Herr Dr. Bader, aktuell hat die Politik Weichen sowohl für die Aktivrente als auch für die Frühstart-Rente gestellt. Wie bewerten Sie die beiden Themen?
Bader: Die Aktivrente begrüße ich explizit, weil wir uns derzeit in einer Situation befinden, in der wir wegen des Fachkräftemangels jeden Mitarbeitenden brauchen. Und wenn die Menschen die Möglichkeit haben, ein bisschen mehr steuerfrei dazu zu verdienen, ist das für Deutschland insgesamt sehr wichtig und richtig. Ich finde, die Aktivrente ist auch gut ausgestaltet, so dass jetzt Leute nicht früher in Rente gehen können, um dann steueroptimiert noch weiterzuarbeiten. Und wir brauchen diese älteren Arbeitskräfte dringend, denn sie verfügen über ein unheimlich großes Know-how.
Zur Frühstart-Rente gibt es bis auf die 10 Euro, die es geben soll, eigentlich noch nichts zu sagen. Das ist alles noch sehr vage. Man muss einfach abwarten, was kommt. 10 Euro pro Monat ergeben bei der anvisierten Laufzeit von 12 Jahren 1.440 Euro Beitragssumme. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Das ist richtig. Was müsste hier verbessert werden?
Bader: Es wäre wichtig, dass man Zuzahlungen von Eltern, Großeltern oder eigene Beiträge integrieren könnte. Allerdings wäre das dann steuerlich hochkompliziert und könnte auch technisch ein Riesenproblem werden. Meine große Sorge ist, dass die Frühstart-Rente aufgrund der kleinen Summen und der hohen Komplexität wieder ein Rohrkrepierer wird.
Nun zu einem Punkt, der bereits in der Aktivrente anklingt: länger arbeiten zu sollen / zu müssen. Nun sind Erwerbsbiografien sehr unterschiedlich. Sollten bei Ihren Forderungen nach bspw. dem Ende der abschlagsfreien Rente für langjährige Versicherte die persönliche Gesundheit oder bei der Aufgabe der Haltelinie die Höhe der Rente an sich berücksichtigt werden?
Bader: Was ich jetzt sage, klingt vielleicht hart. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir von der Einzelfallgerechtigkeit, die wir immer im Kopf haben, wegkommen müssen, weil wir es uns einfach nicht mehr leisten können. Einzelfallgerechtigkeit ist nämlich teuer, weil sie an vielen Stellen wieder ausgenutzt wird und kompliziert in der Verwaltung ist. Nehmen wir z.B. die vorgezogene Rente für langjährige Versicherte. De facto nehmen diese einen großen Anteil der Besserverdiener in Anspruch, die schon eine hohe Rente bekommen. Und die Problemfälle, von denen Sie sprachen – nämlich die Handwerker und vergleichbar Berufstätige, die körperlich vielleicht nicht mehr können – können es sich gar nicht leisten, weil sie nur eine kleine Rente kriegen. Ich glaube, wir müssen wirklich aufpassen, dass wir das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und versuchen, jedem doch irgendwie zu gerecht zu werden.
Erkennt die Politik diese Problematik?
Bader: In der Politik herrscht momentan eine ganz starke Tendenz, bloß keinem wehzutun.Was jetzt aber bei der Altersvorsorge und auch im Bereich der Sozial- Kranken- und Pflegeversicherung kommen muss, das wird richtig wehtun. Und je länger wir warten, desto schmerzhafter wird es. Deswegen müssen meiner Meinung nach Menschen, die ihren jetzigen Job nicht mehr ausüben können, schauen, ob sie einen anderen Job ausüben können, so hart das auch klingt. Es gibt viele Jobs, die weniger körperlichen Einsatz erfordern und wo händeringend Menschen gesucht werden. Und für diejenigen, die tatsächlich nicht mehr arbeiten können, gibt es immer noch eine Erwerbsminderungsrente und soziale Auffangnetze, die dann greifen. Es fällt niemand komplett hinten runter.
Denken Sie, dass die sozialen Auffangnetze dann mehr Menschen auffangen müssen?
Bader: Ich glaube, dass, wenn man konsequent vorgeht, wirklich nur ein sehr kleiner Kreis dann wirklich in die Grundsicherung fällt. Und bei vielen von denen stellt sich dann die Frage, ob sie nicht früher oder später sowieso in die Grundsicherung fallen, weil die Rente so dünn ist. Meines Erachtens ist es wichtig, dass es am Ende ein soziales Auffangnetz gibt für die Schwächsten unserer Gesellschaft.
