Herr Brenner, die VPV hat es in der aktuellen DISQ-Kundenstudie auf Platz 2 geschafft. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Brenner: Die VPV agiert im Markt als AO- sowie als Maklerversicherer und investiert deshalb sehr viel in die Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern sowie unsere Servicequalität. Zwei Beispiele dafür: Letztes Jahr wurde das Thema Wiederanlage von uns mit einer völlig neuen Customer Journey aufgesetzt, damit unsere Kunden diese auf eine völlig andere Art und Weise erleben. Oder auch die Auszeichnung durch den OMGV-Award als „Beste Agentur im Segment Kundenbewertungen“. Auch künftig können sich unsere Partner darauf verlassen, dass wir sie beim Kunden draußen bestmöglich unterstützen. Und unsere Kunden können später auf unser hohes Servicelevel vertrauen. All das geht für uns Hand in Hand und deshalb freuen uns sehr, dass unser Streben und Handeln in diesem aufmerksamkeitsstarken Award bestätigt wurde.
Welche konkreten Maßnahmen haben Sie umgesetzt, um Service, Transparenz und Produktqualität zu verbessern?
Brenner: Wir pflegen heute einen sehr engen Austausch zwischen Vertrieb und Service. Unsere Philosophie ist, Kunden ein Leben lang zu begleiten. Das erfordert Zeit, Know-how und gute Beratungstools. Unsere Vermittler unterstützen wir deshalb stark dabei, wirklich passende Lösungen zu finden. Produktseitig reagieren wir flexibel auf neue Themen. Zum Beispiel wie bei Photovoltaik oder der Rechtsprechung. Auch im Nicht-Leben-Bereich geht es uns darum, Beratung für die Lebenssituation des Kunden sichtbar zu machen.
Besonders stark wurden Sie bei Weiterempfehlung und Rechtsschutz bewertet. Wie wichtig ist Ihnen die Weiterempfehlungsquote?
Brenner: Weiterempfehlung ist für uns ein zentraler strategischer Erfolgsfaktor. Unser Anspruch „Ihr Begleiter ein Leben lang“ zeigt sich genau darin. Befragungen unter Mitarbeitenden und auch Vermittlern ergeben Quoten von fast drei Viertel – als Arbeitgeber wie auch als Partner. Das bedeutet: Man fühlt sich bei uns richtig aufgehoben. Das ist für uns ein starkes Signal.
Ist dieses Thema im Vorstand entsprechend hoch verankert?
Brenner: Absolut. Gute Zusammenarbeit und gute Beratung lassen sich schwer direkt messen. Weiterempfehlung ist dafür der beste Indikator. Die hohen Werte haben uns sehr gefreut und zeigen, wir sind auf dem richtigen Weg.
Hat Sie die Höhe überrascht?
Brenner: Wir hatten auf gute Werte gehofft, weil wir seit drei Jahren intensiv daran arbeiten. Dass wir so weit oben liegen, hat uns positiv überrascht. Das ist jetzt die Messlatte für die kommenden Jahre.
Was bedeutet für Sie persönlich exzellenter Service?
Brenner: Exzellenter Service heißt, zu wissen, was dem Kunden wichtig ist. Ihn so zu betreuen, dass er uns gerne weiterempfiehlt. Dafür wurden von uns klare Service-Levels eingeführt, insbesondere die Erreichbarkeit. Die persönliche telefonische Erreichbarkeit ist für Kunden und Vermittler enorm wichtig. Wir steuern sie mit einer Ampellogik und achten darauf, dauerhaft „grün“ zu sein. Entscheidend sind die „Momente der Wahrheit“: Policierung, Vertragsänderungen, Schadenfall. Schnelle Rückmeldungen – etwa innerhalb von 24 Stunden im Schaden – prägen das Kundenerlebnis. Genau daran arbeiten wir kontinuierlich.
Wie haben Sie es geschafft, die Servicewahrnehmung Ihrer Kundschaft so deutlich zu verbessern?
