Wie Ölpreis, Dollar und Notenbanken den Goldkurs beeinflussen

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Geopolitische Risiken treiben den Goldpreis, doch Inflation und Zinserwartungen setzen das Edelmetall unter Druck.

Der Goldpreis reagiert auf geopolitische Spannungen traditionell mit Aufschlägen. Auch die Eskalation im Konflikt mit dem Iran ließ das Edelmetall deutlich steigen. Doch steigende Ölpreise, Inflationssorgen und veränderte Zinserwartungen bremsen den Kurs wieder, so Edelmetallhändler Ophirum. Wohin sich Gold nun bewegen könnte.

Zu Beginn der militärischen Eskalation im Konflikt mit dem Iran legte der Goldpreis spürbar zu. Zeitweise näherte sich das Edelmetall mit rund 5.480 Dollar je Feinunze wieder dem Rekordhoch von Ende Januar bei 5.600 Dollar an. Die Reaktion passt zu einem bekannten Muster: In Phasen politischer Unsicherheit schichten Anleger ihr Kapital häufig verstärkt in Edelmetalle um.

Der anfängliche Kursschub hielt jedoch nicht lange an. Bereits wenige Tage nach Beginn der Eskalation geriet der Goldpreis wieder unter Druck. Solche Rücksetzer sind auch in Krisenzeiten keine Seltenheit.

Ein möglicher Grund für die Schwäche liegt in den gestiegenen Inflationsrisiken infolge der deutlich höheren Ölpreise. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen an baldige Zinssenkungen, insbesondere in den USA, merklich abgeschwächt.


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Ölpreise und Inflation rücken in den Fokus

Auslöser der Marktreaktionen war die Drohung Irans, Öltanker in der Straße von Hormus anzugreifen. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Transportwegen für Rohöl weltweit. Rund ein Fünftel des global verschifften Öls passiert diesen strategischen Korridor.

Mehrere Reedereien, Ölkonzerne und Handelshäuser reagierten darauf, indem sie ihre Transporte über die Meerenge vorübergehend einstellten. Die Sorge vor möglichen Lieferunterbrechungen ließ die Ölpreise steigen.

Sollte die Situation länger anhalten, könnte dies die Inflation zusätzlich anheizen. Für die Geldpolitik großer Zentralbanken würde sich der Handlungsspielraum dadurch weiter verengen.

Zinserwartungen belasten Gold

Vor allem für die US-Notenbank könnten steigende Energiepreise zum Problem werden. Wenn Inflationsrisiken zunehmen, könnten die Währungshüter von raschen Zinssenkungen absehen oder einen restriktiveren Kurs beibehalten.

Für Gold gilt ein solches Umfeld traditionell als Gegenwind. Höhere oder länger anhaltend hohe Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten der Goldhaltung, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge generiert und damit gegenüber zinstragenden Anlagen an Attraktivität verliert.

Die veränderten Zinserwartungen spiegeln sich auch im Wechselkurs wider. Der Dollar erreichte zuletzt ein Drei-Monats-Hoch gegenüber dem Euro. Höhere Zinsen machen Anlagen in der US-Währung attraktiver, weil Investoren dort höhere Renditen erwarten können.

Ein stärkerer Dollar wirkt sich zusätzlich negativ auf den Goldpreis aus. Da Gold in Dollar gehandelt wird, verteuert ein stärkerer Greenback das Edelmetall für Käufer aus anderen Währungsräumen und kann so die Nachfrage dämpfen.

Historische Muster sprechen für Aufwärtspotenzial

Ein ähnlicher Mechanismus war bereits im Jahr 2022 zu beobachten. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges stiegen zunächst die Ölpreise und in der Folge die Inflationsraten weltweit deutlich an. Die US-Notenbank reagierte damals mit einer Serie kräftiger Zinserhöhungen.

Der daraus resultierende Renditevorsprung gegenüber anderen Währungsräumen führte zu einer deutlichen Aufwertung des Dollars.

Wie sich der Goldpreis in den kommenden Monaten entwickelt, dürfte nun stark davon abhängen, wie die Zentralbanken die aktuellen Risiken bewerten. Sollten sie den inflationssteigernden Effekt höherer Ölpreise als vorübergehend einschätzen, könnte dies den Goldpreis stützen.

Unterstützung erhält das Edelmetall zudem von der weiterhin hohen Nachfrage sowohl privater Anleger als auch vieler Notenbanken. Auch markttechnische Signale sprechen für weiteres Potenzial.

Der starke Kursrückgang Ende Januar ließ den Volatilitätsindex VIX für Gold zeitweise auf über 38 Punkte steigen. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 wurde dieser Wert nur fünfmal erreicht.

In allen bisherigen Fällen lag der Goldpreis sechs Monate später höher. Auch nach zwölf Monaten notierte das Edelmetall jedes Mal im Plus. Die durchschnittliche Wertentwicklung lag bei rund 20 Prozent.

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