22. Dezember 2008, 00:00
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Russische Aktien zum Schnäppchenpreis

Die Kursverluste in Russland bieten nach Einschätzung von Angelika Millendorfer, Leiterin des Teams Emerging Markets Aktien bei Raiffeisen Capital Management, Einstiegschancen: “Die Panikverkäufe der letzten Wochen haben die Bewertungen unter den fairen Wert fallen lassen.”

“Die mittelfristigen Perspektiven Russlands hängen stark von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Insbesondere in den nächsten sechs Monaten dürften die Folgen der Finanzkrise noch zu heftigen Kursturbulenzen führen”, so die Schwellenland-Expertin. Eine mittelfristige Erholung der Rohstoffpreise gäbe dem Wirtschaftswachstum Schub: ?Sollte der Ölpreis im Schnitt auf 60 US-Dollar pro Barrel klettern, erwarten wir für 2009 ein russisches Wirtschaftswachstum von circa 3,5 Prozent, ein Budgetdefizit von 0,8 Prozent des BIP und ein Abwertung des Rubels.

Hilfe aus der Festgeldabteilung

Wie viele andere Regierungen hat auch die russische mehrere Stützungs- und Hilfspakete auf den Weg gebracht, vor allem, um dem russischen Bankensektor unter die Arme zu greifen. Diese Maßnahmen sind zwar auch für Russland kostspielig, müssen aber aufgrund angesammelter Gewinne aus der Zeit hoher Ölpreise nicht wie von den meisten anderen Nationen über Neuverschuldung finanziert werden. Für Millendorfer ist zu beobachten, dass im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise eine schleichende Wiederverstaatlichung wichtiger Industrieunternehmen erfolge.

?Neben der Rohstoffpreisentwicklung und der globalen Finanzkrise ist die vielfach sehr mangelhafte ?corporate governance? bei russischen Unternehmen aus unserer Sicht ein kritischer Punkt. Das Bild war diesbezüglich schon vor der Krise sehr heterogen. Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen ihre Bemühungen in diesem Bereich in näherer Zukunft nicht intensivieren werden?, erklärt die Raiffeisen-Fondsmanagerin.

Krise zeigt Systemschwächen

Viel werde auch vom Krisenmanagement der russischen Regierung abhängen, so Millendorfer. Wichtig seien neben einer schnellen und effizienten Verwendung der finanziellen Ressourcen für die Stabilisierung des Bankensystems und für die Sicherung der kurzfristigen Refinanzierungen der Unternehmen eine balancierte Abwertung des Rubels sowie eine effektive Stimulierung der Volkswirtschaft durch vorgezogene Infrastrukturinvestitionen.

“Wie so oft zeigen sich in Krisenzeiten Systemschwächen besonders stark, auch in Russland. In der Unternehmensbewertung trägt RCM diesem erhöhten Risiko durch das Einkalkulieren einer höheren Risikoprämie Rechnung”, so die Russlandexpertin.

?Russland liegt angesichts dessen kurzfristig in der stark überverkauften Marktsituation. Die Panikverkäufe der letzten Wochen haben die Bewertungen aus unserer Sicht weit unter den fairen Wert fallen lassen?, sagt Millendorfer. Die mittelfristigen Perspektiven Russlands seien stark von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig. “Insbesondere in den nächsten sechs Monaten werden die Folgen der Finanzkrise noch zu heftigen Kursturbulenzen führen.” (mr)

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