Private Altersvorsorge: Warum zuerst die Arbeitskraft abgesichert werden sollte

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Foto: Finanzberatung Bierl
Tobias Bierl: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist ein direktes Ticket in die Altersarmut

Die Debatte um die Reform der privaten Altersvorsorge gewinnt an Fahrt. Doch ein zentrales Risiko bleibt oft unbeachtet: der Verlust des eigenen Einkommens. Aus Sicht des Maklers Tobias Bierl sollte die Absicherung der Arbeitskraft an erster Stelle stehen.

Die Reform der privaten Altersvorsorge soll Bürger besser vor Altersarmut schützen. Nach Ansicht des freien Versicherungsmaklers Tobias Bierl greift die Diskussion jedoch zu kurz. Denn viele Erwerbstätige seien nicht einmal gegen den Verlust ihres laufenden Einkommens abgesichert. „Das größte Risiko für die Altersvorsorge ist, dass mir morgen das Einkommen fehlt, um überhaupt vorsorgen zu können“, erläutert Bierl. Der auf Berufsunfähigkeitsabsicherung spezialisierte Makler sieht hier eine erhebliche Lücke in der Aufklärung.

Besonders kritisch bewertet er die geringe Verbreitung entsprechender Absicherung. „4 von 5 Erwerbstätigen sind nicht gegen den Verlust ihrer Existenz abgesichert. Obwohl statistisch jeder Vierte im Laufe seines Lebens berufsunfähig wird. Deutschland ist bei der Absicherung der Arbeitskraft ein Entwicklungsland“, sagt Bierl.

Berufsunfähigkeit als Risiko für die Altersvorsorge

Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass die gesetzliche Erwerbsminderungsrente oft keine ausreichende Basis bietet. Sie greift nur dann, wenn Betroffene praktisch keiner Arbeit mehr nachgehen können. Laut Deutscher Rentenversicherung liegt sie im Schnitt bei weniger als 1.100 Euro im Monat.


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Welche Folgen das haben kann, beschreibt Bierl so: „Wer mit 40 wegen einer psychischen Erkrankung berufsunfähig wird, kann mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente kaum weiter für das Alter vorsorgen. Das ist häufig leider ein direktes Ticket in die Altersarmut.“

Seine Schlussfolgerung ist eindeutig. „Für jeden, der von seinem Einkommen lebt, sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung der erste Schritt vor dem Altersvorsorgedepot sein. Es gilt der Grundsatz: Erst die Existenz sichern, dann Vermögen aufbauen.“

Was eine BU-Absicherung heute kostet

Nach Angaben von Bierl sind die Beiträge in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Ein 30-jähriger Angestellter mit Bürotätigkeit zahlt für eine monatliche BU-Rente von 2.000 Euro je nach Versicherer aktuell zwischen 50 und 80 Euro im Monat.

Für viele Beschäftigte sei das Risiko damit bezahlbar abzusichern, meint Bierl. „Für die Kosten von zwei Streaming-Abos können Sie mit einer BU Ihr persönliches Multi-Millionenrisiko absichern. Den Fall, dass Sie für den Rest Ihres Berufslebens nicht mehr voll arbeiten können. Man muss sich nur rechtzeitig drum kümmern. Da sehe ich noch ganz viel Aufklärungsbedarf“, sagt Bierl.

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