Brenner: Heutzutage bei einem Dienstleister jemanden persönlich zu erreichen und das Anliegen loszuwerden, wird immer schwieriger. Vollkommen egal, wo angerufen wird. Und das obwohl auch technisch affine Personen, Servicelösungen als angenehm empfinden und nutzen wollen. Deshalb differenzieren wir uns bewusst: Bei uns erreichen Kunden am Telefon tatsächlich einen Menschen als Ansprechpartner. Diesen Spagat zwischen schnell sein, kosteneffizient arbeiten und gleichzeitig persönlich erreichbar sein, müssen wir hinbekommen – gerade auch für unsere Vertriebspartner. Etwas zu klären und freundlich, kompetent Auskunft zu geben, ist bereits eine Differenzierung. Das mag einfach klingen, ist es aber nicht. Aber es macht den Unterschied.
Da bin ich völlig bei Ihnen. Wir haben kürzlich die Bank gewechselt, neue Kontodaten an Versicherungspartner weitergegeben – und bei einigen Versicherern hat das überhaupt nicht funktioniert. Inklusive der telefonischen Erreichbarkeit. Dabei es eigentlich völlig belanglos. Es war unfassbar, wie kläglich große Versicherer wie HDI oder Allianz selbst mit zwei Monaten Vorlaufzeit an so einem einfachen Thema scheitern.
Brenner: Das hat vermutlich mit einer nicht ausreichenden Differenzierung unterschiedlicher Kundeninteressen zu tun. Hätten wir nur junge Kunden, würden wahrscheinlich viele sagen: „Wo ist zu klicken, damit alles erledigt ist?“ Aber viele Menschen möchten ihr Anliegen heute nach wie vor über einen Beratungspartner oder direkt über den Servicebereich weitergeben. Diese persönliche Ansprache ist aus meiner Sicht das A und O.
Kommen wir zu Ihren Geschäftszahlen. Sie haben 2024 in der Lebensversicherung ein Rekordergebnis erzielt. Was waren die Treiber – und welche Rolle spielen Green Invest und Parkdepot?
Brenner: 2024 war ein Rekordjahr und das Jahr 2025 wird noch stärker. Wir wachsen im laufenden als auch im Einmalbeitrag, über alle Vertriebswege hinweg, in der AO, dem Maklergeschäft sowie im bAV-Geschäft in Island. Entscheidend ist das Produktangebot. Unsere Lösung Green Invest deckt den langfristigen Vorsorgebedarf sehr gut ab und kombiniert Nachhaltigkeit mit starken ETFs. Wir sehen hier, Kunden sind bereit, etwas mehr Risiko zugunsten besserer Renditechancen einzugehen. Auch das Parkdepot als klassische Wiederanlagelösung mit starker Verzinsung läuft sehr gut, gerade bei unseren hohen Abläufen. Auch Gelder von außen kommen hinzu, obwohl das Produkt klar als Parklösung konzipiert wurde. Hinzu kommt Island, die Rentenreform dort hat uns einen echten Volltreffer beschert.
Island?
Brenner: Ja. Die Isländer haben aufgrund zweier Währungsreformen traditionell kein Vertrauen in die eigene Krone. Lange wurde über Pfund gespart, bis der Brexit kam. Eines der großen Maklerunternehmen dort suchte daraufhin einen europäischen Versicherer mit Euro-Produkten. Unsere mittelständische Struktur passte perfekt. So entstand sehr schnell eine erfolgreiche Partnerschaft.
Im Oktober 2025 haben Sie Flex Garant Invest und Flex Garant Rente eingeführt. Welche strategische Bedeutung haben diese Produkte?
Brenner: Wiederanlage und Ruhestandsplanung sind für uns zentrale Themen. Die Flex-Garant-Linie bietet als moderne Klassik eine attraktive Verzinsung, Garantien, und vor allem hohe Flexibilität. Die Flex Garant Rente erlaubt jederzeitige Zugriffe und Teilentnahmen oder den vollständigen Rückkauf bis 85 Jahre. Viele Menschen wollen in der Ruhestandsphase flexibel bleiben: gesundheitlich, familiär, finanziell. Eine reine lebenslange Rente ist für viele nicht die einzige Option. Mit dieser Produktlinie können wir unsere Kunden in dieser Lebensphase sehr gut begleiten.
