15. November 2011, 10:40
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Leckerbissen aus der Investmentküche

Anlagestrategie: Nach Hedgefonds und Absolute Return sollen nun Newcits auch in Krisenzeiten für Performance sorgen und Rückschläge im Depot dämpfen. Ergeben alternative Strategien im Ucits-Mantel ein Festmahl für Anleger?

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Text: Marc Radke

Schuldenberge und Konjunktursorgen lassen die Aktienmärkte zurzeit in einem Maß schwanken, dass nicht wenigen Anlegern schwindelig wird. Viele Fondsmanager haben in den vergangenen Monaten zwar ihren Vergleichsindex geschlagen, konnten aber ein deutliches Absinken des Anteilswerts und damit ein Minus für ihre Kunden nicht verhindern.

Keine Überraschung für Achim Küssner, Geschäftsführer bei Schroder Investment Management: „Wir predigen seit Jahren einen Paradigmenwechsel. Privaten Kunden Investments anzubieten, die sich an einer Benchmark orientieren, ist der falsche Weg.“ Damit Investoren auch in unruhigen Börsenzeiten gut schlafen können, will Schroders ihnen sogenannte Newcits verabreichen, erfolgreiche Hedgefonds im Investmentfondsmantel.

Kalorienhaltiges Schmankerl

Dazu hat der Vermögensverwalter Anfang 2011 eigens die Luxemburger Fondsplattform Gaia ins Leben gerufen. Dort bieten die Briten Anlegern nach der europäischen Ucits-Richtlinie regulierte Fonds an, die Hedgefonds-Strategien einsetzen und von externen Managern verwaltet werden. Küssner vergleicht sein Vorgehen mit dem großer Automobilhersteller, die mit Tunern kooperieren und deren Pretiosen in ihre eigene Angebotspalette aufnehmen. Der Schroders-Geschäftsführer will damit zwei Investmentwelten zusammenbringen und „etablierten Hedgefonds-Managern den Zugang zum absatzstarken Ucits-Markt eröffnen“. Europaweit gibt es inzwischen über 300 Offerten. „Mehr als die Hälfte der europäischen Hedgefonds-Manager hat bereits ein solches Vehikel aufgelegt oder plant, es noch zu tun“, sagt Christian Rauner, Bereichsleiter Private Label Funds & Services bei Universal-Investment.

Die komplexen, kaum regulierten und illiquiden Hedgefonds-Strategien, die nur wenigen betuchten Anlegern vorbehalten waren, mit weitgehend regulierten, transparenten und weit verbreiteten klassischen Ucits-Fonds zu verbinden, kann seiner Meinung nach Investoren auch in turbulenten Börsenzeiten überzeugen. Wo sich wie am Aktienmarkt Risiken finden, ergeben sich schließlich auch Chancen, wie die langfristigen Ergebnisse zeigen. Der Branchenverband BVI hat unlängst ausgerechnet, dass Vorsorgesparer jährlich mehr als sieben Prozent Rendite einheimsen konnten, sofern sie ihr Kapital drei Jahrzehnte lang in einen Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland investiert haben. Auch aktuell sprechen die Kennzahlen für Aktieninvestments. Dies umso stärker, je länger der Bärenmarkt andauert.

Es sind wohl nicht die mangelnden Performance-Aussichten von Aktien, die Kunden abhalten, sondern eher schwankende Kurse und lange Verlustphasen. Insbesondere davor sollen Newcits ihre Anteilseigner bewahren. Die auch als alternative Investments bezeichneten Strategien können auf lange Sicht zwar nicht mit der Rendite von Aktienfonds mithalten, ihre Wertentwicklung schwankt im Vergleich aber deutlich weniger. Zu diesem Ergebnis kommt die österreichische Finance & Ethics Research: „Langfristig performten Aktienfonds besser als Alternative-Investment-Produkte, bei denen jedoch die bei weitem geringeren Volatilitäten auffallen. Beim Performance-Ranking der Fondskategorien über ein Jahr befinden sich alternative Investments mit durchschnittlich sieben Prozent Wertzuwachs klar vor Misch-, Anleihe- und Aktienfonds.“

Spektakuläre Performance lockt

Damit soll längst noch nicht Schluss sein. Schroders-Europachef Küssner stellt Anlegern beispielsweise mit dem im August lancierten Schwellenlandfonds Schroder Gaia Sloane Robinson Emerging Markets weit mehr Rendite in Aussicht. Hedgefonds-Manager Sloane Robinson führt das Portfolio. Mit erfahrenen externen Fondslenkern auf der Gaia-Plattform zu starten, hat für die Briten den Vorteil, reale Track-Records vorweisen zu können – wenn auch nur für die ursprünglichen Hedgefonds-Strategien. Eins zu eins sind diese nicht im Ucits-Mantel einzukleiden, beispielsweise sind Grenzen für Fremdkapitalhebel und Handelbarkeit vom Gesetzgeber ebenso definiert wie der Anteil des Portfolios, der auf fallende Kurse setzen darf.

Die Anbieter versuchen Produkte aufzulegen, die von den Regularien kaum gebremst werden und deren Performance dem Original möglichst nahekommt. Bei Schroders sind dies aktuell zwei Portfolios, die auf steigende und fallende Aktien setzen können, sowie ein Dachhedgefonds. Außerdem gibt es den Long-Short-Unternehmensanleihe-Fonds Schroder Gaia CQS Credit, der seit seiner Auflage im April knapp sieben Prozent Rendite erwirtschaftet hat. Auch die übrigen Ergebnisse der für gewöhnlich öffentlichkeitsscheuen Akteure können sich durchaus sehen lassen: „Sloane Robinsons Emerging-Markets-Strategie hat in 14 Jahren eine annualisierte Rendite von 25 Prozent erreicht“, so Küssner: „Die Produkte waren bislang für deutsche und österreichische Anleger nicht erhältlich. Diesen Zugang ermöglichen wir jetzt auf unserer Gaia-Plattform.“ Schroders schließt aber keineswegs aus, dort zukünftig auch selbst gemanagte Fonds anzubieten.

Mit dem Start sind die Briten zufrieden, mehr als eine Milliarde Euro konnte die Plattform in eineinhalb Jahren einsammeln. Küssner berichtet von einem rapiden Nachfrageanstieg seitens deutscher Vermögensverwalter in Juli und August. Den Gaia-Schwellenlandfonds leitet Richard Chenevix-Trench, CIO bei Sloane Robinson, mit einem Long-Short-Ansatz. Die Auswahl selbst basiert auf einer Bottom-up-Analyse von Einzeltiteln. Derivate sollen das Ganze absichern.

Lesen Sie auf Seite Zwei, wie es um die sicheren Häfen bestellt ist.

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