Zwischen Selbstbild und Realität: Versicherer und Makler driften auseinander

Foto: Cash./KI-generiertes Symbolbild
Zwischen dem Selbstbild der Versicherer und der Fremdbild der Vermittler klafft eine deutliche Lücke.

Versicherer bewerten ihre Prozess- und Betreuungsqualität deutlich besser als Makler und Mehrfachagenten. Das zeigt die Studie „Maklermarkt der Zukunft“ der Versicherungsforen Leipzig. Gleichzeitig erwarten die Marktteilnehmer tiefgreifende strukturelle Veränderungen im Vertrieb.

Die Versicherungsforen Leipzig haben in ihrer aktuellen Erhebung „Maklermarkt der Zukunft“ Einschätzungen von Versicherern, Maklern und Mehrfachagenten ausgewertet. Grundlage sind fünf Experteninterviews sowie eine Onlinebefragung unter 130 Marktteilnehmern. Davon entfallen 44 Prozent auf Versicherer, 43 Prozent auf Makler und 14 Prozent auf Mehrfachagenten.

Ein zentrales Ergebnis: Zwischen dem Selbstbild der Versicherer und der Fremdbild der Vermittler klafft eine deutliche Lücke. Besonders sichtbar wird dies bei der Bewertung von Prozessen und Betreuung.

So stufen 75 Prozent der Versicherer ihre Leistung in den Bereichen Tarifierung, Angebot und Antrag als „gut“ bis „ausgezeichnet“ ein, darunter elf Prozent sogar als „ausgezeichnet“. Auf Vermittlerseite fällt das Urteil erheblich nüchterner aus. Nur 36 Prozent der Makler und 35 Prozent der Mehrfachagenten vergeben die Noten „gut“ oder „sehr gut“. Die Bestnote „ausgezeichnet“ bleibt vollständig aus.

Ähnlich kritisch äußern sich die Vermittler zur Qualität des Datenaustauschs.

Unterschiedliche Prioritäten bei zentralen Herausforderungen

Auch bei der Einschätzung der Marktherausforderungen zeigen sich Differenzen. Zwar nennen alle Gruppen Digitalisierung und demografischen Wandel als zentrale Themen. Makler und Mehrfachagenten setzen jedoch die Digitalisierung an erste Stelle, während Versicherer den demografischen Wandel priorisieren.

Bei der drittwichtigsten Herausforderung gehen die Meinungen noch weiter auseinander. Versicherer richten den Blick auf die Marktkonsolidierung. Makler sehen vor allem den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz als relevant an, Mehrfachagenten betonen das Datenmanagement.


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Mit Blick auf die zukünftigen Vertriebswege zeigt sich hingegen ein klareres Bild. „Die befragten Makler sehen ihre eigene Rolle als Vertriebsweg der Zukunft als absolut dominant an. Auch Mehrfachagenturen sind überzeugt, dass der Maklervertrieb in den kommenden drei bis fünf Jahren den Markt bestimmen wird“, ordnet Dr. Manuela Wolf, Projektmanagerin Vertrieb der Zukunft bei den Versicherungsforen Leipzig, die Ergebnisse ein.

Jeder zweite Makler, also 50 Prozent, prognostiziert zudem eine wachsende Bedeutung von Embedded Insurance. Für die Ausschließlichkeit, den Direktvertrieb und Bancassurance erwarten die Befragten hingegen Relevanzverluste.

Ursachen für Prozessdefizite und struktureller Wandel

Als Gründe für unzureichende Prozessqualität nennen die Befragten vor allem veraltete Technologien und langsame Entscheidungswege. 65 Prozent der Versicherer führen mangelnde finanzielle und personelle Ressourcen als Hindernis an. Makler mit 57 Prozent und Mehrfachagenten mit 65 Prozent sehen die Hauptursache dagegen in Defiziten der internen Kommunikation der Versicherer.

Auch bei der Betreuungsqualität weichen die Einschätzungen stark voneinander ab. 88 Prozent der Versicherer attestieren sich eine gute bis ausgezeichnete Betreuung. Makler und Mehrfachagenten bewerten diese dagegen überwiegend als mittelmäßig und ohne Spitzenleistungen.

Die Studie skizziert darüber hinaus einen strukturellen Wandel im Markt. „Die Ära der klassischen Vollsortimenter wird enden. Kleine und mittlere Versicherer werden sich auf Nischen spezialisieren, technologische Kooperationen eingehen und Teile ihrer Wertschöpfungskette auslagern. Dieser Druck macht weitere Fusionen unumgänglich“, ordnet die Ergebnisse ein.

Im Segment der Maklerpools rechnen über 80 Prozent der Befragten mit einer Konsolidierungswelle. Kleine Pools dürften vom Markt verschwinden, angebundene Vermittler zu größeren Einheiten wechseln. Mehr als 80 Prozent der Versicherer erwarten zudem, dass erfolgreiche Pools durch Zukäufe verstärkt als Maklergruppen auftreten.

Strukturvertriebe stehen laut Studie ebenfalls unter Druck. Über 40 Prozent der Vermittler und rund 33 Prozent der Versicherer rechnen mit einer Abwanderung von Personal in Richtung Maklerpools. Trotz sichtbarer Zukäufe einzelner Marktteilnehmer glaubt derzeit keine der befragten Gruppen mehrheitlich daran, dass sich Strukturvertriebe flächendeckend zu Maklergruppen transformieren werden.

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