Verbraucherzentrale: Finanzberater vermitteln am Bedarf vorbei

Im vergangenen Sommer brachte er Makler-Verbände mit dem berühmt-berüchtigten Finanzhai-Video zur Weißglut. Nun meldet sich Niels Nauhauser, der in Vermittler-Kreisen umstrittene Geldanlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, mit einer Studie zur Altersvorsorgeberatung zurück. Das Ergebnis: Der Finanzvertrieb vermittelt am Bedarf vorbei.

Niels Nauhauser erklärt den gemeinen Finanz-Hai im Youtube-Video
Niels Nauhauser erklärt im Youtube-Clip den gemeinen Finanz-Hai

Die Verbraucherzentrale habe 121 seit Anfang 2010 durchgeführte Geldanlageberatungen ausgewertet, teilt die Behörde mit.

Nahezu alle im Vorfeld des Vertragsabschlusses von Verbrauchern vorgelegten Geldanlageangebote seien nicht bedarfsgerecht gewesen. Auch bei zum Zeitpunkt der Beratung bereits bestehenden Verträgen habe die Mehrzahl nicht dem Bedarf der Anleger entsprochen, so der Befund.

Die im Rahmen der Untersuchung berücksichtigten Ratsuchenden hatten im Durchschnitt 4,5 Anlageverträge abgeschlossen. Davon waren laut Verbraucherzentrale im Schnitt 2,5 unflexible Verträge, bei denen die gesamten Kosten zu Beginn der Laufzeit fällig seien.

„Die hohe Quote unflexibler Verträge zeigt, dass die Finanzvermittler am Bedarf der Verbraucher vorbei verkaufen“, kritisiert Nauhauser. Der Verkauf dieser Produkte gehe an der Lebenswirklichkeit vorbei. Zudem seien mehr als zwei Drittel der von den geprüften Finanzberatern gemachten Angebote mit teilweise wesentlich höheren Kosten einhergegangen als vergleichbare Anlagen bei anderen Anbietern. Außerdem habe, so Nauhauser, mehr als jede fünfte bestehende Anlage ein höheres Risiko, als der Verbraucher zu tragen bereit sei.

„Wir schätzen den Schaden durch nicht bedarfsgerechte Beratung zur Geldanlage und Altersvorsorge bundesweit auf 45 bis 90 Milliarden Euro jährlich“, sagt Nauhauser. Für eine Erläuterung, wie er zu dieser Schätzung kommt, war Nauhauser bislang nicht erreichbar. (hb)

Foto: youtube.com

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