Die aktuell veröffentlichten VPI-Daten fielen so gut aus, wie angesichts des durch den Iran-Konflikt bedingten Anstiegs der Energiepreise zu erwarten war. Zwar erreichte der Gesamtindex mit 0,87 % den höchsten Stand seit Juni 2022, lag damit jedoch leicht unter den Erwartungen von 1,0 %. Dieser Wert im Monatsvergleich entspricht einer Jahresrate von 3,29 %. Im Gegensatz dazu lag der Kern-VPI bei moderaten 0,20 %, womit der Kern-VPI im Jahresvergleich bei recht moderaten 2,60 % liegt.
Auch wenn sich diese Zahlen auf den März beziehen, hält der Einfluss des Iran-Konflikts noch lange an. So stiegen die Benzinpreise laut Bericht um 21 % und insgesamt sogar um rund 40 % seit Konfliktbeginn. Es ist also mit weiteren Preisanstiegen zu rechnen. Gleiches gilt für die Lebensmittelpreise. Zwar blieben sie unverändert, doch ist es nur eine Frage der Zeit bis sich der Anstieg der Dieselpreise auf nachgelagerte Bereiche wie die Lebensmittelpreise auswirkt.
Positiv ist, dass die Kernleistungen ohne Wohnungswesen (Super Core) nur um 0,18 % gestiegen sind, gegenüber einem Durchschnitt der letzten beiden Monate von 0,47 %, und dass die OER (Owners‘ Equivalent Rent – Eigentümeräquivalentmiete) zum dritten Mal in Folge bei 0,22 % lag. Damit liegt die OER im Jahresvergleich bei 3,02 % – ein Wert, den wir seit dem dritten Quartal 2021 nicht mehr gesehen haben.
Trotz der besser als erwarteten Zahlen steht die Fed bei ihren nächsten Sitzungen vor einem großen Dilemma. Soll sie diesen hoffentlich nur vorübergehenden Ausreißer bei den Inflationszahlen ignorieren oder tatsächlich eine Zinserhöhung in Betracht ziehen, obwohl das Wirtschaftswachstum etwas ins Stocken geraten zu sein scheint? Die Antwort hängt offensichtlich von der Dauer des Konflikts ab, die derzeit ehrlich gesagt niemand genau vorhersagen kann. Was wir wissen, ist, dass selbst wenn die Straße von Hormus heute wieder geöffnet würde, die Energiepreise noch monatelang und möglicherweise sogar jahrelang auf einem hohen Niveau bleiben werden.
Derzeit signalisiert der Anleihemarkt, dass die Fed zwar weiterhin harte Töne in Bezug auf die Inflation anschlagen wird, aber nur mit einer Rute in der Größe eines Zweigs bewaffnet ist. Die Märkte preisen für mindestens die nächsten zehn Fed-Sitzungen den Status quo beim Leitzins ein.
Die Marktteilnehmer vergessen jedoch auf eigene Gefahr die Faustregel, dass ein Anstieg der Ölpreise um 10 % den Gesamt-VPI um 25 bis 30 Basispunkte und den Kern-VPI um 4 bis 5 Basispunkte in die Höhe treibt. Sollte Öl über einen längeren Zeitraum auf diesem Niveau bleiben, das 40–50 % über dem Stand vor dem Iran-Konflikt liegt, könnten wir Gesamt-VPI-Werte von über 4 % und sogar Kern-VPI-Werte im Bereich von 3 % sehen. Dies würde einen Großteil der Fortschritte zunichtemachen, die die Fed in den letzten vier Jahren bei der Inflationsbekämpfung erzielt hat.
Autor John Kerschner ist Global Head of Securitized Products bei Janus Henderson Investors.












