Geopolitische Krisen: Was Anleger aus früheren Börsenschocks lernen können

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Historische Daten zeigen: Geopolitische Krisen belasten Aktien meist nur kurz und werden rasch aufgeholt.

Kriege, Terror und politische Spannungen sorgen an den Märkten regelmäßig für Nervosität. Eine Auswertung historischer Daten zeigt jedoch: Die Rückschläge fallen oft begrenzt aus, und die Erholung setzt meist schneller ein als viele Anleger erwarten.

Kriege, Konflikte und politische Spannungen sorgen regelmäßig für Unruhe an den Börsen. Die Sorge vieler Investoren: Wenn geopolitische Risiken zunehmen, stehen die Märkte für längere Zeit unter Druck. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Aktienkurse reagieren zwar kurzfristig spürbar – doch die Erholung folgt meist erstaunlich schnell.

Um einschätzen zu können, ob neben den oft zitierten politischen Börsen auch die geopolitischen die sprichwörtlichen kurzen Beine haben, nutzte Pascal Kielkopf den Geopolitical Risk Index (GPR Index) des Ökonomen Matteo Iacoviello. Dieser Index misst die globale geopolitische Risikolage, indem er die Häufigkeit bestimmter Schlüsselbegriffe in internationalen Zeitungsartikeln auswertet – darunter Begriffe rund um Kriege, Terrorismus und geopolitische Spannungen. Je häufiger solche Begriffe auftauchen, desto höher der Indexstand.


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Um Phasen mit erhöhtem Risiko zu erkennen, legte der Kapitalmarktstratege von HQ Trust einen Schwellenwert fest: Geht der GPR Index über den historischen Mittelwert plus eine Standardabweichung hinaus, gilt die geopolitische Lage als angespannt. Solche Phasen umfassen etwa den Golfkrieg 1990, die Anschläge vom 11. September 2001, den Irakkrieg 2003 oder den russischen Angriff auf die Ukraine 2022.

Im zweiten Schritt berechnete Pascal Kielkopf für den globalen Aktienindex MSCI ACWI, wie tief die Märkte in dem Monat gefallen sind, in dem ein erhöhtes geopolitisches Risiko gemessen wurde – und wie sich der Index in den drei Monaten danach entwickelte. Er verglich die Ergebnisse beider Berechnungen mit der Entwicklung in Monaten ohne erhöhtes Risikoniveau.

Erhöhtes Risiko, begrenzter Schaden

In Monaten mit überdurchschnittlich hohem geopolitischem Risiko verloren Anleger im MSCI ACWI im Schnitt zwischenzeitlich 3,7 %. In ruhigeren Monaten lag dieser maximale Monatsverlust bei durchschnittlich nur 2,3 %. Der Unterschied ist also spürbar – aber vermutlich geringer als viele Anleger befürchten. Drei Monate nach den Hochrisikomonaten notierte der MSCI ACWI durchschnittlich 6 % höher. In normalen Zeiten waren es 5,7 %. Die Erholung nach geopolitischen Schocks fällt damit historisch minimal stärker aus als in ruhigen Phasen.“ In Summe sind die Ergebnisse aber so nah beieinander, dass man sagen kann, dass die Märkte wieder zur Tagesordnung übergegangen sind. Auch an den historischen Schwankungsbreiten sieht man, dass Risiko und Chance rund um geopolitische Spannungen nicht signifikant anders ausfallen.

Kaufgelegenheit statt Kapitulation

Geopolitische Krisen wirken an den Märkten oft bedrohlicher, als sie sich langfristig tatsächlich auswirken. Wer in solchen Phasen verkauft, hat die anschließende Erholung oft verpasst. Anleger, die investiert blieben oder mutig in der Schwäche nachgekauft haben, wurden meist bereits nach wenigen Monaten dafür belohnt.

Risiken nicht ignorieren

Kurzfristige Rückschläge durch geopolitische Schocks sind normal. Ein diszipliniertes Rebalancing ist meist die bessere Reaktion als hektische Verkäufe. Einzelne Krisen können zwischenzeitlich auch stärkere Verluste verursachen, doch das bleibt die Ausnahme – insgesamt zeigen die Märkte eine hohe Widerstandskraft. Disziplin, ein langer Atem und ein robustes Portfolio bleiben in Krisenzeiten die verlässlichsten Verbündeten.

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