EXKLUSIV

Reform der Altersvorsorge: Mehr Freiheit, weniger Garantien?

Foto: Münchener Verein
Alexander Böhm: "Die Abkehr von der klassischen Riester-Rente hin zu einem modernen Altersvorsorgedepot ist konsequent."

Die geplante Reform der privaten Altersvorsorge soll mehr Wahlfreiheit, Flexibilität und Kapitalmarktbeteiligung ermöglichen. Damit reagiert die Politik auf veränderte Erwerbsbiografien und individuelle Ruhestandsmodelle. Welche Rolle fondsgebundene Rentenversicherungen dabei spielen. Ein Gespräch mit Alexander Böhm, Leiter Maklervertrieb beim Münchener Verein.

Finanzielle Vorsorge ist mit Blick auf flexible Lebensläufe unverzichtbar. Der Kabinettbeschluss von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil setzt genau hier an und will mehr Wahlfreiheit und Kapitalmarktbeteiligung ermöglichen. Trifft diese Reform aus Ihrer Sicht den Kern der heutigen Vorsorgebedürfnisse?

Böhm: Aus meiner Sicht ja, vor allem, weil die Reform endlich von der Realität moderner Erwerbsbiografien ausgeht. Klassische, lineare Lebensläufe sind längst nicht mehr die Regel. Jobwechsel, Weiterbildungsphasen, Teilzeit oder ein späterer Renteneintritt stellen ganz andere Anforderungen an die Altersvorsorge als früher. Entscheidend ist, dass Vorsorgelösungen langfristigen Kapitalaufbau ermöglichen und dabei flexibel genug bleiben, um auf Veränderungen im Leben reagieren zu können. Genau hier setzt die Reform an, indem sie Wahlfreiheit und eine stärkere Beteiligung am Kapitalmarkt in den Mittelpunkt stellt. Viele dieser Anforderungen lassen sich bereits heute umsetzen. Fondsgebundene Rentenversicherungen zeigen, dass langfristiger Vermögensaufbau, flexible Beitragsgestaltung und ein variabler Rentenbeginn kein Widerspruch sein müssen. Wir als Münchener Verein begrüßen diesen Ansatz, da viele der geplanten Ziele mit unserer fondsgebundenen Rentenversicherung bereits heute optimal umsetzbar sind.

Lars Klingbeil will auch die staatlich geförderte private Altersvorsorge grundlegend neu ordnen – mit dem Kernpunkt eines modernen Altersvorsorgedepots statt der bisherigen Riester-Rente. Wie bewerten Sie aus Sicht des Münchener Verein diese politische Neuausrichtung?

Böhm: Die Abkehr von der klassischen Riester-Rente hin zu einem modernen Altersvorsorgedepot ist konsequent. Die bisherige Förderung war zu komplex, zu stark reguliert und damit für viele Menschen wenig attraktiv. Die neue Ausrichtung bietet die Chance, private Altersvorsorge einfacher, transparenter und renditeorientierter zu gestalten. Gleichzeitig sollte man aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen: Wenn staatlich geförderte Produkte wieder mit hohen regulatorischen Hürden oder zu engen Vorgaben versehen werden, droht erneut Akzeptanzverlust. Wichtig ist daher, dass Flexibilität und Bedarfsgerechtigkeit im Vordergrund stehen, nicht allein formale Anforderungen. Nur dann kann eine neue Generation staatlich geförderter Vorsorgeprodukte wirklich Breitenwirkung entfalten. Viele moderne, nicht staatlich geförderte Vorsorgelösungen ermöglichen bereits seit geraumer Zeit einen langfristigen Kapitalaufbau, die erforderliche Wahlfreiheit und sind zudem auch auf individuelle Lebensverläufe ausgerichtet.


Das könnte Sie auch interessieren:

Wer sich heute mit fondsgebundenen Rentenversicherungen beschäftigt, wird beim Münchener Verein fündig. Was macht Ihre Lösung vor dem Hintergrund der geplanten Reform besonders geeignet – auch im Vergleich zu einem staatlich geförderten Altersvorsorgedepot?

