Tankpreisbremse: Der Wettbewerb wird sich spürbar verändern

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Benzinpreise: "Was wir derzeit sehen, ist ein geopolitischer Preisschock."

Die Kraftstoffpreise in Deutschland haben im März ein Niveau erreicht wie zuletzt zu Beginn des Ukrainekriegs 2022. Vor allem Diesel verteuerte sich deutlich stärker als Benzin. Trotz politischer Eingriffe ist kurzfristig keine Entlastung in Sicht.

Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind im März spürbar gestiegen und haben ein Niveau erreicht, das zuletzt im Frühjahr 2022 zu beobachten war. Auslöser sind vor allem gestiegene Rohölpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten. Eine kurzfristige Entlastung für Verbraucher ist nach Einschätzung des Online-Portals „Clever Tanken“ nicht in Sicht.

Im bundesweiten Durchschnitt kostete ein Liter Super E10 im März 2,0114 Euro und damit rund 25,91 Cent mehr als im Februar. Für vier Tankfüllungen à 60 Liter ergibt sich daraus ein Mehrpreis von rund 62,18 Euro. Diesel verteuerte sich noch stärker: Der Durchschnittspreis lag bei 2,1542 Euro je Liter und damit 43,65 Cent über dem Vormonat. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2012.

„Was wir derzeit sehen, ist ein geopolitischer Preisschock: Steigende Rohölpreise werden schnell an den Zapfsäulen weitergegeben. Nationale politische Maßnahmen wie die heute Mittag startende Tankpreisbremse ändern daran wenig, denn sie ändern nichts an der Ursache“, sagt Steffen Bock, Geschäftsführer von Clever Tanken.

Dieselpreis überholt Benzin deutlich

Auffällig ist die Entwicklung beim Preisabstand zwischen Diesel und Benzin. Während Super E10 im Februar noch teurer war, lag der Dieselpreis im März 14,28 Cent darüber. Damit hat sich die Differenz innerhalb eines Monats deutlich verschoben.

Ein Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Marktstrukturen. Diesel beziehungsweise dessen Vorprodukt Gasoil wird global gehandelt, während Benzin stärker regionalen Märkten folgt. Engpässe auf dem Weltmarkt wirken sich daher schneller und intensiver auf den Dieselpreis aus.


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Hinzu kommt die strukturelle Versorgungslage in Europa. Während Benzin teilweise exportiert wird, ist der Kontinent bei Diesel auf Importe angewiesen. Ein Teil dieser Lieferungen kam früher aus Russland, wird inzwischen jedoch verstärkt aus der Golfregion bezogen. Aktuelle Störungen in dieser Region treffen daher insbesondere den Dieselmarkt.

Geopolitik treibt Rohölpreise nach oben

Die Preisentwicklung an den Zapfsäulen folgt eng den Rohölnotierungen. Ende März lag der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zeitweise bei über 112 US-Dollar. Mitte Dezember 2025 waren es noch rund 59 US-Dollar, Ende Februar 2026 etwa 73 US-Dollar.

Auslöser für den Anstieg sind vor allem geopolitische Risiken. Die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent der weltweiten Öltransporte verlaufen, ist seit Beginn der militärischen Eskalation weitgehend blockiert. Gleichzeitig kam es zu Angriffen auf Energieinfrastruktur sowie zu Produktionsausfällen in mehreren Förderländern.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch logistische Engpässe und steigende Transport- und Versicherungskosten. Auch neue Störungen im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Krieg wirken sich auf das Angebot aus.

Tankpreisbremse dürfte Wettbewerb verändern

Mit Blick auf die zum 1. April eingeführte Tankpreisbremse zeigt sich „Clever Tanken“ skeptisch. „Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, desto teurer wird es an den Tankstellen. Daran wird auch die ad hoc eingeführte Tankpreisbremse der Bundesregierung nichts ändern. Denn für das Preisniveau sind die Rohölpreise entscheidend, und diese werden derzeit maßgeblich von geopolitischen Risiken und Angebotsängsten bestimmt“, sagt Bock.

Auch bei einer möglichen Entspannung am Ölmarkt rechnet er nicht mit sinkenden Preisen durch die Regulierung. „Selbst wenn sich die Ölpreise normalisieren, dürfte die Tankpreisbremse den Wettbewerb spürbar verändern. Wenn Preise nur noch einmal täglich erhöht werden dürfen, nimmt die Dynamik ab – und damit auch die Chance für Verbraucher, von kurzfristigen Preisrückgängen zu profitieren.“

Künftig könnte sich das günstigste Zeitfenster zum Tanken in die Stunden vor der täglichen Preiserhöhung verschieben. Gleichzeitig bleibt der Preisvergleich zwischen Tankstellen relevant, da Unterschiede weiterhin bestehen und Einsparpotenziale abnehmen könnten.

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