Der Kupfermarkt ist mit einem Paukenschlag ins Jahr 2026 gestartet: Am Montag kletterten die Benchmark-Futures an der London Metal Exchange (LME) erstmals auf rund 13.020 US-Dollar je Tonne. Damit setzte Kupfer seine Rekord-Rallye aus dem vergangenen Jahr fort, bevor die Notierungen zum Handelsschluss wieder in den Bereich von etwa 12.500 US-Dollar zurückfielen.
Bereits 2025 hatte Kupfer eine der stärksten Phasen seiner jüngeren Geschichte erlebt. Auf Jahressicht legte der Preis um mehr als 43 % zu – die beste Jahresperformance seit 2009 – und machte den Industriemetallklassiker zum Top-Performer unter den Basismetallen an der LME. Mehrfach wurden neue Höchststände markiert, bevor der jüngste Ausbruch über die Marke von 13.000 US-Dollar die Dynamik noch einmal unterstrich.
Die Frage, die Marktteilnehmer nun beschäftigt: Handelt es sich lediglich um eine spekulativ getriebene Übertreibung – oder um den Vorboten eines strukturell knapper werdenden Kupfermarktes?
Kupferangebot unter Druck: Minenstörungen und fehlende Puffer
Ein wesentlicher Treiber der aktuellen Entwicklung sind anhaltende Produktionsstörungen in wichtigen Kupferminen. Bereits 2025 sorgten Probleme in Großprojekten wie Grasberg in Indonesien und Kamoa-Kakula in der Demokratischen Republik Kongo für Verunsicherung hinsichtlich der globalen Kupferversorgung.
Zu Jahresbeginn 2026 haben sich diese Sorgen eher verstärkt. In Chile hat ein Streik in der Mantoverde-Mine die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer erneut auf das Risiko weiterer Ausfälle gelenkt. Laut Marktbeobachtern hat dieser Arbeitskampf zusätzliche spekulative Aktivitäten ausgelöst, da Händler und Fonds auf weiter steigende Kupferpreise setzen.
Strategen verweisen zudem auf Jahre der Unterinvestition in neue Projekte und Kapazitätserweiterungen. In einem Umfeld steigender Nachfrage – Kupfer wird unter anderem für Rechenzentren, Stromnetze und Batterien in Elektrofahrzeugen benötigt – sind die Puffer im System geschrumpft. Bereits kleinere Störungen können so sichtbare Spuren im Markt hinterlassen.
Rohstoff-Analysten sprechen daher von einer „dünnen Luft“ im Kupferangebot: Die Kombination aus Minenproblemen, langen Vorlaufzeiten für neue Projekte und Unsicherheit in wichtigen Förderländern lässt das Metall anfällig für weitere Preisspitzen erscheinen.
US-Zölle auf Kupfer: Handelsströme geraten aus dem Gleichgewicht
Neben den Fundamentaldaten belastet die Handelspolitik der USA die Markttransparenz. Schon 2025 hatten Spekulationen über mögliche US-Zölle auf Kupferimporte die Preise an der US-Terminbörse in die Höhe getrieben. Viele Händler reagierten, indem sie verstärkt Metall in die Vereinigten Staaten verschifften, um sich gegen mögliche Maßnahmen abzusichern.
Dieser Trend hat sich zuletzt wieder verstärkt: Die erneute Drohung mit Importzöllen hat dazu geführt, dass mehr Kupfer in den US-Markt gelenkt wird, was die Verfügbarkeit in anderen Regionen einschränkt.
Analysten der UBS schätzen, dass der globale Markt für raffiniertes Kupfer im Jahr 2025 zwar formal in einem Überschuss war – die realen Warenströme aber durch das Zollrisiko deutlich verzerrt wurden. Demnach hielten die USA zuletzt etwa die Hälfte der weltweit erfassten Lagerbestände, obwohl das Land weniger als 10 % der globalen Kupfernachfrage ausmacht.
Für andere Regionen bedeutet dies: knappere Versorgung und höhere Prämien. An der LME signalisiert die Struktur der Terminpreise ebenfalls Engpässe. Die Spanne zwischen Kassapreis und Dreimonatskontrakt befindet sich deutlich in Backwardation – ein Muster, das typischerweise auf eine stärkere Nachfrage nach sofort verfügbarer Ware gegenüber späteren Lieferungen hinweist.
Analysten eines chinesischen Brokerhauses erwarten, dass der globale Kupfermarkt 2026 trotz der jüngsten Preisrallye in ein Defizit von mehr als 100.000 Tonnen rutschen könnte. Die Kombination aus logistischen Verwerfungen und strukturell begrenzter Minenproduktion verschärft demnach die Lage.
Spekulatives Kapital trifft auf langfristig bullische Kupferstory
Während vieles auf eine reale Verengung des Kupfermarktes hindeutet, warnen Marktbeobachter zugleich vor einem wachsenden Anteil spekulativer Kapitalströme. Laut einem Basismetallstrategen von Marex wird die aktuelle Preisbewegung zu einem großen Teil von Anlegern getrieben, die auf weitere Kursgewinne im ersten Quartal 2026 setzen, nachdem sie zuvor eine Einstiegschance „auf Rücksetzer“ verpasst hatten.
In dieser Gemengelage verstärken sich spekulative Positionierungen und fundamentale Unsicherheiten gegenseitig. Auf der einen Seite stehen Jahre zu geringer Investitionen in neue Kapazitäten, anhaltende Minenausfälle und handelspolitische Risiken. Auf der anderen Seite die Erwartung der Finanzmärkte, dass der Energie- und Digitalisierungstransformation – von Elektromobilität bis zu KI-Rechenzentren – ein dauerhaft höherer Kupferbedarf folgen wird.
Strategen verweisen darauf, dass die Marktteilnehmer diesen langfristig positiven Ausblick bereits heute teilweise einpreisen. So kann es dazu kommen, dass zukünftige Engpässe schon jetzt in den Kursen reflektiert werden, obwohl das physische Angebot kurzfristig noch ausreicht, um die Nachfrage zu decken – zumindest global betrachtet.
Gleichzeitig bleibt der Kupfermarkt anfällig für politische Entscheidungen. Neue oder verschärfte US-Zölle könnten Handelsströme erneut abrupt verschieben und die Preisdifferenzen zwischen den Börsen in London und New York weiter vergrößern. Umgekehrt könnte eine Entspannung im Zollstreit den Druck auf die internationalen Prämien vorübergehend mindern.
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Autor Björn Junker ist Chefredakteur bei Goldinvest.de.












