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31. Januar 2013, 13:19
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Inhabergeführte Unternehmen: Werte, Traditionen und Rendite

Der BB Entrepreneur Europe ist seit etwas mehr als drei Jahren am Markt und investiert in eigentümergeführte Unternehmen. Gemeinsam mit Fondsmanagerin Birgitte Olsen, die den Fonds seit seiner Lancierung lenkt, zieht Cash. eine erste Bilanz.

Inhabergeführte Unternehmen

Birgitte Olsen investiert europaweit in börsennotierte eigentümergeführte Unternehmen.

Cash.: Der BB Entrepreneur Europe zählt zu Ihren Flaggschiffen und wurde jüngst in die Empfehlungsliste der BCA aufgenommen. Was bedeutet dieser Schritt für Ihr Haus?

Olsen: Nach dreieinhalb Jahren intensiver Aufbauarbeit tragen unsere Anstrengungen erste Früchte. Der Fonds figuriert mittlerweile auf zahlreichen Empfehlungslisten im Segment Aktien Europa.

Insofern sind wir natürlich erfreut darüber, dass wir auch die Fondsanalysten der BCA überzeugen konnten. Der Fonds rangiert auch im breiten Aktien-Europa-Universum bei Lipper sowohl im Jahresverlauf als auch über drei Jahre und seit Auflegung im ersten Dezil und gelangt mit einem Fondsvolumen von nunmehr über 80 Millionen Euro zunehmend in den Fokus professioneller Fund Screener.

Nicht zuletzt freuen wir uns auch darüber, dass die Marke Bellevue dank der hohen Produkte- und Servicequalität auch im deutschen Markt stark an Visibilität zugelegt hat.

Wie positioniert sich der Fonds im Wettbewerb mit anderen Produkten, die ebenfalls auf Entrepreneure setzen?

Bellevue Asset Management ist selbst ein eigentümergeführtes Unternehmen. Die damit verbundenen Besonderheiten wie etwa ein langfristiger Investitionshorizont, eine identitätsstiftende Unternehmenskultur, eine starke Eigenkapitalbasis oder das unternehmerische Engagement eines jeden einzelnen Mitarbeiters, erfahren wir im eigenen Geschäftsalltag.

Daneben verfügen wir über ein sehr erfahrenes Portfoliomanagementteam mit durchschnittlich 20 Jahren Anlageerfahrung. Ferner pflegen wir mit dem Center for Family Business der Universität St. Gallen (HSG) eine Research-Kooperation.

Daraus extrahieren wir sowohl wissenschaftlich fundierte als auch praxisrelevante Einsichten zu diesem Thema. All diese Erfahrungen fließen letztlich in den Anlageprozess mit ein. Generell investieren wir unabhängig von der Benchmark und richten unsere Überzeugungen an einem fundamentalen Analyseprozess aus. Die Aktienauswahl erfolgt bottom-up.

Sie setzen mit dem Fonds auf inhabergeführte Unternehmen. Warum können diese Unternehmen einen Mehrwert verglichen mit rein managergeführten Unternehmen bieten?

Familiengeführte Unternehmen verfügen meist über ein sehr effektives Managementteam mit kurzen Entscheidungswegen. Entrepreneure sind mit durchschnittlich 8,5 Jahren typischerweise länger in der geschäftsführenden Verantwortung als CEOs bei Nicht-Familienunternehmen, die im Schnitt drei bis vier Jahre ihre Funktion ausüben.

Entrepreneure haben überdies oftmals den Hauptteil ihres Familienvermögens im eigenen Betrieb investiert und denken sehr langfristig. Es liegt nicht in deren Bestreben, den Gewinn von Quartal zu Quartal zu maximieren, Gewinn- und Wertsteigerungsziele werden vielmehr über Generationen definiert.

Die Bilanzen von inhabergeführten Unternehmen sind mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalrate von mehr als 50 Prozent vergleichsweise solider und robuster aufgestellt. Dies erlaubt den Unternehmern auch, in schwierigen Zeiten antizyklisch zu handeln und in Innovationen zu investieren. Von kurzsichtigen und übereilten Sparmaßnahmen wird soweit wie möglich abgesehen.

Lässt sich der Vorteil an einem konkreten Firmenbeispiel belegen?

Positive Exempel gibt es viele. Die österreichische Andritz-Gruppe, welche vom Eigentümer und Geschäftsführer Wolfgang Leitner seit fast 20 Jahren geführt wird, ist ein gutes Beispiel für eine langfristig erfolgreiche Entrepreneur- Strategie.

Operativ glänzt das Unternehmen durch eine sehr tiefe Kapitalbindung, welche ein hohes organisches Wachstum von fünf Prozent jährlich erlaubt, ohne Finanzierungsengpässe zu generieren. Gleichzeitig werden durch eine gute Preisdisziplin langfristig hohe Erträge erzielt.

Die freien Cashflows werden in Akquisitionen investiert, welche vollständig in das Unternehmen integriert werden. Auf diese Weise wurde nicht nur die Wasserkraftwerksparte von GE, sondern kürzlich auch die im Bereich Automobilkarosseriepressen einmalig positionierte Schuler in das Unternehmen integriert.

Insgesamt kamen in der Ära Leitner über 80 Akquisitionen zustande, welche durch die Andritz-Kultur zu einem Unternehmen verschmolzen wurden. Auch werden jedes Jahr etwa drei Prozent vom Umsatz – immerhin ca. 150 Millionen Euro – in Forschung und Entwicklung investiert, um die langfristige Technologieführerschaft zu sichern. Andritz erzielte im Fonds in den letzten dreieinhalb Jahren eine stolze Rendite von über 300 Prozent.

Inwieweit lassen sich die Werte eines durch den Inhaber geführten Hauses mit den nicht immer deckungsgleichen Interessen von Aktionären in Einklang bringen?

Die Werte eines eigentümergeführten Unternehmen finden ihren Ursprung meistens beim Gründer oder Eigentümer der Firma. Finanzielle Unabhängigkeit wird groß geschrieben, was dazu führt, dass die Unternehmen eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote aufweisen.

Interessanterweise führen das stringente Kostenbewusstsein und die Nachhaltigkeit in der langfristigen Vision über Generationen hinweg auch zu höheren Eigenkapitalrenditen. Akademische sowie empirische Studien weisen darauf hin, dass auch die Aktionäre mittel- bis langfristig auf ihre Kosten kommen und mit eigentümergeführten Unternehmen höhere Renditen erzielen.

Entrepreneure besitzen meist stark ausgeprägte Werte, was ihnen auch erlaubt, ihre Ideen und Visionen erfolgreich um- und durchzusetzen. Wie wir wissen, kann aber zu viel von allem zum Hindernis werden. Überhöhter Ehrgeiz, Betriebsblindheit und Beratungsresistenz sind klassische Unternehmerfallen.

Wir suchen unterbewertete Aktien, legen aber auch viel Wert auf die Analyse der weichen Faktoren wie beispielsweise Kultur oder Risikoneigung. Für den Erfolg unser Entrepreneurstrategie sind aktive Anlageentscheide unerlässlich. Diese basieren auf fundamentaler Analyse kombiniert mit unserer Entrepreneurial Due Diligence und Gesprächen vor Ort.

Seite zwei:“Wir legen viel Wert auf die Liquidität unserer Positionen”

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