Böhm: Der zentrale Gedanke der Reform ist Flexibilität – und genau das ist die Stärke fondsgebundener Rentenversicherungen. Unsere Lösung ermöglicht es Kundinnen und Kunden, sehr lange am Kapitalmarkt investiert zu bleiben: Die Ansparphase kann bis zum 85. Lebensjahr reichen und bei Bedarf sogar darüber hinaus verlängert werden. Damit tragen wir dem Umstand Rechnung, dass sich der tatsächliche Rentenbeginn immer stärker individualisiert. Wer länger arbeitet oder den Auszahlungszeitpunkt bewusst verschieben möchte, kann dies aktiv steuern. Ergänzend sorgt die Cash-Option für maximale Verfügbarkeit: Das angesparte Kapital kann flexibel entnommen werden, dabei legen unsere Kunden die Höhe des Betrages und den Zeitraum nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen fest. All das erfolgt im Versicherungsmantel und verbindet die Kapitalmarktbeteiligung mit steuerlichen Vorteilen sowie einer hohen Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Lebenssituationen.

Künftig soll bei jedem Anbieter von Altersvorsorgeprodukten ein kostengünstiges Standardprodukt verfügbar sein. Wie bewerten Sie den Plan?

Böhm: Grundsätzlich ist der Ansatz sinnvoll. Kostentransparenz und einfache Einstiegsprodukte können dazu beitragen, mehr Menschen für private Altersvorsorge zu gewinnen, insbesondere jene, die sich bislang nicht mit dem Thema beschäftigen wollten oder konnten. Entscheidend wird jedoch die konkrete Ausgestaltung sein. Zu starre Kosten- oder Produktvorgaben könnten dazu führen, dass individuelle Anpassungen oder innovative Fondskonzepte kaum noch möglich sind. Gerade bei langfristigen Vorsorgelösungen ist Flexibilität ein zentraler Erfolgsfaktor. Unabhängig von künftigen Standardlösungen achten wir beim Münchener Verein bereits heute darauf, dass unsere Vorsorgelösungen kostenseitig schlank aufgestellt sind und den Kundinnen und Kunden eine langfristig attraktive Renditeperspektive eröffnen.

Viele Kundinnen und Kunden wünschen sich langfristige Sicherheit, zugleich aber ein hohes Maß an Flexibilität. Wie verbindet der Münchener Verein diese beiden Anforderungen konkret in seiner fondsgebundenen Altersvorsorge?

Böhm: Unsere rein fondsgebundene Rentenversicherung verzichtet bewusst auf klassische Garantien, adressiert das Sicherheitsbedürfnis unserer Kundinnen und Kunden aber über Struktur, Laufzeit und Gestaltungsfreiheit. Ein zentraler Baustein ist die sehr lange Ansparphase: Der Vertrag kann von Beginn an bis zum 85. Lebensjahr abgeschlossen werden. In dieser Zeit bleibt das Kapital vollständig im Fonds investiert und kann weiter Rendite am Kapitalmarkt erwirtschaften. Das gibt Planungssicherheit und gleichzeitig die Chance auf langfristigen Vermögensaufbau. Über die Whole-Life-Option lässt sich dieser Zeitpunkt bei Bedarf sogar noch weiter nach hinten verschieben. Der Vertrag wird also nicht automatisch beendet oder in eine starre Rentenphase überführt, sondern bleibt flexibel gestaltbar, ein wichtiger Aspekt für alle, die ihren Rentenbeginn individuell planen oder bewusst offenhalten möchten. Ergänzend bietet die Cash-Option zusätzliche Flexibilität durch Zugriffsmöglichkeiten auf das angesparte Kapital. Sicherheit entsteht bei unserer rein fondsgebundenen Altersvorsorge damit nicht durch feste Garantien, sondern durch lange Anlagezeiträume, breite Diversifikation und die Möglichkeit, Entscheidungen an den eigenen Lebensverlauf anzupassen.

Der Gesetzentwurf sieht vor, Garantien nicht mehr zwingend vorzuschreiben, sondern deutlich mehr Wahlfreiheit zu ermöglichen. Wie ordnen Sie diesen Paradigmenwechsel ein – und welche Rolle spielen Garantien und Sicherungsmechanismen weiterhin in Ihren Produkten?

