Ausblick 2013: Aktien top, Sparbuch flop

Auch im kommenden Jahr werden Tagesgeldkonten oder Sparbücher nur wenig abwerfen. Dafür dürfen Aktienbesitzer auf steigende Kurse hoffen – vor allem wenn sie China und Europa im Blick haben.

Gastkommentar: Kai Friedrich, CEO Cortal Consors Deutschland

Kai Friedrich, Cortal Consors

Die Staatsschuldenkrise in Europa und in den USA, das Superwahljahr in Deutschland, die angespannte Situation im Nahen Osten: Auch im nächsten Jahr wird die Politik wesentlichen Einfluss auf die Märkte nehmen und für volatile Börsenkurse sorgen. Anleger benötigen also zumindest phasenweise recht starke Nerven. Dennoch führt 2013 an Investments in Aktien kein Weg vorbei.

Positive Signale aus den USA, China und Europa

Und zwar aus folgenden Gründen:Die Lage in den weltweit wichtigsten Industrieregionen ist besser als vielfach dargestellt. Diese Erkenntnis dürfte sich im nächsten Jahr durchsetzen und die Aktienkurse steigen lassen. So stehen etwa in den Vereinigten Staaten die Zeichen auf konjunkturelle Erholung. Das Verbrauchervertrauen rangiert auf einem Vier-Jahres-Hoch, der Auftragseingang in der Industrie verläuft positiv, der Häusermarkt hat sich beruhigt. Es entstehen neue Jobs, was dem Inlandskonsum, traditionell wichtigster Faktor für die US-Wirtschaft, weiteren Rückenwind gibt.

In China legt die Industrieproduktion ebenfalls wieder zu. Die von der neuen politischen Führung angekündigte Liberalisierung wird diese Entwicklung forcieren. Bereits jetzt wirken sich die eingeleiteten Infrastrukturmaßnahmen sowie die wirtschaftliche Erschließung der weiter westlich gelegenen Provinzen und die Leitzinslockerung günstig auf die Konjunktur aus. Die Regelungen zur Kreditvergabe wurden geändert, die Finanzierung von Investitionsvorhaben privater Unternehmen wird dadurch einfacher.

Die chinesische Wirtschaft wird dank dieser Investitionen effizienter werden, die Kapitalrenditen der Unternehmen steigen an. Das gibt dem chinesischen Aktienmarkt, der sich zuletzt angeschlagen zeigte, ein nachhaltiges Erholungspotenzial. Risikobewussten Anlegern bieten sich deshalb eine ganze Reihe günstiger Einstiegschancen. Besonders Konsumwerte aus den Bereichen Gesundheit, IT und Telekommunikation sowie dem Automobilsektor sind aussichtsreich.

Auch in Europa schimmert Licht am Krisenhorizont. Länder wie Spanien und Italien haben Fortschritte bei der Entschuldung ihrer Haushalte und in den Handelsbilanzen gemacht. Indem man die Arbeitskosten spürbar gesenkt hat, ist die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen deutlich gestiegen. Das alles wurde an den Märkten bisher weitgehend ignoriert: Trotz günstiger Bewertung verzeichneten europäische Aktienfonds zuletzt massive Kapitalabflüsse. Für 2013 deutet sich nun eine Trendwende an. Die Fundamentaldaten rücken wieder in den Fokus: Europäische Konzerne punkten mit guter Gewinnentwicklung und schlanker Kostenstruktur. Sie sind international gut aufgestellt und damit auch für sicherheitsbewusste Anleger attraktiv.

Niedrigzinsen: K(l)eine Freude über Tagesgeld oder Sparbuch

Die Attraktivität von Aktien steigt umso mehr vor dem Hintergrund, dass sichere Anlagen wie Tages- und Festgeld, Sparbuch oder Bundesschatzbrief nach wie vor nur Mini-Renditen abwerfen. Unternehmensanleihen sind 2013 ebenfalls kein Ausweg, da deren Risikoaufschläge im gegenwärtigen Niedrigzins-Umfeld ebenfalls gering bleiben werden. Mit einem baldigen Strategiewechsel der Notenbanken ist jedenfalls nicht zu rechnen: FED und EZB werden auch im neuen Jahr vor allem über den Staatsanleihemarkt für ausreichend Liquidität sorgen. Zudem sollen niedrige Einlagenzinsen gepaart mit einer moderaten Inflationsrate von rund zwei Prozent die Staatsschulden und Bruttoinlandsprodukte wieder in vernünftigen Einklang bringen.

Das Fazit für 2013 unter Renditeaspekten lautet also: Staatsanleihen stabil, Sparbuch mau und Aktien top. Dabei sollten konservative Anleger Fonds mit substanz- und dividendenstarken Titeln aus dem Euroraum bevorzugen, während risikofreudigere Investoren lieber zu aktiv gemanagten Fonds greifen, die Werte aus China, Brasilien oder Mexiko im Portfolio haben. Auf kurzfristige Trends zu setzen, scheint dagegen wenig sinnvoll. Denn in politisch wechselhaften Zeiten ist jeder Trend nur allzu schnell Schnee von gestern.

Autor Kai Friedrich ist Chief Executive Officer bei Cortal Consors Deutschland.

Foto: Cortal Consors

 

 

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