Euro-Rettung oder Anfang vom Ende der Währungsunion?

Die EU hat den Stabi-Pakt ad acta gelegt und ein 750-Milliarden-Euro-Rettungspaket geschnürt. Die EZB akzeptiert inzwischen Staatsanleihen mit Schrottstatus als Sicherheit und will nach Vorbild der Fed Bonds vom Markt kaufen. Die Büchse der Pandora ist geöffnet.

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So sieht es zumindest Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Nach Ansicht des Anlage-Profis verhöhnt das Rettungspaket die Stabilitätskriterien des Euros und Sanktionsmechanismen für Staaten, die sich nicht an die Defizitkriterien halten. Am Wochenende hatte die EU einen 750-Milliarden-Euro-Schirm für Länder gespannt, die am Markt vielleicht bald keinen Kredit mehr bekommen. So soll vor allem verhindert werden, dass der Euro am Finanzmarkt sturmreif geschossen wird.

Ist das dicke Ende unausweichlich?

Eine sinnvolle Maßnahme? Im Gegenteil – meint Flossbach. Fehlverhalten werde auf diese Weise belohnt statt bestraft, kritisiert der Asset Manager. Zudem reiche der Kraftakt ohnehin nicht, um das dicke Ende zu verhindern.

„Bis Ende 2012 werden allein in den fünf „PIIGS“-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) Anleihen und Zinsen von 1.166 Milliarden Euro fällig. Zusätzlich müssen diese Länder nach unseren Schätzungen noch 300 bis 400 Milliarden Euro neue Defizite finanzieren“, prophezeit Flossbach. Die Summe aller ausstehenden Anleihen der fünf Länder belaufe sich auf rund 3.000 Milliarden Euro.

Am Ende solle Deutschland mit einigen anderen Kernländern für die Schulden aller Länder gerade stehen. „Die Anleihen der Wackelkandidaten sind jetzt EU-gesichert. Warum sollte man eigentlich noch niedrig verzinsliche Deutsche Bundesanleihen kaufen, wenn es mit deutscher Patronatserklärung acht Prozent für Griechenanleihen gibt?“, fragt der Vermögensverwalter.

Was bringt „quick and dirty“ langfristig?

Auch David Karsbol, Chefvolkswirt der dänischen Saxo Bank, hat große Zweifel am Rettungspaket. Laut Karsbol hat die Aktion vor allem bewirkt, dass die Glaubwürdigkeit von EU und EZB am Tiefpunkt angelangt ist. Die Maßnahme vom Wochenende tauge als „Quick and Dirty“-Lösung, werfe langfristig aber viele Fragen auf – sowohl was die Euro-Stabilität betreffe als auch das Wirtschaftswachstum und den politischen Zusammenhalt in der Euro-Zone.

Auf gleicher Linie argumentiert Vermögensverwalter Flossbach. Die Vertrauensbasis in den Euro sehen beide Experten nachhaltig erschüttert. „Die Geldwertstabilität ist bestenfalls noch ein Lippenbekenntnis. EU und EZB haben einen Blankoscheck ausgestellt“, sagt Flossbach. Kurzfristig, da sind Karsbol und Flossbach einig, könnten die aktuellen Maßnahmen wirken. Das werde sich allerdings ändern, sobald die Investoren die Konsequenzen erkennen.

Seite 2: Inflation wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung

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