Die Ärzte üben bereits Kritik an der elektronischen Patientenakte. Nun unterfüttert eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale die Einschätzung. Demnach ist die elektronische Patientenakte, kurz ePA, zwar bekannt, genutzt wird sie jedoch bislang nur eingeschränkt. Nach einer repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands kennen zwar 94 Prozent der gesetzlich Versicherten die ePA. 71 Prozent derjenigen, die von ihr gehört haben, verwalten ihre Akte jedoch nicht aktiv.
Weitere neun Prozent haben der Einrichtung widersprochen oder die ePA löschen lassen. Als Hauptgrund nennen 75 Prozent der Befragten, dass sie sich bislang nicht näher mit der ePA beschäftigt haben. Bemerkenswert: Jede dritte Person sieht keinen persönlichen Nutzen. Datenschutzbedenken und Sorgen um die Datensicherheit geben jeweils 13 Prozent als Hemmnis an.
„Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen. Das ist wenig überraschend, denn zentrale Funktionen, wie digitale Impf- oder Bonushefte, fehlen weiterhin. Bislang bleibt die ePA hinter den Erwartungen zurück. Damit die ePA ihr volles Potenzial entfalten kann, muss sie zügig im Sinne der Versicherten weiterentwickelt werden. Die Bedarfe der Patientinnen und Patienten müssen im Mittelpunkt stehen“, so Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands.
Technische Hürden und fehlende Funktionen
In einem Verbraucheraufruf schildern Nutzerinnen und Nutzer praktische Probleme. Kritisiert werden ein komplizierter und unübersichtlicher Einrichtungsprozess sowie Schwierigkeiten bei Authentifizierung und Freischaltung. Teilweise fehle es an klaren Informationen und ausreichender Unterstützung durch die Krankenkassen.
Auch im Versorgungsalltag zeigt sich Nachholbedarf. Einige Arztpraxen nutzen die ePA nach Angaben von Verbraucherinnen und Verbrauchern noch nicht oder laden relevante Behandlungsdaten nicht hoch. Zudem lasse sich mitunter nicht ausreichend differenziert festlegen, wer auf welche Inhalte zugreifen darf.
Wunsch nach mehr Kontrolle und digitalen Services
Die Befragung zeigt zugleich klare Erwartungen. 68 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich präzise Steuerungsmöglichkeiten für den Datenzugriff. „Versicherte müssen genau einstellen können, welche Praxis Zugriff auf welche Informationen erhält. So möchten Patientinnen und Patienten möglicherweise psychotherapeutische Befunde mit der Hausarztpraxis teilen, jedoch nicht unbedingt mit der Zahnarztpraxis“, so Pop.
Darüber hinaus wünschen sich 66 Prozent digitale Untersuchungshefte. Jeweils 64 Prozent sprechen sich für Hinweise auf Wechselwirkungen von Medikamenten sowie auf fehlende Impfungen aus.
Trotz hoher Bekanntheit besteht nach Einschätzung der Verbraucherzentrale weiterhin erheblicher Informationsbedarf. Nur 25 Prozent wissen, dass Daten aus der ePA ab Ende 2026 in pseudonymisierter Form auch für Forschungszwecke genutzt werden können. Lediglich 54 Prozent geben an, von ihrer Krankenkasse Informationen zur ePA erhalten zu haben. „Die Krankenkassen und das Gesundheitsministerium müssen die Versicherten verständlich und umfassend zur ePA informieren. Das kam bislang zu kurz“, so Pop.














