BVFI: „Ländliche Räume fördern, so dass Menschen nicht gezwungen sind, in Ballungsräume abzuwandern“

Enteignung, Mietendeckel und Wohnungsnot – diese drei Themen stehen am Immobilienmarkt im Fokus. Cash.Online nimmt dies zum Anlass und fragt beim Bundesverband für die Immobilienwirtschaft (BVFI) nach.

Was hält der BVFI generell vom Mietendeckel?

Der BVFI hält den Mietendeckel nicht für die geeignete Maßnahme, der Wohnungsknappheit zu begegnen oder sie gar zu lösen.

Zu bedenken ist zudem, dass die in der Presse und von der Politik so in den Fokus gerückte Situation nur in den Hotspots, wie z.B. in München, Berlin, Hamburg oder Köln besteht, während anderswo sogar Tausende von Wohnungen, wie z.B. in Suhl, zurückgebaut werden.

Einige Vermieter haben bekannt gegeben, dass Sie die Mieten vor Inkraftreten nicht Anheben werden. Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht dafür und welche sprechen dagegen?

Nach Jahren des Stillstandes haben Vermieter die Mieten moderat (etwas anderes lassen die gesetzlichen Leitplanken gar nicht zu) der Marktsituation angepasst. Aber auch hier werden nur die Gegebenheiten der Hotspots betrachtet, wo in der Tat die Mieten extremer angestiegen sind, als im ländlichen Raum.

Da die Anpassungen bereits im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten erfolgten, gibt es seitens der Vermieter gar keine Veranlassung und keine Möglichkeit, vor Inkrafttreten einer Gesetzesänderung die Mieten anzuheben.

Der Mietendeckel besitzt das Ziel, dem stetig sinkenden Wohnraum bei zugleich steigenden Mieten in Ballungsgebieten gerecht zu verteilen. Kann eine Festschreibung von Mieten dabei helfen oder führt dies dazu, dass die ohnehin schon aus den Ballungsräumen verdrängten nun weiter an die Ränder gedrängt werden?

Man sollte bei dem ganzen Hype um die Höhe der Mieten nicht übersehen, dass in den Ballungsräumen nicht nur die Mieten, sondern auch infolge der sehr guten Wirtschaftslage die Löhne und Gehälter stärker gestiegen sind als anderswo.

Wird die Miete gedeckelt, dann führt dies dazu, dass weniger dringend benötigter Wohnraum geschaffen wird. Das ist also keine Lösung. Vielmehr müssten die Behörden ihre teilweise ausufernden Forderungen und Einschränkungen enthemmen, was zur Verringerung der lähmenden Bearbeitungszeiten führen würde.

Dadurch könnte schneller und unbürokratischer neuer Wohnraum geschaffen werden.

Welche Maßnahmen würden Sie anstelle des Mietendeckels lieber ergreifen? 

Die dringendste Maßnahme ist Förderung des Neubaus durch Ausweisung von Neubaugebieten, die vereinfachte Aufstockung von bestehenden Gebäuden sowie die erleichterte Verdichtung innerhalb bestehender Quartiere.

Weiterhin sollte die Ansiedlung von Unternehmen in den ländlichen Räumen gefördert werden, so dass die dort lebenden Menschen nicht gezwungen sind, in die Ballungsräume abzuwandern. Beide Maßnahmen würden erheblich zur Entspannung der Wohnsituation beitragen und die Mieten nicht weiter steigen lassen.

Foto: Shutterstock

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