Sie fordern den Verzicht auf die nächste Stufe der Mütterrente. Care-Arbeit bedeutet viel unbezahlte Arbeit, was gerade vielen jüngeren Frauen sehr stark bewusst ist und bis zum Verzicht auf Kinder führt. Wie kann man hier argumentieren?
Bader: Auch hier stellt sich wieder die Frage, was gerecht ist oder wo man eigentlich hin will. Deutschland hat eine der höchsten Teilzeitquoten. Beispielsweise arbeiten die Deutschen im Schnitt etwas über 30 Arbeitstage jährlich weniger pro Person als in den USA. In den USA wird wesentlich mehr Vollzeit gearbeitet. Wir können uns das nicht mehr nur langfristig, sondern sogar mittel- bis kurzfristig nicht mehr leisten. Und je attraktiver ich es mache, in Teilzeit zu arbeiten, desto mehr wird die Möglichkeit genutzt.
Kinder zu haben und Vollzeit zu arbeiten ist äußerst anspruchsvoll. Stichworte: Haushalt, Fürsorge, Förderung, Krankheiten, Mental Load… Teilzeit bei Eltern bedeutet im Allgemeinen nicht mehr Freizeit. Wie sehen Sie das?
Bader: Natürlich verstehe ich die Menschen. Wenn wir investieren wollen, dann müssen wir gleichermaßen in die Betreuung, in Kindergärten und in die Ausbildung von Kindern investieren, so dass Eltern entlastet werden und auch wirklich arbeiten können. Mittlerweile hat man bei vielen Berufen, auch durch die Homeoffice-Möglichkeiten, deutlich mehr Flexibilität. Wenn ich ein Füllhorn hätte, würde ich ja gerne allen, die Kinder haben, auch noch mehr Erziehungszeiten anerkennen. Aber uns fehlt das Geld. Momentan wird vor allem noch der Boomer-Generation, der es im Mittel sehr gut geht, auch in der Rente, relativ üppig Geld nachgeworfen. Und das können wir uns nicht mehr leisten. Ich bin heute kein Sozialapostel, sondern gehe von der schieren Finanzierbarkeitsfrage aus, was sich Deutschland noch leisten kann.
Also ist es Ihrer Meinung nach für unsere Wirtschaft unabdingbar, dass jeder Vollzeit arbeitet?
Bader: Ja, so weit wie nur möglich. Und mit Blick nach vorne will ich natürlich viel mehr Frauen im Erwerbsleben haben. Wir streben auch an, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in allen Führungsebenen sind. Wenn Frauen mehr zu Hause bleiben, dann wird dies schwierig, weil ihnen eine durchgängige Erwerbsbiografie fehlt. Und das sind meines Erachtens die falschen Impulse. Frauen oder Familien müssen durch Kindergärten, Schulen und Ganztagsbetreuung entlastet werden. Das wollen aber viele Politiker nicht hören.
Dann lassen wir das mal so stehen. Was hat die Politik Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren versäumt?
Bader: Irgendwann wird einfach die Finanzierbarkeit all dieser sozialen Wohltaten, die wir heute haben, aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr gegeben sein. Und das leugnet die Politik in großen Teilen immer noch. Oder sie ignoriert es seit Mitte der 1980-er Jahre, in denen man schon wusste, was auf uns zukommt. Und stattdessen hat man jetzt die Reformen von Gerhard Schröder in den letzten 20 Jahren größtenteils wieder zurückgedreht. Und das war einfach kontraproduktiv. Wir müssen anfangen, Leistungen rauszunehmen, Leistungen zu kürzen. Und ich würde natürlich genau da reingreifen, wo es dem Arbeitsmarkt und dem Wirtschaftswachstum wieder hilft. Nicht bei den Bedürftigen sparen, sondern da, wo mit der Gießkanne großzügig ausgeteilt wird und viele Menschen noch mehr arbeiten könnten, wenn sie wollten.
Sie fordern, auch bei künftigen Beamtenpensionen über Anpassungen sprechen, um den Bundeshaushalt zu entlasten. Ich halte dies eingedenk der Beziehung zwischen Politik und Beamten für wenig realistisch. Was meinen Sie?
Bader: Ja, das ist wohl wahr. Meine Großmutter hat früher mal gesagt: „Gib dem Hund eine Wurst und sag, er soll sie sich einteilen und selbst darauf aufpassen“. So wenig wie das funktioniert, verhält es sich auch mit den Beamtenpensionen. Vermutlich wird erst dann etwas passieren, wenn die Haushalte nicht mehr zuzukriegen sind. Und momentan sind die haushaltären Schuldenschrauben auch nicht mehr beliebig ausweitbar. Die Verschuldung wird weltweit auf die Spitze getrieben, die USA und Japan sind noch stärker verschuldet als Deutschland und Europa. Vielleicht kommt es sogar weltweit zu einem Kollaps und einem Reset. Ich mag allerdings bezweifeln, ob das eine gute Lösung ist.
