Fondspolicen mit Garantien: Zwischen Sicherheit und Renditechance

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Auch bei stark kapitalmarktorientierten Policen bleibt das Sicherungsvermögen ein wichtiger Bestandteil.

Fondsgebundene Lebensversicherungen treiben das Wachstum der Branche. Besonders Produkte mit Garantien verbinden Kapitalmarktchancen mit einem Sicherheitsnetz. Eine Analyse der Rating-Agentur Assekurata zeigt, wie diese Policen aufgebaut sind und welche Faktoren für Rendite und Beratung entscheidend sind.

Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen haben sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Wachstumstreiber der Lebensversicherung entwickelt. Klassische Policen spielen dagegen eine deutlich kleinere Rolle, auch wenn der Höchstrechnungszins Anfang 2025 gestiegen ist und die Überschussbeteiligungen zugenommen haben.

Das Neugeschäft verschiebt sich zunehmend in Richtung kapitalmarktorientierter Produkte. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft stiegen die Kapitalanlagen für fondsgebundene Policen im Jahr 2024 um knapp 20 Prozent. Auch die Erwartungen der Versicherer spiegeln diesen Trend wider. In der aktuellen Assekurata-Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2026 sehen die Anbieter die größten Geschäftschancen bei Fondspolicen ohne Garantien, gefolgt von der betrieblichen Altersversorgung sowie fondsgebundenen Produkten mit Garantien.

Fondspolicen mit Garantien verbinden zwei Ziele: eine gewisse Sicherheit durch garantierte Leistungen und gleichzeitig die Chance auf höhere Erträge über den Kapitalmarkt.

Hybridmodelle mit mehreren Anlagetöpfen

Typischerweise funktionieren diese Policen als Hybridprodukte. Ein Teil der Beiträge fließt in das Sicherungsvermögen des Versicherers, ein anderer Teil in Investmentfonds oder gemanagte Fondsportfolios. Teilweise kommt ein weiterer sogenannter Wertsicherungstopf hinzu, der Marktschwankungen abfedern soll.


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Ziel dieser Struktur ist es, eine lebenslange Mindestrente zu garantieren und gleichzeitig an positiven Entwicklungen der Kapitalmärkte zu partizipieren. Ein zentrales Element vieler Produkte ist der garantierte Rentenfaktor. Er legt fest, welche monatliche Rente pro 10.000 Euro Vertragsguthaben mindestens gezahlt wird.

Viele Tarife bieten zudem eine flexible Wahl des Garantieniveaus. Häufig können Kunden Garantien von 60 Prozent oder 80 Prozent der eingezahlten Beiträge wählen, teilweise auch 100 Prozent. Höhere Garantien erhöhen zwar die Sicherheit, reduzieren jedoch den Anteil des Kapitals, der chancenorientiert in Fonds investiert werden kann.

Sicherungsvermögen stabilisiert die Garantien

Auch bei stark kapitalmarktorientierten Policen bleibt das Sicherungsvermögen ein wichtiger Bestandteil. Ein Teil der Kundengelder wird dort angelegt, um die Garantieleistungen abzusichern. Diese Mittel werden mit einer laufenden Verzinsung ausgestattet, die sich aus Garantiezins und Überschussbeteiligung zusammensetzt.

Nach der Assekurata-Marktstudie liegt die durchschnittliche Verzinsung im Sicherungsvermögen von Fondspolicen mit Garantien derzeit bei 2,49 Prozent pro Jahr. Einschließlich möglicher Schlussüberschüsse ergeben sich teilweise Gesamtverzinsungen von deutlich über drei Prozent.

Für die langfristige Rendite bleibt jedoch vor allem die Entwicklung der Fondsanlage entscheidend. In einem von Assekurata analysierten Musterfall mit 80 Prozent Bruttobeitragsgarantie, einer angenommenen Fondsrendite von vier Prozent und einer Laufzeit von 35 Jahren bei monatlich 100 Euro Beitrag ergibt sich zum Rentenbeginn eine mögliche Monatsrente zwischen rund 184 Euro und 338 Euro. Im Durchschnitt liegt sie bei etwa 219 Euro. Davon sind im Mittel rund 92 Euro garantiert, während der restliche Anteil von Überschüssen und der Entwicklung der Fonds abhängt.

Große Fondsauswahl erhöht Beratungsbedarf

Versicherer kombinieren bei Fondspolicen häufig frei wählbare Investmentfonds mit gemanagten Portfolios. Freie Fonds sind meist öffentlich handelbare Investmentfonds oder ETFs, während gemanagte Strategien speziell für Versicherungsprodukte konzipiert werden. Kunden können entweder selbst aus einer Fondsliste wählen oder eine vorgegebene Anlagestrategie nutzen, die sich an einem definierten Risiko-Rendite-Profil orientiert. Solche Strategien sollen die Auswahl und Umschichtung der Fonds vereinfachen.

Laut Assekurata bieten rund drei Viertel der Anbieter eine freie Fondsanlage an. Im Durchschnitt stehen dabei etwa 113 Fonds zur Auswahl, in einzelnen Tarifen sogar fast 280. Zusätzlich oder alternativ bieten einige Versicherer gemanagte Portfolios an, meist mit etwa fünf Strategien pro Tarif.

Die große Auswahl eröffnet zwar individuelle Anlagemöglichkeiten etwa nach Regionen, Anlageklassen oder Nachhaltigkeitskriterien. Gleichzeitig steigt mit der Vielfalt auch die Komplexität der Entscheidung. Für viele Kunden kann eine sehr große Fondsauswahl unübersichtlich werden. Auch für Vermittler erhöht sich der Beratungsaufwand, nicht zuletzt durch regulatorische Anforderungen wie Geeignetheitsprüfung, Nachhaltigkeitspräferenzen und Kostentransparenz.

Fondsqualität entscheidet über langfristige Ergebnisse

Für die langfristige Entwicklung einer Fondspolice ist vor allem die Qualität der zugrunde liegenden Fonds und Portfolios entscheidend. Dieser Aspekt ist für Kunden und Vermittler allerdings häufig schwer zu beurteilen.

Vor diesem Hintergrund analysiert Assekurata gemeinsam mit dem Handelsblatt regelmäßig die Qualität der Fondsangebote in Lebensversicherungsprodukten im sogenannten Fondstacho. Die Auswertungen zeigen, dass die Fondsportfolios vieler Anbieter überdurchschnittliche Risiko-Rendite-Profile aufweisen und damit eine solide Grundlage für die Altersvorsorge bieten können.

Fondspolicen haben sich damit auch nach dem Ende der Niedrigzinsphase als wichtige Form der privaten Altersvorsorge etabliert. Sie eröffnen die Chance auf höhere Renditen als klassische Produkte, stellen jedoch gleichzeitig höhere Anforderungen an Produktgestaltung, Transparenz und Beratung.

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