Energiesicherheit Deutschland: Nur Platz 69 im globalen Ranking

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Windkraft und Photovoltaik lieferten im ersten Halbjahr 2026 zusammen mehr als die Hälfte des deutschen Stroms.

Ein britischer Think-Tank sieht die Energiesicherheit Deutschlands nur auf Platz 69 von 187 Ländern - laut BILD sogar hinter dem Irak. Die Bundesnetzagentur meldet dagegen kurze Ausfallzeiten. Was hinter den widersprüchlichen Zahlen steckt.

Im „Global Energy Security Index 2026“ belegt Deutschland bei der Energiesicherheit lediglich Platz 69 unter 187 untersuchten Staaten. Nach Darstellung von Bild Online rangiert die Bundesrepublik damit sogar unterhalb des Irak, Bosnien und Herzegowinas sowie Kirgisistans. Veröffentlicht hat die Rangliste das britische Adam Smith Institute, Studienautoren sind Dr. Oliver McPherson-Smith und Jasper Ostle.

Wie der Index die Energiesicherheit Deutschlands bewertet

Der Index beurteilt jedes Land anhand von vier gleich gewichteten Kriterien mit jeweils null bis 100 Punkten. Dazu zählen Dispatchability als Anteil steuerbarer Erzeugung und Diversity, also die Diversifizierung des Energiemixes, gemessen über den Herfindahl-Hirschman-Index. Hinzu kommen Import Security sowie Ability to Pay, berechnet aus dem logarithmisch skalierten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Beim Kriterium Dispatchability stuft das Adam Smith Institute Strom aus Kohle, Gas, Öl, Kernkraft, Wasserkraft, Geothermie und Bioenergie als regelbar ein. Wind- und Solarstrom rechnet das Institut dagegen nicht an, weil ihre Erzeugung vom Wetter abhängt.

Wie stark diese Definition wirkt, zeigt das Teilranking. Bei der Dispatchability liegt Deutschland laut den von Bild Online zitierten Indexwerten zufolge lediglich auf Rang 180 von 187 Ländern. Bei der Streuung des Energiemixes sowie bei der wirtschaftlichen Zahlungsfähigkeit erzielt das Land hingegen vergleichsweise gute Werte.

Erneuerbare liefern 59,1 Prozent des deutschen Stroms

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 kamen 59,1 Prozent des in Deutschland produzierten und eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Dies geht aus Angaben des Statistischen Bundesamts hervor, nachdem der Wert im Vorjahreshalbjahr noch bei 58,0 Prozent lag. Insgesamt flossen 230,6 Milliarden Kilowattstunden ins Netz, 4,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Einspeisung aus erneuerbaren Quellen stieg dabei um 6,5 Prozent auf 136,4 Milliarden Kilowattstunden.

Mit 67,7 Milliarden Kilowattstunden war die Windenergie weiterhin die bedeutendste Stromquelle - ein Zuwachs von 12,3 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Photovoltaik legte um 3,5 Prozent auf 41,0 Milliarden Kilowattstunden zu. Mit einem anderen Berechnungsansatz ermitteln BDEW und ZSW einen Anteil von 58,0 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch. Der Anteil variiert also je nach Erhebungsmethode leicht.

Zudem steht in Deutschland seit 2023 keine Kernkraft mehr zur Verfügung. Am 15. April 2023 wurden die drei letzten Reaktoren Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 abgeschaltet, wie das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung festhält. Damit steht eine Erzeugungsform nicht mehr zur Verfügung, die der Index beim Kriterium Dispatchability voll anrechnet.


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Wie zuverlässig ist die Stromversorgung in Deutschland tatsächlich?

Jährlich ermittelt die Bundesnetzagentur die durchschnittliche Dauer von Versorgungsunterbrechungen - den sogenannten SAIDI-Wert. Im Jahr 2024 lag dieser bei 11,7 Minuten je Letztverbraucher, nach 12,8 Minuten im Vorjahr und einem Mittel von 12,7 Minuten über die vergangenen zehn Jahre. „Die Stromversorgungsqualität in Deutschland ist weiterhin sehr zuverlässig“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Im europäischen Vergleich zählt Deutschland damit weiterhin zu den Ländern mit den zuverlässigsten Stromnetzen.

JahrSAIDI (Minuten je Letztverbraucher)
202312,8
202411,7
Zehnjahresmittel12,7
Quelle: Bundesnetzagentur

Zu beachten ist jedoch, dass die offizielle SAIDI-Statistik lediglich Unterbrechungen von mindestens drei Minuten erfasst. Für das Jahr 2024 zählten 830 Netzbetreiber zusammen 164.645 Unterbrechungen der Versorgung in der Nieder- und Mittelspannungsebene - etwa 6.300 mehr als im Jahr davor, wobei die gesamte Ausfallzeit zugleich sank.

Unternehmen melden mehr kurze Stromausfälle

Eine Umfrage der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) unter bayerischen Unternehmen zeichnet ein gemischtes Bild. 82 Prozent der Befragten bewerten die aktuelle Versorgungssicherheit als „gut“ oder „sehr gut“, nach 74 Prozent im Jahr 2025. „Sichere Energie ist das Fundament unserer Reindustrialisierung“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw, anlässlich der Veröffentlichung der Erhebung am 21. Oktober 2026.

Zugleich melden 48 Prozent der Unternehmen kurze Stromausfälle von weniger als drei Minuten - ein Plus von über acht Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Wirtschaftliche Schäden durch diese Ausfälle verzeichneten 60 Prozent der betroffenen Betriebe. Zudem ziehen 16 Prozent in Betracht, zukünftig nicht mehr in Bayern zu investieren - im Jahr 2020 lag dieser Anteil noch bei knapp sechs Prozent. Brossardt warnt, der Standort Bayern verliere wegen der Sorgen um die Versorgungssicherheit an Attraktivität.

Großbritannien liegt auf Platz 41 - nur Italien und Deutschland schlechter

Auch das Heimatland des Instituts schneidet im Index nicht gut ab. Großbritannien erreicht Platz 41 von 187 und ist damit nach Angaben des Adam Smith Institute das am wenigsten energiesichere G7-Land. Unter den G7-Staaten liegen lediglich Italien und Deutschland noch dahinter.

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