Wurde das Thema Ruhestandsplanung in der Branche vernachlässigt?
Brenner: Ganz klar: ja. Die Ruhestandsphase dauert heutzutage oft 30 Jahre und länger. Ganz bewusst beschäftigen wir uns seit über zwei Jahren sehr intensiv damit. Das Ergebnis, unsere Wiederanlage-Journey kann sich sehen lassen. Die neue Klassik ist ein weiterer wichtiger Schritt. Zudem zertifizieren wir Vermittler zu Ruhestandsplanern, um das Thema stärker zu verankern. Definitiv hat die Branche hier insgesamt Nachholbedarf.
Gibt es im Vertrieb ebenfalls Nachholbedarf?
Brenner: Ruhestandsplanung ist komplex, weil Lebenssituationen sehr unterschiedlich sind: Rente, Rückzahlungen, Familie, Enkel. Steuer und Sozialversicherung spielen zusätzlich eine Rolle. Gute Beratung setzt ein tiefes Verständnis der persönlichen Lage voraus. Wer das beherrscht, schafft echten Mehrwert, der von Kunden honoriert wird.
Sie haben neue Biometrie Produkte eingeführt. Wie positionieren Sie sich damit bei jüngeren Zielgruppen?
Brenner: Das Feedback auf die grundlegende Überarbeitung unserer Produkte ist sehr gut. Wir bieten zwei starke Varianten an: eine mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis sowie eine Premium-Lösung mit viel Flexibilität – etwa zur nachträglichen Erhöhung des Schutzes, Laufzeitverlängerung oder vorgezogener Leistung bei schwerer Krankheit. Gerade junge Menschen mit dynamischen Biografien durch Jobwechsel, Heirat oder Familiengründung erfordern flexible Lösungen. Darüber hinaus legen wir auf eine faire Leistungsregulierung großen Wert, wie auch „Focus Money“ bestätigt hat. Im BU-Leistungsfall ist dies übrigens unverzichtbar.
Junge Menschen gelten dennoch als schwer erreichbar. Wie gehen Sie damit um?
Brenner: Das BU-Thema ist präsenter denn je – auch medial. Ein Erkenntnisproblem gibt es eigentlich nicht. Aber am Ende ist es eine Frage, ob man sich damit auseinandersetzen will. Berater spielen hier eine entscheidende Rolle. KI kann helfen, Situationen und Bedarfe besser darzustellen – aber Verhaltensänderung findet nur im persönlichen Kontakt statt. Genau deshalb bleibt Beratung in diesem Segment so wichtig.
Vertrieblich ist das natürlich eine große Herausforderung. Gerade solche Biometrie- oder Risikotarife lassen sich bei jüngeren Zielgruppen oft schwer platzieren, weil die Bereitschaft, sich abzusichern, nicht besonders ausgeprägt ist.
Brenner: Das ist deshalb sehr interessant, weil das Risiko Berufsunfähigkeit von der Presse regelmäßig aufgegriffen wird. Ein Erkenntnisproblem sollte somit nicht mehr gegeben sein. Zudem weiß jeder, dass die ersten Berufsjahre kritisch sind, wenn etwas passiert und eine Berufsunfähigkeit eintritt. Trotzdem gibt es bei der Auseinandersetzung Nachholbedarf. Deswegen ist es wichtig, dass Vertriebspartner, Beraterinnen und Berater den Bedarf in den Gesprächen immer wieder aufzeigen. Entscheidend ist und bleibt, ob man sich damit beschäftigen möchte.
Ich habe einige Diskussionsrunden zu diesem Thema erlebt. Dabei dreht es sich auch immer wieder um die Frage: Wie bekomme ich das Produkt überhaupt an die Leute?
