Neue Förderung im Depot: Warum ein Prozent Kosten entscheidend ist

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Oliver Maier, Verivox

Das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot soll den Vermögensaufbau erleichtern. Doch Modellrechnungen zeigen: Wird der Kostendeckel ausgeschöpft, kann die Förderung ins Gegenteil kippen.

Mit der Reform der privaten Altersvorsorge setzt der Gesetzgeber auf mehr Flexibilität und niedrigere Hürden. Künftig dürfen geförderte Altersvorsorgedepots maximal ein Prozent jährliche Kosten verursachen. Ziel ist es, kostengünstige und renditestarke Anlagen wie ETF-Sparpläne stärker in den Fokus zu rücken.

Modellrechnungen von Verivox zeigen jedoch, dass dieser Kostendeckel zur kritischen Schwelle werden kann. Wird er vollständig ausgeschöpft, kann das geförderte Modell gegenüber einem ungeförderten, aber kostenfreien Depot sogar ins Hintertreffen geraten.

Für einen 25-jährigen Sparer ergibt sich bei einer monatlichen Sparrate von 150 Euro und einer angenommenen Rendite von 7,5 Prozent ein Vermögen von rund 496.000 Euro bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren – vorausgesetzt, das Depot ist kostenfrei.


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Durch staatliche Zuschüsse könnte die monatliche Sparleistung auf 195 Euro steigen. Ohne Kosten läge das Vermögen dann bei rund 645.000 Euro. Der Fördervorteil summiert sich auf 149.000 Euro.

Auch für ältere Sparer zeigt sich ein positiver Effekt: Ein heute 45-Jähriger kommt ohne Förderung auf etwa 98.000 Euro. Mit Zuschüssen steigt das Vermögen auf rund 127.000 Euro.

„Das neue Altersvorsorgedepot ist ein echter Paradigmenwechsel in der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Anders als bei der alten Riester-Förderung können Anleger ihr Geld künftig ohne teure Beitragsgarantien anlegen und zum Beispiel in einen breit gestreuten ETF-Sparplan investieren“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Die staatlichen Zuschüsse hebeln die eigenen Einzahlungen spürbar, so dass Anleger bis zur Rente im besten Fall deutlich mehr Vermögen aufbauen, als sie es aus eigener Kraft könnten.“

Ein Prozent Kosten als kritische Grenze

Die Berechnungen zeigen jedoch auch die Kehrseite. Bei einer Kostenquote von ein Prozent reduziert sich das Ergebnis deutlich. Ein 45-Jähriger erreicht dann rund 111.000 Euro – immerhin noch über dem ungeförderten Szenario, aber mit Gesamtkosten von etwa 16.000 Euro bis zum Ruhestand.

Deutlich gravierender ist der Effekt bei langen Laufzeiten. Ein 25-Jähriger kommt bei gleichen Annahmen und ein Prozent Kosten nur noch auf rund 480.000 Euro. Das liegt etwa 16.000 Euro unter dem Ergebnis eines kostenfreien Depots ohne staatliche Förderung.

„Bei der Auswahl ihres Altersvorsorgedepots sollten Verbraucher die Kosten sehr genau im Blick haben. Es ist wichtig, ein Produkt zu wählen, das den gesetzlichen Deckel nicht voll ausreizt“, so Maier. „Kosten in Höhe von ein Prozent klingen zwar überschaubar. Doch über die Jahre und Jahrzehnte fließt bei dieser Kostenquote so viel Vermögen ab, dass es die gesamte staatliche Förderung mehr als aufzehren kann.“

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