Böhm: Der Verzicht auf eine zwingende Garantiepflicht ist ein wichtiger Schritt, weil er anerkennt, dass Sicherheit nicht für alle Menschen dasselbe bedeutet. Mehr Wahlfreiheit kann zudem zu einer höheren Akzeptanz führen. Während Garantien in bestimmten Konstellationen durchaus sinnvoll sein können, haben sie in der Vergangenheit, trotz langer Laufzeiten von Vorsorgeverträgen, oft zu sehr defensiven Anlagekonzepten geführt, mit entsprechend begrenzten Renditechancen. Mehr Wahlfreiheit ermöglicht, Vorsorgelösungen stärker an individuelle Lebenssituationen, Anlagehorizonte und Risikoneigungen anzupassen. Gerade bei langen Laufzeiten spielt die Kapitalmarktbeteiligung eine zentrale Rolle, um realen Kaufkrafterhalt und Vermögensaufbau zu erreichen. Entsprechend verfolgen wir beim Münchener Verein keinen Entweder-oder-Ansatz. Wir bieten sowohl fondsgebundene Lösungen mit Garantie für Kundinnen und Kunden mit einem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis als auch rein fondsgebundene Produkte für diejenigen, die bewusst auf Garantien verzichten und dafür von höheren Renditechancen profitieren möchten.

Ein zentrales Element Ihrer Fondspolicen ist die Cash-Option. Wie funktioniert dieses Instrument im Detail, und welchen praktischen Nutzen bietet es Kundinnen und Kunden gerade in Phasen veränderter Lebensplanung?

Böhm: Die Cash-Option ermöglicht es Kundinnen und Kunden, während der Vertragslaufzeit flexibel auf ihr angespartes Kapital zuzugreifen. Dabei kann das Guthaben kostenfrei sowohl in mehreren zeitlich versetzten Teilentnahmen als auch ratierlich ausgezahlt werden, ohne dass der Vertrag insgesamt beendet werden muss. Der praktische Nutzen der Cash-Option liegt sowohl im flexiblen Liquiditätszugang als auch in der langfristigen Gestaltung der eigenen Altersvorsorge. Kundinnen und Kunden können ihren Vertrag bis zum 85. Lebensjahr, über den Whole-Life-Ansatz sogar darüber hinaus, in der Ansparphase halten und sich dennoch regelmäßig Kapital auszahlen lassen. So bleibt das Vermögen weiterhin am Kapitalmarkt investiert und kann Rendite erwirtschaften, während parallel planbare Auszahlungen erfolgen, die funktional einer Rente sehr nahekommen. Gerade im Zusammenspiel mit den langen möglichen Vertragslaufzeiten schafft das ein hohes Maß an Flexibilität. Kundinnen und Kunden müssen sich nicht frühzeitig und endgültig zwischen Kapitalauszahlung oder lebenslanger Rente entscheiden, sondern können ihre Vorsorge Schritt für Schritt an den tatsächlichen Lebensverlauf anpassen. Ein zusätzlicher Vorteil zeigt sich im Todesfall: Da der Vertrag nicht zu einem fixen Zeitpunkt in die klassische Rentenphase übergeht, wird das verbleibende Vertragsvermögen vollständig als Todesfallleistung ausgezahlt. Das bietet häufig einen höheren Hinterbliebenenschutz als zeitlich begrenzte Rentengarantiezeiten.

Flexibilität betrifft nicht nur die Anlage, sondern auch den Zeitpunkt des Rentenbeginns. Dieser lässt sich heute häufig nicht mehr starr festlegen. Welche Antworten bietet der Münchener Verein, um einen gleitenden oder variablen Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen? Und wie gehen Ihre Lösungen damit um, wenn sich Sparziele verschieben, Beiträge angepasst oder die Laufzeit verlängert werden sollen?

Böhm: Wie bereits angesprochen, setzen wir beim Münchener Verein bewusst nicht auf einen starren Rentenbeginn, sondern auf flexible Übergänge. Die Kombination aus langer möglicher Ansparphase und variablen Auszahlungsoptionen erlaubt es, den Eintritt in den Ruhestand individuell zu gestalten. Über den Whole-Life-Ansatz kann der Vertrag bis zum 85. Lebensjahr, bei Bedarf auch darüber hinaus, in der Ansparphase gehalten werden, so dass der Rentenbeginn nicht auf einen bestimmten fixen Zeitpunkt festgelegt werden muss. Ergänzend ermöglicht die Cash-Option, bereits während dieser Phase regelmäßige Auszahlungen vorzunehmen, ohne den Vertrag insgesamt zu beenden oder vollständig in eine klassische Rentenphase zu wechseln. Das bedeutet, wenn sich Sparziele verändern, Auszahlungen angepasst oder die Laufzeit verlängert werden soll, der Vertrag bleibt flexibel steuerbar. Auf diese Weise entsteht ein gleitender Übergang in den Ruhestand, bei dem sich die private Altersvorsorge an den tatsächlichen Lebensverlauf anpasst und nicht umgekehrt.