Das ist in der Tat zu bezweifeln. Nach diesem makroökonomischen Blick wieder zurück zum Rententhema im Land. Bei der künftigen Finanzierung der Altersvorsorge wird man am Kapitalmarkt nicht vorbeikommen. Allerdings sollten Anlagen auch nicht zu risikoreich sein. Wo sehen Sie da eindeutige No-Gos?
Bader: Zunächst einmal hängt es vom Alter ab, welche Kapitalanlage eine gute Wahl ist. Wenn ich in einer sehr langen Ansparphase bin, also als junger Mensch anfange zu sparen, kann ich sehr risikoreich investieren. Wenn ich älter bin und langsam Richtung Entsparprozesse gehen muss, dann muss ich etwas aufpassen. Hier kann ich darauf vertrauen, dass der Lebensversicherer in der Anspar- und Entsparphase in diesem Fall eine gute Lösung hat. Denn nicht jeder hat ein gutes Verständnis für insbesondere das Entsparen. Der zweite wichtige Punkt ist Diversifikation. Ich kann Risiken eingehen, wenn ich diese breit diversifiziere. Setze ich mein ganzes Geld auf irgendeine exotische Kryptowährung, weil diese ihren Wert im letzten Jahr verdoppelt hat, dann ist das sicherlich keine gute Lösung. Wenn ich dagegen sage, dass ich mit einem Prozent meines Geldes spielen gehe, dann mag es vertretbar sein. Gleich nochmal Werbung für den Lebensversicherer: Wenn ich insgesamt nicht so viel Geld habe und spare pro Monat bspw. 50 Euro, wovon ein Prozent dann 50 Cent wären, brauche ich nicht anfangen zu diversifizieren. Das können sowohl die Fondsindustrie als auch die Versicherungsbranche sehr viel besser. Soweit zur Vorrede. Gibt es No-Gos? Ich glaube, man sollte in das investieren, was man halbwegs versteht. Das heißt, in Aktien, und, wenn man älter ist, natürlich auch in festverzinsliche Wertpapiere. Man sollte allerdings immer folgendes bedenken: wo viel Rendite draufsteht, ist auch viel Risiko drin. Es gibt nichts umsonst: „There is no free lunch“.
Sie schließen also keine Kapitalanlage explizit aus, sondern es kommt einfach auf das Wann und das Wieviel an, richtig?
Bader: Ja. Man muss einfach breit diversifizieren. Dann gibt es nichts, was ich per se ausschließen würde. Wenn ich aber im hochspekulativen Bereich investiere, dann eben nur mit „Spielgeld“ oder mit übrigem Geld.
Das Thema fordert gute Beratung. Sehen Sie diese Möglichkeit gegeben und politisch gefördert?
Bader: Leider nein. Ich hadere damit, dass die Politik gute Vermittlerinnen und Vermittler nicht unterstützt. Wer mit guter Beratung ordentliches Geld verdienen will, wird immer schlecht gemacht. Das Thema Finanzen und Altersvorsorge ist einfach hochkomplex und es gibt sehr viele sehr gute Beraterinnen und Berater, auch im Fonds- und Immobilienumfeld, also in vielen Formen des Vermögensaufbaus. Versicherungen sind davon ein Thema. Ich darf die Beratung für Vermögensaufbau nicht per se verteufeln, sonst betreiben schlussendlich nur diejenigen Altersvorsorge und Sparprozesse, die es verstehen. Und das sind oftmals die Menschen, die relativ viel Geld und ein großes Einkommen haben sowie eine entsprechend höhere Bildung. Deswegen ist Beratung unabdingbar und man darf sie auch nicht kaputt machen.
Apropos Beratung: die Kündigung von Riesterverträgen ist derzeit auf einem Rekordniveau. Was bedeutet das für die zukünftige Vorsorge und wie könnte, sollte oder müsste man gegensteuern?
