7. Juli 2011, 12:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Emerging Markets: Die nächsten 11 Top-Performer

Weil kleinere Schwellenmärkte wie die Türkei oder Südkorea mit immensen Wachstumsraten locken, hoffen Investoren auf üppige Renditen. Ganz ohne Risiko sind außergewöhnliche Gewinne aber nicht zu realisieren. Der große Cash.-Emerging-Markets-Report.

Next-11-kommende-ma Rkte-globus-map-zukunft in Emerging Markets: Die nächsten 11 Top-Performer

Text: Marc Radke

Es ist Mai 2011. Obwohl die Klimaanlage das Istanbuler Restaurant auf ein gesundheitsgefährdendes Niveau abkühlt, wischt sich Attila Yesilada unentwegt den Schweiß von der Stirn. Das mag dem gerade verspeisten üppigen Essen oder der Leibesfülle des wohlgenährten Analysten geschuldet sein. Vielleicht liegt es aber auch an dem noch ungewissen Ausgang der türkischen Parlamentswahl.

Knapp zwei Wochen vor dem Urnengang legt der Mitgründer des wirtschaftspolitischen Think Tanks Istanbul Analytics sein Szenario für den optimalen Wahlausgang dar. Demnach sollte die Regierungspartei AKP zwar als Gewinner hervorgehen, aber ohne eine Mehrheit, die es ihr erlaubt, die anstehende Verfassungsänderung per Referendum oder gar im Alleingang umzusetzen: „Von dieser Konstellation profitieren die türkische Wirtschaft und Investoren am meisten.“

Für die Alternative, dass mehr als zwei Drittel der Sitze an die AKP gehen, findet der Vordenker dagegen nur ein Wort: „Desaster“. Türkische Intellektuelle befürchten, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan eine islamische Restauration des Landes vorantreiben und seine präsidiale Machtfülle ausbauen will: „Dauerhafter Fortschritt ist aber ohne die Gleichberechtigung von Frauen oder die Einbindung der kurdischen Minderheit nicht vorstellbar.“

Somit steht viel auf dem Spiel. Das Land gilt als eine der chancenreichsten Volkswirtschaften überhaupt. Im ersten Quartal 2011 hat die Türkei mit einem außergewöhnlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf sich aufmerksam gemacht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte die Wirtschaft um 11,7 Prozent zulegen. Langfristig soll das Land von Platz 17 in die Top Ten der größten Wirtschaftsmächte auf dem Globus vordringen. Innerhalb Europas nimmt die Türkei bereits den sechsten Rang ein.

Boom am Bosporus

Inzwischen dürfte aber die Transpiration des Strategen wieder nachgelassen haben. Die Parlamentswahl Anfang Juni zumindest ist exakt nach seinem Wunsch ausgegangen. Aber wird die Türkei damit wirklich zum Geheimtipp für Investoren? Dass die Nation zwischen Orient und Okzident momentan reüssiert, ist nicht zuletzt der anziehenden Binnenkonjunktur zu verdanken. Das größte Prä des traditionsreichen Landes bildet der Konsumhunger der jungen Bevölkerung – im Schnitt lediglich 28 Jahre alt. Die knapp 74 Millionen Einwohner kaufen, was das Zeug hält beziehungsweise was die Konsumentenkredite hergeben.

So bleibt ein Blick auf die Bankenlandschaft nicht ungetrübt. Ihre größte Rendite erzielen die Geldhäuser mit ebensolchen Kleinkrediten. Bei der in Istanbul ansässigen Akbank, eines der größten Institute der Türkei, entfällt auf diese zwar nur rund vier Prozent der Bilanzsumme. Das reicht aber bereits, um mehr als 30 Prozent des gesamten Unternehmensgewinns zu erzeugen. Da ist die Versuchung der Banker nachzuvollziehen, mit immer neuen Methoden ihre Kredite an die Konsumenten zu bringen – per SMS, Hotline, Kreditautomat, und einigem mehr. Ob diese Form, das wirtschaftliche Binnenleben anzukurbeln, von dauerhaftem Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten.

