27. Juni 2011, 12:02
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“Eintrittsbarrieren erwünscht”

Matthias Born, Fondsmanager des Allianz RCM Euroland Equity Growth bei Allianz Global Investors, über Deutschlands Rolle in der EU-Schuldenkrise und die Nachteile von freiem Wettbewerb für das Wachstum von Unternehmen.

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Matthias Born, Allianz Global Investors

Die Schuldenkrise findet kein Ende. Wie bewerten Sie die Lage in Euroland?

Born: Insgesamt werden die Aktienmärkte in Euroland weiterhin seitwärts tendieren. Die holprige Konjunkturerholung im Rahmen der Schuldenkrise wird weiter für Volatilität sorgen. Damit ist auch zukünftig mit hohen Kursschwankungen zu rechnen. Aber es gibt Unterschiede innerhalb des Euroraums. Aktuell liegt die Staatsverschuldung Deutschlands bei rund 70 Prozent des jährlichen BIP. Das ist absolut gesehen viel und die Verschuldung steigt weiter, aber relativ ist es deutlich weniger als die Verschuldungssituation bei vielen anderen europäischen Ländern. Auch im privaten Haushalts- und Unternehmenssektor steht Deutschland mit einer geringeren Verschuldung im Vergleich zu anderer EU-Mitgliedstaaten besser da, die deutschen Konsumenten könnten zumindest mehr ausgeben. Den Unternehmen hilft zudem die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit bei den Lohnstückkosten der letzten 10 Jahren, die Innovationskraft war sowieso immer stärker als in Südeuropa.

Was bedeutet das für Fondsmanager und Investoren?

Born:Vor dem Hintergrund, die gesamtwirtschaftliche Situation im Euroraum schwierig bleibt und wir über die nächsten zwei bis drei Jahre mit niedrigen Wirtschaftswachstum im Euroraum rechnen, zählt Stockpicking mehr denn je.

Nach welchen konkreten Kriterien?

Born: Wir setzen auf Unternehmen, die sich in einem Marktumfeld mit hohen Eintrittsbarrieren bewegen und damit weniger Wettbewerb ausgesetzt sind. Das sorgt für stabile Margen und Wachstumsraten. Dabei ist es wichtig, in die Unternehmen zu investieren, die Innovationskraft oder ein überlegenes Geschäftsmodell vorweisen können. Zudem sollte die Gesellschaft möglichst ein überdurchschnittliches Wachstum aufweisen und sich unabhängig von einem schwachen Konjunkturumfeld etablieren können.

Wo finden Sie diese Eigenschaften?

Born: Dazu gehören etwa Dienstleistungen für die Ölindustrie, bestimmte Bereiche der Gesundheitsbranche wie beispielsweise im Bereich der Dialyse. Der Markt für Produkte zur Dialyse wächst jährlich um etwa sechs Prozent. Ein Unternehmen, das als Marktführer sehr gut in diesem Bereich positioniert ist, ist Fresenius Medial Care. Weitere Wachstumstrends sehen wir im Bereich Outsourcing von speziellen Dienstleistungen wie Catering und Baumanagement, die Automatisierung industrieller Prozesse und Produkte zur Erhöhung der Energieeffizienz. Rund 50 Prozent der Einsparungen von Co2-Emissionen können bis 2030 allein durch Energieeffienzprodukte erzielt werden. Da beispielsweise rund 40 Prozent der Gebäude in Deutschland zum Co2-Ausstoß beitragen, ist mehr Energieeffizienz im Bereich der Gebäudetechnik notwendig. An diesem Trend dürften Siemens oder Schneider Electric profitieren.

Welchen Einfluss hat das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer auf europäische Unternehmen?

Born: Das Wirtschaftswachstum der Industrieländer lag in den letzten zehn Jahren im Schnitt bei rund zwei Prozent, das der Schwellenländer bei bis zu zehn Prozent wie in China und Indien. Vor dem Hintergrund dieses Trends wird es für Unternehmen im Euroraum immer wichtiger, sich Absatzmärkte außerhalb Europas zu erschließen. An Bedeutung gewinnen vor allem Schwellenländern, wo sich der Konsum zum Wachstumsmotor entwickelt. Die Anzahl der chinesische Haushalte beispielsweise mit einem Jahreseinkommen in Höhe von 15.000 bis 50.000 US-Dollar wird sich Prognosen zufolge von 14 Millionen im Jahr 2010 bis zum Jahr 2020 auf 80 Millionen mehr als verfünffachen. Mit dem steigenden Einkommen wachsen die Ansprüche. In den kommenden 15 bis 20 Jahren können sich rund 600 Millionen Menschen zusätzlich, die meisten aus China und Indien, Luxusgüter leisten. Der Zuwachs ist doppelt zu hoch wie in den vergangenen 15 Jahren. Davon profitieren attraktive Marken wie Louis Vuitton des Luxusgüterkonzerns LVMH, eine der Top-Holdings im Fonds.

Wer global verkauft, gewinnt?

Born: Spätestens im Jahr 2020 wird Chinas Anteil am Weltkonsum mit rund 25 bis 30 Prozent größer sein als der US-amerikanische. Davon können auch global aufgestellte Unternehmen in Euroland profitieren. Allerdings ist nicht nur die regionale Aufstellung eines Unternehmens wichtig. Für überdurchschnittliches Wachstum bedarf es nachhaltiger Wettbewerbsvorteile, um auch in etablierten Märkten Marktanteile zu gewinnen. Dann ist eine attraktive Performance mit Euroland-Aktien möglich.

Interview: Marc Radke

Foto: Allianz Global Investors

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