„Dr. Doom“: „Ein Großteil der Vermögen weltweit wird ausgelöscht werden“

Nouriel Roubini
Foto: Cash.
Nouriel Roubini: "Wir steuern derzeit auf eine Situation zu, die das Schlimmste der Wirtschaftskrise in den 1970er-Jahren sowie das Schlimmste der Finanzkrise von 2008 für die Märkte bereithält."

Nouriel Roubini, Wirtschaftsexperte und Professor an der Stern School of Business an der New York University, zeichnete in seinem Vortrag auf dem Fondskongress ein düsteres Bild für die Chancen von Investoren.

Er hat die Finanzkrise von 2008 sehr viel früher vorhergesagt als irgendjemand sonst, was ihm den Beinamen „Dr. Doom“ einbrachte. Und auch jetzt warnt Nouriel Roubini eindringlich vor großen Verwerfungen in der Wirtschafts- und Finanzwelt, die ein Großteil der Vermögenswerte weltweit auslöschen werden.

Mit diesen Worten startete Roubini seinen Eröffnungsvortrag auf dem diesjährigen Fondskongress in Mannheim. Er hat 10 Mega-Threats aufgedeckt, die große Herausforderungen für Investoren bedeuten. Nach seiner Auffassung treten wir nunmehr in eine Phase der Stagflation gepaart mit enormen finanziellen Verwerfungen ein. Wirtschaftswachstum sei zukünftig in keiner Region mehr in signifikantem Ausmaß zu erwarten, während die Kosten für die Produktion von Waren und Dienstleistungen extrem in die Höhe schnellten. Und auch der während der Corona-Pandemie zutage getretene Angebots-Schock an den Märkten werde zu einem Dauerzustand, so Roubini. „Wir steuern derzeit auf eine Situation zu, die das Schlimmste der Wirtschaftskrise in den 1970er-Jahren sowie das Schlimmste der Finanzkrise von 2008 für die Märkte bereithält“, so der Ökonom.

Nouriel Roubini während seines Vortrags auf dem Fondskongress (Foto: Cash.)

Und auch den Themen Nachhaltigkeit und ESG erteilt Roubini in ihrer Bedeutung für die Märkte eine klare Absage. „Es gibt zu viel Greenwashing und Greenwishing“, meint er und interpretiert die Corona-Pandemie als Folge einer zunehmend auf nachhaltige Themen fokussierten Wirtschaftswelt.

Als besondere Bedrohung sieht Roubini auch in dem Versuch von Russland, China, Iran und anderen autoritären Staaten, die politische und wirtschaftliche Weltordnung, wie sie von den USA und Europa nach dem 2. Weltkrieg initiiert wurde, zunächst zu destabilisieren und in der Folge durch eine neue, demokratie- und investorenfeindliche Ordnung zu ersetzen. Darüber hinaus warnt er vor einem Übergang der Phase des „Cold War“ zwischen den USA und China hin zu einem offen ausgetragenen Konflikt mit Taiwan in seinem Zentrum.

Bezüglich der Inflationsentwicklung teilt er nicht die Mainstream-Meinung, wonach diese im Laufe des Jahres auf zwei bis drei Prozent zurückgehen werde. Er prognostiziert vielmehr, dass sich die Teuerungsrate auf Dauer bei fünf bis sechs Prozent einpendeln werde, mit unter anderem erheblichen Auswirkungen auf die Preise von Vermögenswerten. Er empfiehlt Anlegern deshalb auf Real Assets zu setzen. Nur mit inflationsindexierten Anleihen, Gold und anderen Edelmetallen sowie mit Immobilien sei es in der Zukunft noch möglich, ansehnliche Renditen zu erwirtschaften oder zumindest das Vermögen zu erhalten.

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