Die geopolitischen Unsicherheiten haben in den vergangenen Wochen für eine Volatilität an den Aktienmärkten gesorgt. Das ist nichts für Anleger schwache Nerven. Immerhin können fallende Kurse in volatilen Marktphasen zeitweise zu Verlusten in Portfolios führen. Das sorgt bei Anlegern oft für Angst und Sorge um ihr Investment. Dabei kann es sich gerade in solchen Phasen für Anleger lohnen, sich auf ihre langfristigen Ziele zu konzentrieren und an ihren Anlageplänen festzuhalten.
Turbulenzen lenken ab, nur auf langfristige Ergebnisse kommt es an
Kurzfristige Volatilität ist ein normaler Bestandteil jeden Anlegerlebens. Die Kurse an den Aktienmärkten sind langfristig gestiegen – trotz volatiler Phasen, die häufig mit Kursverlusten einhergingen (siehe Grafik 1). Auf eine 30-Tages-Volatilität folgt in kommenden Jahren immer eine Erhöhung um den Preisindex, wie anhand des MSCI AC World sichtbar ist. Kursrückgänge sind aber kein seltenes Phänomen. Die meisten Anleger werden im Laufe ihres Lebens auch mehr als nur einen Abschwung überstehen. Bärenmärkte und Kurskorrekturen sind Teil des Anlegerlebens; was zählt, sind langfristige Ergebnisse.

Seit 1972 haben europäische Euro Anleger mit einem globalen Aktienportfolio nicht weniger als zehn Bärenmärkte erlebt. Die Geschichte zeigt jedoch, dass sich Aktien in der Regel erholen und langfristig hohe Renditen abwerfen (siehe Grafik 2). Wie erkennbar ist, folgen auf Kursrückgänge von mehr als 20 Prozent aufgrund von Bärenmärkten, dennoch sukzessive Werteentwicklungen von Indizes.

Markt-Timing ist zwecklos, die besten und die schwächsten Handelstage liegen oft dicht beieinander
Versuchen Anleger sich an Timing-Strategien, verpassen sie möglicherweise auch die Erholung nach einem Kursrückgang – und gefährden damit ihre eigenen Anlageziele. In der Vergangenheit lagen die besten und schlechtesten Handelstage oft nah beieinander und fielen häufig in volatile und turbulente Marktphasen. Beides macht erfolgreiches Markt-Timing äußerst schwierig (siehe Grafik 3). Hier ist deutlich zu erkennen, dass elf der 20 besten Handelstage auf Jahre mit negativen Renditen fielen und neun der 20 schlechtesten Handelstage auf Jahre mit positiven Renditen.

Panikverkäufe in turbulenten Marktphasen sind keine gute Idee
Schnelle und signifikante Kurseinbrüche sind selten, doch wenn sie auftreten, lösen einige Anlegerinnen und Anleger aus Angst ihr Portfolio auf. Das Problem: Sie müssen nicht nur den passenden Zeitpunkt für einen Ausstieg finden, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt wieder an den Markt zurückkehren. Und wer sich lange vom Markt zurückzieht, macht die Situation womöglich sogar schlimmer. Eine Berechnung von Vanguard aus 2025 hat gezeigt, dass die Verteilung von Mehrrenditen von Barmitteln gegenüber einem global diversifizierten Portfolio mit einem Aktienanteil von 60 Prozent und einem Anleiheanteil von 40 Prozent deutlich gemindert sind. Bei einem dreimonatigen Rückzug in Barmittel gibt es eine 61-prozentige Wahrscheinlichkeit von einer Median-Minderrendite von -1,9 Prozent gegenüber einem 60/40-Portfolio. Ziehen sich Anleger für sechs Monate in Barmittel zurück, so gibt es eine 57-prozentige Wahrscheinlichkeit von einer Median-Minderredite von -2,7 Prozent. Bei einem Rückzug für ein ganzes Jahr, liegt eine 63-prozentige Wahrscheinlichkeit von einer Median-Minderrendite von -7,3 Prozent vor. Anleger sollten daher entweder schnell wieder an den Markt zurückkehren, oder überhaupt keinen Rückzug machen.
Tipps für turbulente Marktphasen
Wenn die Kurse an den Märkten fallen, müssen Anleger auf Kurs bleiben und Überreaktionen vorbeugen. Diese fünf Tipps können dabei helfen:
- Rauschen ignorieren: Ein altes Sprichwort rät, bei Kurseinbrüchen nicht ins Portfolio zu schauen. Ein kluger Rat. Übereilte Entscheidungen führen selten zu guten Ergebnissen.
- Asset Allokation überprüfen: Wem Kurseinbrüche den Schlaf rauben, der sollte seine Risikotoleranz nochmal genau analysieren.
- Auf Kosten achten: Gebühren gehen von der Rendite ab, was in Zeiten fallender Märkte besonders schmerzhaft ist.
- Realistische Ziele setzen: Historische Durchschnittsrenditen sind genau das: Durchschnittswerte. In einigen Jahren sind die tatsächlichen Renditen höher, in anderen niedriger.
- Diversifizierung beibehalten: Anleger können ihr Portfolio unter anderem dadurch schützen, dass sie ihre Asset-Allokation (Aktien, Anleihen, Auslandsmärkte) auf ihr Risikoprofil abstimmen. Anleihen können Abschwünge abfedern, und wer international investiert, kann in einigen Märkten Gewinne abschöpfen und so Verluste in anderen Märkten ausgleichen.
Volatilität und Verluste können Anleger schnell nervös machen. Wer jedoch in turbulenten Marktphasen in Bargeld umschichtet, erreicht langfristig oft niedrigere anstatt höherer Renditen. Gegen Volatilität hilft vor allem Disziplin. Mit den genannten Tricks können Anleger auch in schwierigen Marktphasen den Kurs halten.
Autorin Chris Hofmann ist Head of Intermediated Wholesale bei Vanguard.












