Das Rentenalter in Europa wird nach Berechnungen der OECD in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Das zeigt der Bericht „Pensions at a Glance 2025“, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am 27. November 2025 veröffentlicht hat. Am stärksten fällt der Anstieg laut der Studie in Dänemark aus: Dort könnte die gesetzliche Altersgrenze langfristig auf bis zu 74 Jahre steigen. Für Deutschland weist die OECD künftig 67 Jahre aus.
Die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters bleibt laut OECD ein gängiges Mittel, um die Finanzierbarkeit der Rentensysteme langfristig zu sichern. Entsprechend setzen viele Industriestaaten weiter auf diesen Hebel.
Warum die Rentensysteme in Europa unter Druck stehen
Demografischer Hintergrund dafür ist die Relation zwischen Menschen ab 65 Jahren und der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren: Sie verändert sich von 33 zu 100 im Jahr 2025 auf 52 zu 100 im Jahr 2050, nachdem sie im Jahr 2000 noch bei 22 zu 100 lag. Bis 2050 wird sich die Relation gegenüber der Jahrtausendwende damit mehr als verdoppeln.
Nach OECD-Daten geht die Erwerbsbevölkerung in den nächsten 40 Jahren besonders deutlich zurück - um mehr als 30 Prozent in Estland, Griechenland, Japan, der Slowakei und Spanien. In Italien, Korea, Lettland, Litauen und Polen erwartet die Organisation einen Rückgang von sogar mehr als 35 Prozent. Die rasche Alterung erhöht aus Sicht der OECD damit zusätzlich den Druck auf die Rentensysteme.
Rentenalter Europa im Vergleich: Die wichtigsten Zahlen
Wie unterschiedlich die Reaktionen der einzelnen Staaten ausfallen, zeigen Daten der OECD für 32 europäische Länder, die das Portal Euronews ausgewertet hat. Verglichen wird dabei das gesetzliche Rentenalter aus dem Jahr 2024 mit der Projektion für Personen, die im selben Jahr im Alter von 22 Jahren in den Beruf eingestiegen sind. Dieser Vergleichszeitraum reicht bis in die späten 2060er-Jahre.
| Land | Rentenalter 2024 | Künftiges Rentenalter (OECD-Projektion) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Dänemark | 67 Jahre | 74 Jahre | plus sieben Jahre |
| Türkei | 52 Jahre (Männer) / 49 Jahre (Frauen) | 65 Jahre (Männer) / 63 Jahre (Frauen) | plus 13 / plus 14 Jahre |
| Estland | keine Angabe | 71 Jahre | keine Angabe |
| Italien, Niederlande, Schweden, Zypern | keine Angabe | 70 Jahre | keine Angabe |
| Deutschland | 66,2 Jahre (Männer) | 67 Jahre | plus 0,8 Jahre |
| Frankreich | 64,3 Jahre | 65 Jahre | plus 0,7 Jahre |
| EU-weit (OECD-Daten) | 64,7 Jahre (Männer) / 64 Jahre (Frauen) | 66,7 Jahre (Männer) / 66,6 Jahre (Frauen) | plus zwei / plus 2,4 bis 2,6 Jahre |
Quelle: OECD, „Pensions at a Glance 2025“; Auswertung Euronews, Stand 31. Juli 2026.
Aktuell gilt das höchste gesetzliche Rentenalter in Europa mit 67 Jahren in Dänemark, Norwegen, Island und den Niederlanden - für Männer wie für Frauen. Am niedrigsten liegt es in der Türkei: 52 Jahre für Männer, 49 Jahre für Frauen. Dort fällt der Anstieg laut Projektion zugleich am stärksten aus, auf 65 Jahre bei Männern und 63 Jahre bei Frauen. Auch Dänemark mit plus sieben Jahren und Italien mit plus sieben Jahren bei Frauen zählen zu den stärksten Erhöhungen.
EU-weit soll das reguläre Rentenalter für Männer von 64,7 auf 66,7 Jahre klettern, ein Zuwachs von rund zwei Jahren. Bei den Frauen fällt die Erhöhung mit 2,4 bis 2,6 Jahren sogar etwas deutlicher aus, von 64 auf 66,6 Jahre. Das ergibt eine Auswertung der Nachrichtenagentur dpa, der zufolge 21 der 32 untersuchten Staaten eine Anhebung für Männer vorsehen und 24 für Frauen. Damit wollen rund zwei Drittel der Länder das Rentenalter für Männer erhöhen, rund drei Viertel für Frauen.
Deutschland: Regelaltersgrenze und Empfehlungen der Alterssicherungskommission
Die OECD gibt für Deutschland derzeit ein Rentenalter von 66,2 Jahren für Männer an, künftig sollen es 67 Jahre sein. Gesetzlich ist dieser Wert hierzulande bereits festgeschrieben: Die Regelaltersgrenze wächst bis 2031 stufenweise auf 67 Jahre und erreicht diese Höhe für den Geburtsjahrgang 1964 erstmals vollständig.
Unklar ist dagegen, was nach 2031 passiert. Am 23. Juni 2026 legte die von der Bundesregierung berufene Alterssicherungskommission ihren Bericht mit 33 Reformempfehlungen vor. Ihr Vorschlag: Die Regelaltersgrenze soll ab 2031 behutsam an die steigende Lebenserwartung angepasst werden, und zwar im Verhältnis zwei zu eins zwischen Erwerbs- und Rentenphase. Konkret könnte das Rentenalter demnach zwischen 2031 und 2041 von 67 auf 67,5 Jahre klettern, also um etwa ein halbes Jahr. Setzt sich der Anstieg der Lebenserwartung fort, käme ungefähr alle zehn Jahre ein weiteres halbes Jahr hinzu. Festgelegt ist davon bislang nichts - es bleibt eine Empfehlung an die Bundesregierung.
Was das steigende Rentenalter für die Beratung bedeutet
Ein späterer gesetzlicher Renteneintritt verändert die Beratungsgrundlage in der Altersvorsorge. Für Finanzberater, Versicherungsmakler und Vermögensverwalter berührt das mehrere Felder zugleich: die private und die betriebliche Altersvorsorge, Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen sowie die Lebensarbeitszeitplanung von Mandanten.
Hinzu kommt die internationale Perspektive. Das künftige Rentenalter in Dänemark, Estland, Italien, den Niederlanden, Schweden und Zypern liegt deutlich über dem deutschen Wert von 67 Jahren.
Häufige Fragen zum Rentenalter in Europa
Wann gehen Franzosen in Rente?
In Frankreich lag das gesetzliche Rentenalter laut OECD 2024 bei 64,3 Jahren. Künftig soll es auf 65 Jahre steigen.
Ab welchem Alter kann ich in Deutschland in Rente gehen?
Bis 2031 wächst die gesetzliche Regelaltersgrenze schrittweise auf 67 Jahre und gilt ab dem Geburtsjahrgang 1964 erstmals in voller Höhe. Im Anschluss könnte sie laut den Empfehlungen der Alterssicherungskommission an die Lebenserwartung gekoppelt werden.
Modellrechnung statt Prognose
Bei den OECD-Zahlen handelt es sich überwiegend um Modellrechnungen auf Basis der heute geltenden Rentengesetzgebung. Sie sagen deshalb nichts über das tatsächliche Verhalten der Erwerbstätigen oder über künftige politische Entscheidungen aus. Zudem liegt das tatsächliche Erwerbsaustrittsalter in vielen Ländern unter dem gesetzlichen Rentenalter.
















