Geldmarktfonds im Kreuzfeuer

Geldmarktfonds stehen weiter im Kreuzfeuer von Regulierern und Politik. Unlängst hat sich der Bundesrat zu Wort gemeldet und den Vorschlag der EU-Kommission für eine europäische Geldmarktfondsverordnung begrüßt.
Kommentar von Thomas Richter, BVI

Geldmarktfonds
„Eigenkapitalanforderungen stellen das Grundprinzip der Vermögensverwaltung in Frage.“
Der Bundesrat geht sogar noch weiter als die Kommission und fordert Eigenkapital für alle Geldmarktfonds. Das soll sowohl für die in Irland und Luxemburg weit verbreiteten Fonds mit konstantem Anteilwert (CNAVs) als auch für die hierzulande gebräuchlichen Fonds mit variablem Anteilwert (VNAVs) gelten. Die deutschen Länder halten dies für Verbraucherschutz.

Gefährlicher Irrweg Eigenkapitalpuffer

Die Idee mit dem Eigenkapitalpuffer führt auf einen gefährlichen Irrweg, nicht nur weil 3 Prozent Eigenkapital das Produkt unrentabel machen. Was bei Geldmarktfonds anfängt, macht möglicherweise auch vor anderen Fonds nicht halt.

Investmentfonds bedürfen keines Eigenkapitals, weil die Asset Manager die Vermögenswerte treuhänderisch verwalten und nicht auf die eigene Bilanz nehmen. Das unterscheidet Fondsgesellschaften von Banken und Versicherungen.

Deshalb dürfen auch Maßnahmen, die dort systemische Risiken begrenzen sollen, nicht einfach auf Fonds übertragen werden. Eigenkapitalanforderungen stellen das Grundprinzip der Vermögensverwaltung in Frage. Entsprechend heftig hat sich der BVI in der Schattenbankendebatte schon zu einem Zeitpunkt dagegen gewehrt, als vielen das Thema noch abstrakt erschien.

Zu Tode reguliert

Neben der Eigenkapitalanforderung enthält der Verordnungsentwurf der Kommission noch Einschränkungen bei erwerbbaren Vermögensgegenständen, Diversifizierung und Kreditaufnahme. Zudem sollen Liquiditätsquoten, komplexe interne Kreditratings, Know-your-Customer Regeln, strengere Bewertungsvorschriften etc. eingeführt werden.

Das Produkt wird zu Tode reguliert. Die Asset Management Industrie leistet weltweit Widerstand. Dennoch sieht es so aus, als wollten sich die Regulierer zumindest den CNAV Geldmarktfonds als sichtbare Trophäe in ihrem Kampf gegen Schattenbanken an die Wand hängen.

Autor Thomas Richter ist Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI.

Foto: BVI

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