Gregor Holek, Türkeiexperte und Fondsmanager bei der österreichischen Raiffeisen Capital Management, sieht darin sowohl einen Schub als auch eine Gefahr für den Aufschwung des Landes: „Um eine Überhitzung der Volkswirtschaft zu vermeiden, setzt die Zentralbank derzeit Dämpfungsmaßnahmen ein. Das Kreditwachstum von 35 Prozent im Jahresvergleich soll auf 25 Prozent reduziert werden. Auf der anderen Seite gibt es in vielen Bereichen großes Aufholpotenzial, das mittels Krediten ausgeschöpft werden kann. Ein Balance-Akt also.“

Das Kreditinstitut Akbank wird wie rund 60 weitere Unternehmen, viele davon Marktführer in ihren Geschäftsfeldern, von der Sabanci Holding kontrolliert. Vorstand der Familiendynastie ist Güler Sabanci, die Nichte des Unternehmensgründers. Die Sabanci Holding ist nach der Koç Holding, ebenfalls ein Familien-Clan, der zweitgrößte Konzern des Türkei. So viel Einfluss in den Händen weniger macht Korruption und Transparenz zu wichtigen Themen. „Dies beschränkt sich aber bei Weitem nicht auf die Türkei, es sind globale Probleme. Im regionalen Kontext Osteuropas gesehen spielt das Land eine durchaus positive Rolle. Das Risiko fällt geringer aus als etwa auf dem Balkan“, argumentiert Holek.

Der Börsenkenner ist überzeugt, dass durch Bilanzierungsregeln und Kommunikation mit Investoren eine hinreichende Transparenz bei den großen börsennotierten Unternehmen vorhanden ist. Das spiegeln auch deren Aktienkurse: „Bei Familienunternehmen ist die Gefahr, dass strategische Entscheidungen nicht im Sinne der Minderheitsaktionäre getroffen werden, höher. Daher notieren diese Holdings mit einem Abschlag gegenüber ihrem zugrunde liegenden Wert.“

Wie Yesilada hält Holek die Türkei für einen der aussichtsreichsten Schwellenmärkte auf dem Globus: „Es bleibt eine außergewöhnlich dynamische Volkswirtschaft. Auch über das Jahr 2012 hinaus können wir Wachstumsraten deutlich über dem EU-Schnitt erwarten.“ Fünf Prozent im Schnitt prognostiziert der Raiffeisen-Fondsmanager.

Seite 2: Startschuss für Investoren?

Weiter lesen: 1 2 3 4 5 6

Ihre Meinung



 

Versicherungen

High on wheels – Cannabis am Steuer

Der 20. April oder “420 Day” ist  für Cannabis-Fans ein Pflichttermin: Denn 420, 4:20 oder 4/20 (engl.: four-twenty) ist in den USA ein Codewort für den Konsum von Haschisch und Marihuana. Hierzulande können Kranke auf Kassenkosten Cannabis als Medizin erhalten und müssen nicht mit Sanktionen rechnen – wenn sie sich an die Vorgaben des Arztes halten und fahrtüchtig sind. Anders sieht es aus, wer zum privaten Vergnügen kifft.

mehr ...

Immobilien

9 Urteile zum Thema Haus, Garten und Co.

Über die langen Monate des Winters konnten es Garten- und Balkonfreunde kaum erwarten, dass sie wieder ihren Lieblingsort betreten können. Sie vermissten das Leben im Freien beziehungsweise – im Falle des Balkons oder der Loggia – fast im Freien. Nun ist das witterungsbedingt wieder möglich, aber damit häufen sich auch entsprechende Streitfälle.

mehr ...

Investmentfonds

Aktienrückkäufe im Höhenflug

Immer mehr Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück. 2018 war für die so genannten Share Buybacks ein Rekordjahr, doch vieles spricht für neue Höchstmarken in diesem Jahr. Ein Gastbeitrag von Benjardin Gärtner, Union Investment

mehr ...

Berater

Rente mit 67: Für viele Deutsche steigt das Armutsrisiko

Höhere Altersgrenzen bei der Rente bedeuten nicht unbedingt späteren Erwerbsaustritt. Sollte der Arbeitsmarktboom nicht anhalten, drohen insbesondere Menschen mit geringer Bildung, prekärer Beschäftigung und niedriger Gesundheit große sozialpolitische Risiken. Warum die Politik jetzt handeln muss.

mehr ...

Sachwertanlagen

“Eines der besten Quartale unserer Unternehmenshistorie”

Solvium Capital hat die Vermögensanlage Wechselkoffer Euro Select 5 vorzeitig geschlossen und auch das Angebot Wechselkoffer Euro Select 6 steht kurz vor Schließung. Das Nachfolgeangebot und ein weiteres Konzept sollen in den nächsten Wochen folgen.

mehr ...

Recht

Rente unter Palmen – das müssen Sie wissen

Immer mehr Ruheständler entscheiden sich dafür, ihren Lebensabend jenseits der deutschen Grenzen zu genießen. Was zu beachten ist, damit man im Ruhestandsparadies auch auf die Rente aus Deutschland zugreifen kann.

mehr ...