welt nahtloser wäre als die heutige Finanzarchitektur. Darüber hinaus werden die Rivalitäten zwischen Großmächten (z. B. zwischen den USA und China) dazu beitragen, die Präferenzen der Länder für ein Modell festzulegen, was die Fragmentierung noch verschärft. Schließlich wird der operativ erfolgreichste grenzüberschreitende Mechanismus – gemessen an der Senkung der Handelskosten, der Steigerung der Effizienz und der Gewährleistung der Transaktionssicherheit und der Einhaltung von Vorschriften – dazu beitragen, die Kapitalströme zu fördern. Zumindest wird sich dies auf die Verwendung von Handelswährungen auswirken und vermutlich die weltweite Verwendung des US-Dollars als solche verringern.

Autor Elliot Hentov ist Leiter des Makro Policy Research bei State Street Global Advisors.

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