Konsolidierung: Wer mit wem in der Branche tanzt

Die Finanzdienstleistungsbranche wird seit Jahren durchgewirbelt. Es wird kooperiert, fusioniert und übernommen. Die einen sind davon überzeugt, dass die Branche sich bereits mitten in der Konsolidierung befindet, die anderen sagen, sie stehe direkt bevor.

Tanzendes-Paar

Text: Katja Schuld

Die Schatullen und Kriegskassen sind offenbar immer noch oder schon wieder gut gefüllt. Mehr oder weniger offene Ansagen, sich an dem einen oder anderen Vertrieb oder Maklerpool zu beteiligen – seien es Investoren, Versicherer oder die Vertriebe selbst – werden ab und an verkündet. Doch am Ende des Jahres wird abgerechnet und konsolidiert. Wer hat sich strategisch vergrößert, wer bleibt übrig und wer ist weiter zum Abschuss freigegeben?

Die Konsolidierungswelle schwappt bei manchen Vertrieben und Pools fast über die Schwelle des Unternehmens, einige stehen schon knietief im Wasser. Der sich dauernd verschärfende Wettbewerb, steigende Kosten, die Finanzkrise, die Regulierungen, wenig Neugeschäft und obendrein immer mehr aufgeklärte Kunden lassen mancherorts nur noch den Insolvenzverwalter seine Arbeit machen oder der Konkurrent steht mit dem Möbelwagen bereits vor der Tür.

M&A-Anfragen häufen sich

Cash. hat Allfinanz- und Spezialvertriebe unter anderem nach den Gründen für Fusionen und Kooperationen gefragt (siehe Grafik unten). Dazu wurden 77 Unternehmen angeschrieben, 31 haben geantwortet. Als problematisch sehen knapp 29 Prozent vor allem eine zu geringe Kapitalausstattung und Infrastruktur einiger Vertriebe und Makler. Daneben brechen nach Meinung der Befragten zu starke Regularien manchem Marktteilnehmer das Genick (22 Prozent); auch fehlende Unternehmensstrategien und schlechtes Management sind Gründe.

Die Unternehmensberatungen mit dem Schwerpunkt Fusionen und Übernahmen, im Fachjargon auch Mergers & Acquisitions (M&A) genannt, wird es freuen. Diese Tendenz bestätigt Thomas Münzel, Geschäftsführer der auf die Vermittlung von Expansionskapital spezialisierten Hamburger Unternehmensberatung New Bizz: „Die Anfragen von Unternehmen, die Expansionskapital benötigen, haben  vor allem seit der Finanzkrise zugenommen. Wir haben derzeit mindestens zwei Anfragen von Unternehmen in einer Größenordnung von 40 bis 400 Mitarbeitern im Monat.“ Das deutet stark darauf hin, dass entweder eine Übernahme eines anderen Unternehmens ins Haus steht oder möglicherweise strategische Beteiligungen geplant sind.

Und nicht nur deutsche Unternehmen sind auf der Pirsch, auch ausländische Versicherer und Private-Equity-Investoren drängen auf den deutschen Markt auf der Suche nach dem nächsten Opfer.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Marktteilnehmer die Lage einschätzen

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