Brenner: Ich war kürzlich auf einer extern organisierten Vorstandskonferenz, dort wurde exakt diese Diskussion geführt. Unter anderem auch mit der Frage: Wird KI das lösen? Eine spannende Runde mit keiner einhelligen Meinung, aber einer Tendenz: KI kann definitiv helfen, den Bedarf und die Situation sehr viel deutlicher und einfacher darzustellen, wenn Kunden befragen lassen und sich auf das Thema einlassen wollen. Die entscheidende Frage bleibt aber: Wer setzt sich hin und nutzt KI, um sich zu informieren? An sich ist eine Verhaltensänderung der Menschen der zentrale Punkt, und zwar beruflich wie privat.
Ich glaube auch: KI allein wird es nicht richten. Vielleicht muss sich die Ansprache insgesamt verändern. Zurück zum Thema Wiederanlage: Sie wurden ja jüngst ausgezeichnet – unter anderem mit dem German Brand Award – für die High-Performance-Customer-Journey „Wiederanlage“. Welche Bedeutung hat dieses datenbasierte Wiederanlagemodell für Ihre Kundenbindung?
Brenner: Das war für uns wirklich eine besondere Auszeichnung. Gerade weil der German Brand Award branchenübergreifend vergeben wird. Wir wollten das Thema Wiederanlage bewusst moderner und persönlicher aufsetzen. Die Customer Journey sah so aus: Für jeden Kunden wurde ein persönlicher Film erzeugt. Er wurde mit seinem Namen angesprochen. Berücksichtigt wurden sein Geschlecht, die konkrete Versicherung, das Abschlussdatum und die voraussichtliche Leistung. Auch Fragen wurden gestellt. Aber nicht per Formular, sondern als Film mit einer Landingpage. Das war für uns ein sehr spannendes Kundenerlebnis. Kunden wurde die Absicherung, die vor vielen Jahren abgeschlossen worden war, auf eine sehr ansprechende Weise erklärt: Wann hast du begonnen? Was hast du gespart? Was wird voraussichtlich herauskommen? Bestimmt hast du Ideen, wie du das Geld verwenden möchtest. Dazu haben wir einige Vorschläge gemacht. Durch die digitalen Tracking-Möglichkeiten war es für uns auch spannend zu sehen, wie Kunden interagieren. Und viele unserer Kunden haben sehr aktiv reagiert: QR-Code gescannt, die Landingpage besucht, den Film angesehen. Unsere Berater wussten, wer den Film gesehen hatte und konnten sich zeitversetzt melden. Oft kam der Impuls sogar vom Kunden selbst: „Komm bitte vorbei und zeig mir, was wir daraus machen können.“ Das hat viele Türen geöffnet. Für uns war auch die Art des Projekts von Bedeutung. Umgesetzt wurde es mit einem kleinen Team aus Vertrieb, IT und Marketing, kurzen Wegen und einer schnellen Pilotphase. Die Customer Journey zeigt uns, wie stark digitale Elemente die persönliche Beratung unterstützen können. Entscheidend ist nicht, „nur digital“ zu sein, sondern digitale Möglichkeiten so einzusetzen, dass sich Kunden verstanden und gut begleitet fühlen. Damit stärken wir Kundenbindung nachhaltig und werden auch in Zukunft kreativ daran weiterarbeiten.
Verändert das den Dialog mit Bestandskunden dauerhaft?
Brenner: Das ist eine gute Frage. Wenn ich nach vorne denke, würde ich sagen: ja. Ich bin aber auch überzeugt, dass Kunden gerade im Segment Leben gerne von einem Berater betreut werden. Der seine Erkenntnisse teilt, Empfehlungen gibt, Kunden an die Hand nimmt und die Abwicklung der Absicherung übernimmt. Die Kombination beider Welten – analog bzw. persönlich und digital – ist in einer emotional passenden Umgebung eine Kunst. Sowohl für die Kundenbindung als auch die Weiterentwicklung des Kundendialogs.
Mein Eindruck ist, dass viele Versicherer ihre Kunden bei der Wiederanlage zu spät oder gar nicht aktiv angehen.
