Starkgewitter als Milliardenrisiko: Wie KI hilft, Schäden durch Extremgewitter zu begrenzen

Foto: Cash./KI-generiert
Starkgewitter entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Risikofaktor für Unternehmen.

Starkgewitter entwickeln sich zu einem der größten Naturgefahrenrisiken für Unternehmen. Die Schäden steigen weltweit deutlich an. Neue Analysen der Allianz Commercial zeigen, wie sich Risiken besser steuern lassen.

Starkgewitter gewinnen weltweit an Bedeutung und entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Risikofaktor für Unternehmen. Laut einer aktuellen Analyse von Allianz Commercial haben sowohl Häufigkeit als auch Intensität dieser Ereignisse deutlich zugenommen. Die Folgen sind erhebliche Schäden, die sich in der Versicherungswirtschaft inzwischen auf Milliardenbeträge summieren.

Zu den sogenannten schweren konvektiven Stürmen zählen unter anderem Tornados, starke Gewitterlinien sowie Hagelstürme. Anders als Hurrikane treten sie oft kurzfristig und ohne längere Vorwarnung auf. Gerade diese Unberechenbarkeit macht sie für Unternehmen schwer kalkulierbar.

Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich. Im vergangenen Jahr entfiel nahezu die Hälfte der weltweit versicherten Naturkatastrophenschäden von mehr als 60 Milliarden US-Dollar auf Starkgewitter. Zwischen 2023 und 2025 summierten sich die versicherten Schäden laut Daten von Gallagher Re auf über 200 Milliarden US-Dollar.

Hagel als größter Schadenfaktor

Während Tornados häufig im Fokus der Öffentlichkeit stehen, entstehen die größten Schäden meist durch Hagel. Schätzungen zufolge gehen 50 bis 80 Prozent der Schäden auf Hagelereignisse zurück. Betroffen sind vor allem Gebäude, Fahrzeuge sowie zunehmend hochwertige Anlagen.

Ein Hagelkorn in der Größe eines Tennisballs kann Geschwindigkeiten von bis zu 215 Stundenkilometern erreichen. Entsprechend groß ist das Schadenpotenzial. Nach Angaben von Allianz Commercial betreffen Hagelschäden heute verstärkt komplexe und wertintensive Objekte wie Flugzeuge, Produktionsanlagen oder Solarparks. Auch Europa ist betroffen. Deutschland gehört zu den fünf Ländern mit den höchsten Hagelschäden weltweit und steht für rund vier Prozent des globalen Schadenvolumens.


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Neben Hagel zählen starke Winde zu den wichtigsten Schadenursachen. Dazu gehören Tornados ebenso wie sogenannte Derechos, also langgezogene Gewitterfronten mit flächendeckend hohen Windgeschwindigkeiten. Sie können innerhalb kurzer Zeit große Gebiete treffen und erhebliche Schäden verursachen.

KI unterstützt beim Risikomanagement

Für Unternehmen gewinnt der Umgang mit diesen Risiken an strategischer Bedeutung. Klassische Schutzmaßnahmen allein reichen zunehmend nicht mehr aus. Gefragt sind kombinierte Ansätze aus Prävention, Analyse und technologischer Unterstützung.

„Schwere konvektive Stürme werden nach wie vor häufig als sogenannte ‚Sekundärgefahr‘ eingestuft. Diese Kategorisierung spiegelt ihre tatsächlichen Auswirkungen jedoch kaum noch wider. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die kumulierten Schäden jene etablierter Primärgefahren wie Hurrikans übersteigen können. Dieser Wandel unterstreicht die Notwendigkeit für Unternehmen, die neue Risikolandschaft zu verstehen und gleichzeitig ihre operative Widerstandsfähigkeit zu stärken. Dafür sollten sie lokale Risikoinformationen mit proaktiven Maßnahmen kombinieren, die sowohl physische Schäden als auch Betriebsunterbrechungen reduzieren“, sagt Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial.

Ein wichtiger Hebel liegt in der Nutzung von Daten und künstlicher Intelligenz. Moderne Analysen ermöglichen es, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen – etwa an Dächern, Fassaden oder kritischen Anlagen. Unternehmen können so gezielt investieren, bevor Schäden entstehen.

„Traditionelle Katastrophenmodelle stoßen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, objektspezifische Risikofaktoren wie Dachtypen oder die kumulativen Auswirkungen von Gefahren wie Hagel auf Gebäude abzubilden“, ergänzt Michael Bruch, Global Head of Risk Advisory Consulting Services bei Allianz Commercial. Wenn KI fest in die Kernprozesse des Risikomanagements integriert werde, liege ihr größter Mehrwert für Kunden darin, intelligentere, evidenzbasierte Resilienz-Strategien zu ermöglichen, die sich an wandelndes Wettergeschehen anpassen, statt sich auf historische Durchschnittswerte zu verlassen. „Ein daten- und KI-gestütztes Risikomanagement ist die Zukunft und essentiell, um Firmen in einem volatilen Klimaumfeld Wachstum zu ermöglichen“, glaubt Bruch.

Exponierung nimmt weiter zu

Die steigenden Schäden sind nicht allein auf häufigere Extremwetterereignisse zurückzuführen. Auch die zunehmende Bebauung und wirtschaftliche Nutzung gefährdeter Regionen spielt eine Rolle. Industrieanlagen, Logistikzentren und Infrastruktur befinden sich immer häufiger in exponierten Lagen. Selbst lokal begrenzte Ereignisse können dadurch erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Neben direkten Sachschäden entstehen oft Betriebsunterbrechungen, die zusätzliche Kosten verursachen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein vorausschauendes Risikomanagement weiter an Bedeutung. Szenarioanalysen helfen Unternehmen, mögliche Entwicklungen besser einzuschätzen und ihre Widerstandsfähigkeit gezielt zu stärken. In Kombination mit datenbasierten Ansätzen und KI-Unterstützung lassen sich Risiken nicht nur besser verstehen, sondern auch aktiv steuern.

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