Bader: Wir müssen einerseits die Riesterrente mit wenigen einfachen Schritten reformieren und einfacher machen und andererseits damit aufhören, sie schlecht zu reden. Die Menschen werden hier verunsichert. Riester ist speziell für junge Familien ein gutes Produkt. Als Stuttgarter haben wir Riester zum 1. August 2025 wieder eingeführt und ich bin wirklich erstaunt über das Neugeschäft. Sogar in der Sommerzeit, in der normalerweise wenig passiert, ist es richtig gut angelaufen. Von Beginn an ist bereits eine dreistellige Anzahl an Verträgen eingegangen. Das begeistert mich wirklich, bedeutet aber auch, dass ein großer Bedarf vorhanden ist.
Und wie könnte Riester attraktiver werden?
Bader: Gut wäre, die Förderbeiträge zu dynamisieren und vielleicht auch ein oder zwei exotische Riester-Formen abzuschaffen, damit es einfacher wird. Auch müssten die notwendigen Garantien bei Riester reduziert werden, so dass auch eine chancenorientiertere Anlage möglich ist. 60 oder 80 Prozent Garantie der eingezahlten Beiträge würde reichen. Auch eine steuerliche Flankierung für eine Fondanlage in angemessenem Rahmen im Rentenbezug wäre sinnvoll. Viele beziehen 25 bis 30 Jahre lang Rente. Hier kann man auch noch in einem kleinen Umfang eine chancenorientierte Anlage integrieren. Das wären alles eher kleine Eingriffe und Riester wäre wieder attraktiv. Der Bedarf ist da.
Würden Sie dieses Vorgehen gegenüber dem Launch eines neuen Produkts bevorzugen?
Bader: Eine neue Rente wäre kontraproduktiv. Ein weiteres neues Altersvorsorgeprodukt würde die Leute verunsichern. Altersvorsorge ist eine sehr langfristige Sache. Wenn ich alle drei Jahre eine neue, nach einem Politiker benannte Variante habe, verunsichert das einfach nur.
Kommen wir abschließend noch zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Durch den Entwurf des zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetztes (BRSG II) derzeit auch ein Riesenthema. Laut etlichen Stimmen aus der Branche ist der Entwurf nicht mutig genug, auch Sie fordern eine deutlich stärkere Förderung von Geringverdienern. Wie bewerten Sie bspw. das geplante Opting-out?
Bader: Beim Opting-out ist der Radius groß. Ich bin bei diesem Thema immer etwas hin und her gerissen. Wenn ich auf der einen Seite ausoptieren lasse, erreiche ich mit Sicherheit eine höhere Beteiligungsquote in der bAV, die wir auch brauchen. Aber wir werden sowohl höhere Stornier- als auch Abbrecherquoten haben. Weil viele sich dann doch nicht richtig mit der Sache beschäftigen und nicht ausoptieren, obwohl sie das eigentlich gewollt hätten. Insbesondere wenn die Beratung nicht adäquat ist. Vielleicht muss man jetzt einfach schauen, was das Opting-out, wie es jetzt angedacht ist, bringt. Oder ob man Opting-out dann wirklich verpflichtend macht. Dann muss man es aber zwingend mit guter Beratung flankieren.
Und gehen die Abfindungsmöglichkeiten bei BRSG II weit genug?
Bader: Ich glaube, anstatt von Abfindungsmöglichkeiten müsste man die Portabilität deutlich stärken, damit der Arbeitnehmer das Geld auch wirklich zusammensammeln kann. Vielleicht auch über verschiedene Zusageformen hinweg. Wozu braucht man eine beitragsorientierte Leistungszusage und eine Beitragszusage mit Mindestleistung? Die Unterschiede sind heute kaum mehr gegeben. Wenn ich die Garantien aufweiche, dann ist das sowieso irrelevant. Und: wenn wirklich irgendwo eine Monatsrente von 3,12 Euro rumsteht, sollte das Unternehmen diese nicht bis zum Rentenbeginn stehen lassen müssen, das wäre Wahnsinn. Hier muss es möglich sein, vorher abzufinden. Sonst schadet man am Ende des Tages den versicherten Kollektiven, weil sie nicht mehr verwaltet werden können.
Und wie bewerten Sie die Stärkung des Sozialpartnermodells (SPM) durch BRSG II?
Bader: Das SPM ist so gestaltet, dass man die Gewerkschaften unbedingt beteiligen möchte – die tun sich aber schwer damit. Ich frage mich auch, ob das wirklich sachgerecht ist. Die Last, die man den Gewerkschaften aufbürdet, das Mitsprechen und die Verantwortung auch gegenüber den Mitgliedern, ist schon schwierig und kompliziert. Eine garantiefreie Altersvorsorge kann man auch in anderen Durchführungswegen anbieten. Meiner Ansicht nach ist das politische Grundkonstrukt des SPM grundfalsch und deswegen kann es nicht ins Fliegen kommen, obwohl das Produkt attraktiv ist.