Brenner: Das sehen wir genauso. Einige Versicherer haben uns nach dem Award gezielt auf unsere Erfahrungen angesprochen. Ein zentraler Punkt ist: Es ist nicht selbstverständlich, dass Kunden aktiv auf uns zukommen oder von sich aus eine Beratung einfordern. Diesen Impuls wollen wir auslösen. Der Kunde soll uns als echten Begleiter wahrnehmen: „Du lieferst mir Mehrwert – und ich sehe ihn auch.“ Unsere personalisierten Filme in der Wiederanlage-Journey haben gezeigt, wie gut sich Menschen individuell ansprechen lassen. Mit heutigen digitalen Möglichkeiten kann man eine persönliche Ansprache für alle Kunden umsetzen – mit vertretbarem Aufwand, aber enormer Wirkung.
Harter Themenwechsel: Die Bundesregierung plant eine umfassende Reform der Altersvorsorge. Welche Chancen und Risiken sehen Sie?
Brenner: Wir begrüßen sehr, dass endlich Reformwille sichtbar ist. Ob alles noch in diesem Jahr gelingt, Wir begrüßen sehr, dass ein Reformwille endlich sichtbar ist. Ob alles in diesem Jahr gelingt, wird sich zeigen. Entscheidend ist, dass etwas in Bewegung kommt. Wir haben kein Wissensproblem, denn es ist überfällig, die gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge ins Gleichgewicht zu bringen. Wichtig ist, dass die Lösung einfach, transparent und gut gefördert ist. Menschen müssen verstehen, dass Eigenverantwortung ein wesentlicher Bestandteil künftiger Altersvorsorge sein wird. Positiv finden wir Ansätze wie die Frühstart-Rente oder flexible Zuzahlungsmöglichkeiten. Unverzichtbar ist dabei, dass man alle Reformelemente zusammendenkt – und nicht mehrere parallele Systeme schafft. Skeptisch sehen wir nicht-versicherungsförmige Auszahlungspläne. Nicht weil sie von Versicherern kritisiert werden müssten. Vielmehr weil Menschen ihre Lebenserwartung unterschätzen. Auszahlungspläne enden irgendwann, das Leben oft nicht. Darüber muss man ehrlicher sprechen, damit unsere Sicherungssysteme am Ende nicht zum Auffangkorb für Altersarmut werden.
Wie kann die Branche Vertrauen zurückgewinnen?
Brenner: Vertrauen hängt stark von der Debattenkultur ab. Wir haben über Jahre eine öffentliche Diskussion erlebt, die eher verunsichert als geklärt hat: Misstrauen gegenüber dem Staat, gegenüber Banken, Fondsgesellschaften, Versicherern. Dabei wird unser Drei-Säulen-Modell international oft beneidet. Wir müssen es aber wieder ins Lot bringen. Und wir brauchen mehr Ehrlichkeit, denn Altersvorsorge ist auch eine private Aufgabe. Ich sage bewusst zugespitzt: Wir haben eine weit verbreitete Vollkasko-Mentalität. Gleichzeitig suggeriert die Politik teilweise, der Staat könne alles auffangen – was nicht realistisch ist. Wenn wir offen über Grenzen und Chancen sprechen und attraktive, geförderte Lösungen anbieten, kann die Branche Vertrauen zurückgewinnen. In der Beratung können wir schon heute viel tun, indem wir diesen „Beratungsschub“ gezielt setzen.
Kommen wir zur Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt sie in Kapitalanlage und Produktentwicklung?
Brenner: Nachhaltigkeit wurde lange gehypt, ist dann etwas abgeflacht und bleibt ein relevantes Thema. Für Versicherer ist die Kapitalanlage der größte Hebel. Deshalb haben wir unsere liquiden Anlagen nach und nach strengeren UN-Global-Compact-Kriterien unterworfen. Inzwischen entsprechen über 85 Prozent diesen Filtern. Das entwickeln wir kontinuierlich weiter, ohne dogmatisch 100 Prozent anzupeilen, weil sich Kriterien dynamisch ändern. Bei Produkten wie Green Invest sehen wir: Wenn Kunden wählen können, entscheiden sie sich häufig für nachhaltige Fonds. Gesellschaftlich mag der Hype abgeklungen sein, aber das Interesse ist da. Wichtig ist für uns auch das „S“ in ESG: unser soziales Engagement, regional wie überregional. Als Versicherer und Arbeitgeber tragen wir Verantwortung – die wir gerne und aktiv wahrnehmen.
