Solarfonds: (Noch) des Anlegers liebstes Kind

Carsten Körnig, BSW
Carsten Körnig, BSW-Solar

Naturgemäß wird das Vorhaben der Bundesregierung von Vertretern des Berliner Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) scharf kritisiert. „Sollten diese Kürzungspläne umgesetzt werden, droht eine Insolvenzwelle und der Verlust Tausender Arbeitsplätze. Dies ist vor dem Hintergrund existenzgefährdend, dass bereits zum 1. Januar 2011 erneut eine deutliche Reduzierung der Fördersätze vorgesehen ist“, warnt Carsten Körnig, Geschäftsführer des BSW-Solar. Er fordert die Regierungskoalitionäre dazu auf, den Produktionsstandort Deutschland durch eine Nachbesserung der geplanten Kürzungspläne im weiteren Gesetzgebungsverfahren zu erhalten.

In der Tat reagierte die Sonnenindustrie prompt mit teilweise drastischen Kursverlusten. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden positiver Reaktionen im Koalitionsausschuss auf die Vorschläge von Umweltminister Röttgen sank die Aktie von Solarworld am 24. Februar um sieben Prozentpunkte auf ein neues Jahrestief von 10,40 Euro, der Titel von Conergy gab um zwei Prozentpunkte nach und notierte bei 0,75 Euro und die Aufwärtsbewegung des Kurses für das ohnehin gebeutelte Q-Cells-Papier stoppte abrupt.

Zweifel an der Rentabilität

Bis dato konnten die Anbieter hiesiger Solarfonds mit günstigeren Grundstückspreisen die niedrigeren Sonnenerträge wettmachen und mit einer größeren Rechtssicherheit punkten. Aufgrund der unerwarteten Ankündigung der Bundesregierung, die Vergütungssätze drastisch abzusenken und das Vorhaben ungewohnt zügig umzusetzen, hat dieses Argument an Gewicht verloren.

Hektik dürfte sich bei dem einen oder anderen Anbieter breitmachen, insbesondere wenn die Fondsobjekte noch gar nicht identifiziert sind oder der Baufortschritt noch nicht so weit gediehen ist, wie es die neue Stichtagsregelung erfordert. Manch ein Emissionshaus muss sich wohl hinter verschlossenen Türen Gedanken über einen Strategiewechsel machen oder auf die Suche nach bereits einspeisenden (und teureren) Parks machen, denn die Bauzeit für eine Anlage beträgt regelmäßig mehrere Monate.

Fraglich ist, ob sich das Modell des geschlossenen Solarfonds mit deutschen Anlagen überhaupt noch rechnen wird, wenn die Regelung wie geplant verabschiedet wird. Schließlich ist davon auszugehen, dass sie sich mit ein paar Prozentpunkten bei der Ausschüttungsprognose auswirkt. Wird der deutsche Solarstandort im Vergleich zu anderen europäischen Investitionsländern dann noch wettbewerbsfähig sein können?

Seite 5: Es wird enger auf den Solarmärkten Südeuropas

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