Und warum ist das Grundkonstrukt des SPM falsch? Weil dieses Thema nicht zur ureigenen Domäne der Gewerkschaften gehört?
Bader: Genau. Die Gewerkschaften wollen das m.E. auch nicht wirklich. Sie müssen die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertreten, wo sie eine wichtige Rolle in Deutschland haben. Und bei den gewerkschaftlich organisierten Branchen, wie der Chemie- oder der Metallbranche, ist die bAV-Abdeckung sowieso sehr hoch. Und für die nicht gewerkschaftlich Orientierten, die ganz einfache Produkte mit Portabilität bräuchten, greift das SPM ja auch nicht. Für mich ist das SPM politische Klientelpolitik, die leider schlecht gelaufen ist.
Sollten in der bAV die Mindestgarantien aufgeweicht werden?
Bader: Ja. Klare Regeln bei der garantierten Leistungszusage geben und Sicherheit schaffen, das ist mit 60, 70 oder 80 Prozent Beitragsgarantie möglich. Ich wäre für 70 bis 80 Prozent, alles sinnvoll gelöst in einem Produkt. Dann habe ich einerseits die Garantie, kann aber auch die Kräfte der Kapitalmärkte nutzen, ohne zu sehr ins Risiko zu gehen. Dann macht das Ganze Sinn. Eine weitere Frage ist auch noch, ob wir eigentlich die Unterstützungskasse als Durchführungsweg brauchen oder ob man das Thema so lösen kann, dass unter bestimmten Umständen höhere Dotierungen in der Direktversicherung möglich sind. Es muss einfach einfacher werden in Deutschland.
Ja, Vereinfachung würde allen Beteiligten helfen. Für dieRentenbezugsphase wird mehr Flexibilisierung gewünscht. Wie sehen Sie das?
Bader: In den ersten Jahren könnte die Mindestgarantie noch in Teilen fondsgebunden angelegt werden, indem wir nochmal einen Floor unter der normalen Rente einziehen, mit einer Mindestgarantie von bspw. 80 Prozent. Das ermöglicht noch ein gewisses Steigerungspotenzial im Rentenbezug. Bei 20, 25 oder 30 Jahren Rentenbezug lohnt es sich schon noch einmal, ein bisschen chancenorientiert anzulegen.
Aber eins ist sicher: die Rente sollte lebenslang gehen, oder?
Bader: Ja. Die Leute unterschätzen ihre Lebenserwartung. Das versteht auch die Politik nicht, wenn sie auf Auszahlpläne drängt. Ich kann mich immer schön rechnen, aber irgendwann ist das Geld weg. Und wenn ich etwas staatlich fördere, sei es Riester, sei es Basisrente, sei es bAV, dann muss das auch eine lebenslange Rente sein, damit ich wirklich die Sicherheit habe, dass die Menschen im Alter von 90 oder 95 Jahren dann nicht noch mehr Geld aus dem sozialen Pflegekasten o.ä. brauchen. Eine lebenslange Leistung ist für mich absolut Plicht, denn wofür machen wir das ganze Thema Altersvorsorge? Es kommt doch auch keiner auf die Idee zu sagen: Du hast jetzt bei der gesetzlichen Rente einen Anspruch und diesen kannst du aufteilen. Wenn du 2.000 Euro Rente kriegst, nimm doch vorne 3.000, dann kriegst du hinten nur noch 1.000, passt schon. Und wenn es nicht mehr reicht, hilft der Staat.
Letzter Punkt zur bAV: mangelt es an digitaler Unterstützung?
Bader: Da bin ich mir nicht sicher. Ich glaube, es bedarf einer guten digitalen Unterstützung der Personalabteilungen und der Korrespondenz zwischen Vermittlerinnen und Vermittlern, Personalabteilungen und Versicherern. Diese Portale müssen schon gut funktionieren, dass es möglichst automatisiert läuft. Auch die Portabilität sollte möglichst digital funktionieren.
Ihr abschließendes Statement?
Bader: Die Eigenverantwortung muss gestärkt werden und die Menschen müssen durch sinnvolle Beratung unterstützt werden. Man sollte die Kräfte im Markt walten lassen. Und sich stets des Unterschieds zwischen Informationen aus dem Internet und denen von einem Menschen, der einem gegenübersitzt, bewusst sein. Die Technologie kann Informationen beschaffen, ein echter Mensch kann jedoch beraten und Vertrauen schaffen.
Das Interview führte Finanzjournalistin und Cash. Autorin Silvia Fischer