Sie sind in diesem Jahr im Gewerbegeschäft gestartet. Ein Segment, in dem sie mit vielen etablierten Anbietern im Wettbewerb stehen. Wie läuft es – und was planen Sie für 2026?
Brenner: Sehr gut. Wir haben uns bewusst entschieden, selbst als Risikoträger aufzutreten. Unsere Erfahrungen aus Kooperationen haben gezeigt, wir können das. Im kleinen Mittelstand, der für unsere Vermittler sehr relevant ist, sehen wir großes Potenzial. Der Start war erfolgreich. Am Markt werden wir stark wahrgenommen und rund die Hälfte unserer Vermittler hat sich schon in den ersten Monaten intensiv mit dem Segment beschäftigt. Derzeit bieten wir Inhalt, Ertragsausfall und Haftpflicht an. In diesem Jahr folgen Gebäude, Photovoltaik. Anschließend Cyber, Vermögensschadenhaftpflicht und Rechtsschutz. In drei Stufen bauen wir ein rundes Portfolio auf, das unseren Anspruch erfüllt: moderne, kundennahe Lösungen mit schnellen Prozessen.
Sie fokussieren kleinere und mittlere Unternehmen. Wo sehen Sie den größten Hebel?
Brenner: Unser Ansatz lautet „rund um den Kirchturm“ – also Betriebe, die unsere Vermittler sehr gut kennen: Einzelhandel, Physiopraxen, Handwerk, Baubetriebe, Vereine. Hier sind wir als Beratungspartner anerkannt und auch der Link zum Privatkundengeschäft hilft zusätzlich. Zudem ist unsere Größe von Vorteil: sehr kurze Wege zwischen Vertrieb und Sparte. Risikoprüfung, Zeichnung, Policierung – alles läuft eng verzahnt. Es gibt keine langen Übergaben oder Prozessketten. Sparte und Vertrieb sind bei uns eins. Das sorgt dafür, dass der Kunde schnell eine qualifizierte Entscheidung bekommt – das ist in diesem Markt ein echtes Differenzierungsmerkmal.
Vorletzte Frage: Welche Prioritäten setzen Sie für das Geschäftsjahr 2026?
Brenner: Drei Themen stehen ganz oben: Erstens der Ausbau des Gewerbegeschäfts mit der zweiten Planungsstufe. Zweitens die Weiterentwicklung der Wiederanlage-Journey. Wir haben viel gelernt und wollen das Kundenerlebnis noch stärker personalisieren und vereinfachen. Drittens die moderne Klassik: Unsere Flex Garant-Produkte sind gerade gestartet und bilden 2026 ein zentrales Thema der Ruhestandsplanung und Wiederanlage. Wir erwarten hier große Entwicklungsschritte.
Und wie sieht es bei den Themen Digitalisierung, Kundennähe und Nachhaltigkeit aus?
Brenner: Ende des ersten Halbjahres 2026 starten wir eine neue Plattform, auf der Betrieb und Service wirklich gemeinsam arbeiten – mit einheitlicher Kundensicht. Das wird ein Kern unserer künftigen Beratungs- und Servicequalität sein. Digitalisierung soll nicht anonymisieren, sondern den Weg bereiten, um Vertriebspartner noch gezielter einzubinden. Bei der Nachhaltigkeit bleiben Kapitalanlage und CO₂-Reduktion im eigenen Geschäftsbetrieb zentrale Hebel. Beide Themen stehen fest in unseren Unternehmenszielen. Und auch unser gesellschaftliches Engagement – das „S“ – bleibt ein Herzensanliegen. Genau diese Mischung aus Digitalisierung, Nähe und Verantwortung führt uns in die Zukunft.















