Gedaschko (GdW): „Mietendeckel trifft am härtesten die Falschen: die sozial agierenden Vermieter der Wohnungswirtschaft“

Als einer der Ersten äußert sich Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW), zum Mietendeckel. Bereits am Sonntag erteilt er den Plänen der Berliner Senatorin, Lompscher, eine klare Absage. Cash.Online fragt nach seinen Beweggründen.

Axel Gedaschko, GdW

Eine Studie des Instituts für Wirtschaft (IW) geht davon aus, dass Köln und Berlin insbesondere vom Wohnraumproblem betroffen sind. Dies zeige sich auch bei fehlenden Neubauquoten. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Es gibt viele Städte in Deutschland, die von einer Wohnungsknappheit betroffen sind. Der Grund: Vor etwa 15 Jahren war Deutschland aus Sicht von weiten Teilen der Politik „fertig gebaut“. Ursache für diese aus heutiger Sicht krasse Fehleinschätzung waren sinkende Bevölkerungsprognosen, die sich in der Realität komplett ins Gegenteil gekehrt haben.

Durch den anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre in Deutschland sind sowohl aus vielen europäischen Ländern als auch innerhalb Deutschlands selbst viele Menschen in die prosperierenden und attraktiven städtischen Regionen zugezogen. Gerade in Berlin wurde im Verhältnis zum Bevölkerungszuwachs viel zu wenig gebaut, insbesondere im mittleren und unteren Preissegment sowie in puncto Sozialwohnungen.

Städte wie Hamburg haben das eindeutig besser gemacht. Mit der Hälfte der Einwohner im Vergleich zu Berlin hat Hamburg in den vergangenen Jahren doppelt so viele Sozialwohnungen geschaffen und generell eine konsequente Neubaustrategie für bezahlbaren Wohnraum verfolgt.

Berlin könnte sich da eine dicke Scheibe abschneiden, doch statt endlich zu handeln, setzt der Senat weiter auf populistische Bauverhinderungsmaßnahmen und Stillstand statt – wie in Berlin überall spürbar – auf Wachstum und positive Veränderungen für die Zukunft.

Der Vorschlag, die Mieten auf acht Euro zu begrenzen, gilt nur für einige Gebiete, die zu Notfällen erklärt werden. Städteweit lässt sich dies nicht durchsetzen. Welche Konsequenzen hat dies für das Sozialgefüge?

Der Effekt wäre, dass gut situierte Menschen in teuren Wohnungen in den besten Lagen der beliebten Städte künftig zu günstigeren Mieten wohnen können. Diese Art von Politik ist das Gegenteil von sozial, führt zu viel mehr gesellschaftlicher Ungerechtigkeit und damit zu Unfrieden.

Das Grundproblem bleibt: Durch solche Maßnahmen wird keine Wohnung mehr gebaut. Der Wohnungsmangel wird durch den Mietendeckel zementiert, denn er verhindert weitere Investitionen in den Wohnungsbau. Die Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen werden also in Zukunft noch deutlich länger.

 

Seite 2: Welche Konsequenzen sich durch den Mietendeckel für den Baubestand ergeben

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