Die politische Diskussion über eine mögliche Pflichtversicherung für Elementarschäden erhält neue Daten. Eine Studie untersucht erstmals systematisch, welche Zusatzkosten für eine Elementardeckung tatsächlich entstehen. Grundlage sind reale Marktangebote, die über alle 36 deutschen Risikozonen hinweg ausgewertet wurden.
Die Untersuchung basiert auf einer umfangreichen Massenberechnung von Versicherungsangeboten. Für ein einheitlich definiertes Musterhaus im Wert von rund 500.000 Euro wurden mehr als 1.000 reale Adressen betrachtet. Für jede Konstellation wurden Angebote mit und ohne Elementarschutz berechnet, um die tatsächlichen Mehrkosten präzise zu bestimmen.
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Ziel der Analyse ist eine belastbare Grundlage für politische und wirtschaftliche Entscheidungen. Die Studie soll damit eine sachlichere Bewertung möglicher Modelle ermöglichen, etwa gezielte Prämienentlastungen, risikoadäquate Subventionen oder verpflichtende Lösungen mit flankierenden Maßnahmen.
Große Unterschiede je nach Risikozone
Die Auswertung zeigt eine erhebliche Beitragsspreizung zwischen den Regionen. In Hochrisikogebieten steigen die Prämien deutlich an, also genau dort, wo Versicherungsschutz besonders wichtig ist. Gleichzeitig ist auch innerhalb derselben Risikozone eine große Bandbreite bei den Beiträgen erkennbar.
Diese Unterschiede machen Beitragsvergleiche für Verbraucher besonders relevant. Ohne eine systematische Gegenüberstellung identischer Vertragskonstellationen können leicht verzerrte Aussagen über Kosten entstehen.
„Die Elementarbeiträge werden am Markt nicht isoliert ausgewiesen, sondern man erhält Angebote nur mit oder ohne Elementarschadenversicherung als Gesamtbeitrag für das Wohngebäude. Die Herausforderung bestand daher nicht allein darin, zahlreiche Berechnungen durchzuführen, sondern vor allem darin, Vergleichbarkeit herzustellen. Ohne eine systematische Gegenüberstellung identischer Vertragskonstellationen entstehen verzerrte Aussagen. Politische Entscheidungen zur Versicherungspflicht brauchen belastbare Daten – keine Durchschnittswerte“, sagt Prof. Dr. h. c. Hartmut Nickel-Waninger, Honorarprofessor am International Center for Insurance Regulation (ICIR) der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Gastgutachter des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen.
Kosten sind nicht der einzige Faktor
Neben den Beiträgen rückt die Studie auch Unterschiede bei den Leistungen in den Blick. In der öffentlichen Debatte werde vor allem über Kosten gesprochen, während Leistungsinhalte oft zu wenig berücksichtigt würden.
„In der aktuellen Debatte wird vor allem über Kosten gesprochen. Zu wenig berücksichtigt werden die am Markt vorhandenen Leistungsunterschiede. Wenn über verpflichtende Modelle nachgedacht wird, stellt sich – ähnlich wie bei den bereits bestehenden Pflichtabsicherungen in der Kranken- und Kfz-Haftpflichtversicherung – die Frage, welches Leistungspaket verbindlich enthalten sein soll. Nur so lassen sich Beiträge sachgerecht bewerten und vergleichen“, sagt Jennifer Hansen, Leiterin des fb research-Analyseteams im Kompositbereich.
Die Studie versteht sich als datenbasierter Beitrag zur Bewertung möglicher Modelle zur Absicherung von Elementarschäden. Transparente Datengrundlagen seien Voraussetzung für belastbare Entscheidungen, insbesondere angesichts zunehmender Klimarisiken.