Der Gesetzentwurf will private Altersvorsorge einfacher, transparenter und verständlicher machen. Wie unterstützt der Münchener Verein Vermittler dabei, fondsgebundene Lösungen nachvollziehbar und kundenorientiert zu erklären?

Böhm: Transparenz und Verständlichkeit entstehen vor allem in der Beratung. Deshalb unterstützen wir beim Münchener Verein Vermittler dabei, unsere fondsgebundene Lösung klar, strukturiert und kundenorientiert zu erklären. Dazu gehören verständliche Unterlagen, in denen wir komplexe Inhalte nicht nur textlich, sondern auch mithilfe übersichtlicher Grafiken erläutern. Unsere Produktlandschaft ist klar strukturiert und gut nachvollziehbar aufgebaut. Ergänzend stellen wir mit dem MV Mobilrechner eine vollständig digitale Antragsstrecke zur Verfügung und bieten gut strukturierte Produkt-Webseiten, auf denen alle relevanten Informationen stets aktuell abrufbar sind. Ergänzt wird das durch unsere praxisnahen Schulungen, in denen wir Wert darauflegen, nicht nur fachliche, sondern insbesondere auch vertriebliche Inhalte zu vermitteln.

Flexibilität, Cash-Option, Whole-Life-Ansatz und eine breite Fondspalette gelten als starke Argumente im Beratungsgespräch. Wie lassen sich diese Merkmale sinnvoll kombinieren, ohne Kunden zu überfordern?

Böhm: Entscheidend ist, diese Merkmale nicht gleichzeitig zu erklären, sondern entlang der individuellen Situation des Kunden zu strukturieren. Im Beratungsgespräch geht es darum, Schritt für Schritt vorzugehen, beginnend mit dem persönlichen Ziel und dem zeitlichen Horizont. Darauf aufbauend lassen sich Fondsauswahl, Laufzeit und Flexibilität logisch einordnen. Die Cash-Option und der Whole-Life-Ansatz werden dabei nicht als zusätzliche Komplexität eingeführt, sondern als Optionen, die Handlungsspielraum für die Zukunft eröffnen, ohne heute alles festlegen zu müssen. So entsteht ein nachvollziehbares Gesamtkonzept, welches die hohe Flexibilität verständlich macht, ohne zu überfordern.

Abschließend der Blick nach vorn: Welche Rolle werden fondsgebundene Rentenversicherungen im künftigen Altersvorsorgemix spielen – gerade im Zusammenspiel mit den neuen politischen Fördermodellen und einer wachsenden Eigenverantwortung der Kunden? Und welche Verantwortung kommt vor dem sich abzeichnenden Paradigmenwechsel dem Vertrieb zu?

Böhm: Fondsgebundene Rentenversicherungen werden im künftigen Altersvorsorgemix eine zentrale Rolle spielen, weil sie Kapitalmarktbeteiligung, Flexibilität und langfristige Planung verbinden. Die neuen politischen Fördermodelle werden dabei eine sinnvolle Ergänzung sein, insbesondere für Menschen, die bislang wenig oder gar nicht privat vorgesorgt haben. Mit wachsender Eigenverantwortung steigt zugleich der Bedarf an Orientierung. Hier kommt dem Vertrieb eine zentrale Rolle zu. Vermittler unterstützen Kundinnen und Kunden dabei, Chancen und Risiken einzuordnen, Prioritäten zu setzen und Vorsorgelösungen über lange Zeiträume hinweg zu begleiten. Der Paradigmenwechsel hin zu mehr Wahlfreiheit ist damit nicht nur eine politische und produktseitige Veränderung, sondern stellt auch neue Anforderungen an die Beratung. Entscheidend wird sein, Vorsorge verständlich zu erklären und Kundinnen und Kunden verlässlich zu begleiten.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen