„B-Städte sind Gewinner der jüngsten Vergangenheit“

Über das Kaufpreiswachstum und Anlagechancen in Mittelstädten sprach Cash. mit Michael Kiefer, Chefanalyst bei Immobilienscout24.

Metropole: Michael Kiefer
„Die Zeiten flächendeckender massiver Preisanstiege scheinen in der Tat vorbei zu sein“.

Cash.: Die Siegerstadt im Cash.-Gesamtranking aus Immobilienmarktdaten und anderen Indikatoren heißt Wiesbaden. Wie bewerten Sie diesen Standort?

Kiefer: Wiesbaden gehört zweifellos zu den Hidden Champions und ist ein gutes Beispiel für die Renaissance der traditionellen Mittelstädte in den alten Bundesländern. Als Regierungssitz von Hessen profitiert die Stadt von ihrer stabilen Wirtschaftsstruktur.

Diese mittelständisch geprägte Wirtschaft verbunden mit der hochwertigen Lage im Rhein-Main-Gebiet macht Wiesbaden zu einem aufstrebenden Immobilienstandort.

Der bundesweite Durchschnittspreis für Wohnungen in guten Lagen ist nach den von Ihrem Hause erhobenen Daten für das Cash.-Ranking gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,45 Prozent auf 2.463 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Das durchschnittliche Mietniveau kletterte dagegen lediglich um 2,9 Prozent. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Speziell in den hochwertigen innerstädtischen Lagen beobachten wir seit längerer Zeit, dass die Kaufpreise deutlich stärker steigen als die Mieten. Ich denke aber, dass es sich hierbei um einen Nachholeffekt aus der Vergangenheit handelt. Hochwertige Immobilien in guten Lagen erleben bereits seit Längerem eine Renaissance.

Immobilienkäufer sind offensichtlich nachhaltig bereit, für eine werthaltige Sachwertinvestition eine niedrigere Rendite zu akzeptieren. Bedenklich wird es meines Erachtens erst, wenn die Rendite dauerhaft unter drei Prozent sinkt und die momentan immer noch hohe Nachfrage massiv einbricht.

Dafür gibt es jedoch momentan in der deutschlandweiten Betrachtung noch keine Anzeichen. Einzelne regionale Teilmärkte sollten jedoch genau beobachtet werden.

In den vergangenen Jahren sind vor allem die Wohnimmobilienpreise in den Metropolen und Ballungsräumen rasant gestiegen. Aktuell ist an einigen Standorten eine Abschwächung des Wachstums oder Stagnation zu beobachten. Ist möglicherweise der Zenit erreicht?

Die Zeiten flächendeckender massiver Preisanstiege scheinen in der Tat vorbei zu sein. In einzelnen Teilmärkten sehen wir aktuell eher eine Seitwärtsbewegung. Speziell im Neubaubereich stagnieren momentan die Preise vielerorts.

Für mich ist dies ein Zeichen dafür, dass die Käufer nicht bereit sind, jeden Preis zu bezahlen. Ich denke, dass die Preissteigerungen in Zukunft eher moderat sein werden. In einzelnen Teilmärkten könnte kurzfristig der Zenit durchaus schon überschritten sein. Bundesweit betrachtet, sehe ich die Gefahr deutlicher Preisrückgänge momentan aber nicht.

Seite 2: B-Standorte ein Geheimtipp für Anleger?

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