Family Offices setzen verstärkt auf Immobilien

Family Offices ist es gelungen, vergleichsweise sicher durch die Finanzkrise zu steuern. 80 Prozent verzeichneten in den Jahren nach der Finanzkrise keine Liquiditätsengpässe. Als eigenkapitalstarke Investoren stehen dabei Immobilien immer stärker im Vordergrund ihrer Investmentallokation.

Gastkommentar von Dr. Markus Kolodziej, EBS Business School

Markus_Kolodziej EBS REMI

Bislang ist über Family Offices und ihr Investitionsverhalten relativ wenig bekannt, beispielsweise welche strategische Rolle Immobilien in der Vermögensallokation spielen. Die meisten Kunden von Family Offices bringen dreistellige Millionenvermögen mit, zeigt die Studie „Mythos Family Office 2010“, eine Umfrage unter 64 Family Offices primär in Deutschland und der Schweiz, die das Bayerische Finanzzentrum 2010 gemeinsam J.P. Morgan Asset Management erstellt hat. Unter den Teilnehmern finden sich zu einem Drittel Single Family Offices und zu rund zwei Dritteln Multi Family Offices. Von den betreuten Vermögen im Untersuchungssample sind rund ein Zehntel kleiner als 300 Millionen Euro, rund ein Viertel zwischen einer und drei Milliarden Euro und ein weiteres Zehntel über drei Milliarden Euro groß. Den größten Anteil haben mit 40,6 Prozent Vermögen zwischen 300 Millionen und einer Milliarde Euro.

Family Offices erfüllen ein breites Anspruchsspektrum der von Banken oft als Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI) bezeichneten, sehr vermögenden Privatpersonen bzw. Familienverbände. In Bezug auf die betreuten Vermögensvolumina ähneln die Prozesse der Investitionsberatung und der Vermittlung von Investmentprodukten denen von institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungsgesellschaften. Im Jahr 2009 gab es weltweit ca. 93.000 UHNWI, definiert mit einem zu investierenden Vermögen von über 30 Millionen US-Dollar, als potenzielle Zielkunden für Family Offices, davon 36.300 in Nord Amerika, 20.700 in Europa, 19.600 im asiatisch-pazifischen Raum, 10.700 in Latein Amerika, 3.600 im Mittleren Osten und 2.000 in Afrika. In Deutschland wird die Anzahl auf ca. 6.000 UHNWI geschätzt. Dabei hat die Anzahl der UHNWI nach Angaben des Gapgemini World Wealth Report 2011 im Jahr 2010 um 10,2 Prozent zugenommen und macht damit zwar lediglich 0,9% der Gesamtanzahl der High Net Worth Individuals aus (mit einem zu investierenden Vermögen von über einer Million US-Dollar) repräsentiert aber 36,1% des Gesamtvermögens der Gruppe der HNWI.

Die Professionalität von Family Offices zeigt sich nicht zuletzt darin, dass mit 82,8 Prozent der Befragten in der genannten Studie („Mythos Family Offices“) ein Großteil der Family Offices eine strategische Asset Allocation bereits etabliert hat. Insgesamt liegen dabei die langfristigen Renditeerwartungen für die Gesamtvermögen der Family Offices zwischen 5 und 10 Prozent. Im Ländervergleich sind die Renditeerwartungen in Deutschland etwas konservativer als in der Schweiz sowie den anderen Ländern.

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