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14. Februar 2013, 12:15
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Japan: Notenbank spielt mit dem Feuer

Die jüngste Schwäche des japanischen Yen hat große gesamtwirtschaftliche Folgen, die über die Devisenmärkte hinausgehen.

Gastbeitrag von Robert Spector, MFS Investment Management

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Robert Spector, MFS

Seit dem Sommer 2012 ist der Yen gegenüber dem US-Dollar um 15 Prozent gefallen, gegenüber dem Euro um 25 Prozent. An den Devisenmärkten sind das große Veränderungen. Andere Assetklassen haben positiv darauf reagiert, da die Yen-Abwertung als ein Zeichen für eine gestiegene Risikobereitschaft gesehen wird. In den letzten Jahren galt der Yen als ein sicherer Hafen. Heute fragen wir uns, ob ein schwächerer Yen mit steigenden Aktien- und Unternehmensanleihekursen sowie Verlusten bei Staatsanleihen einhergeht.

Abwertung des Yen und Anstieg der japanischen Aktienkurse überraschen nicht

Unserer Ansicht nach ist die Schwäche des Yen einem Regimewechsel der Notenbank zu verdanken. Offensichtlich bemühen sich die Notenbank und die neue Regierung jetzt sehr viel intensiver als früher, die nicht enden wollende Deflation und wirtschaftliche Stagnation zu überwinden. Noch gehen die japanischen Verbraucherpreise um 0,1 Prozent jährlich zurück. Die Notenbank hat aber soeben ein offizielles Inflationsziel von zwei Prozent verkündet.

Und sie wird ihre Offenmarktgeschäfte, also Wertpapierkäufe, so lange fortsetzen, bis das Ziel erreicht ist. Sowohl die Fed und – in naher Zukunft wohl auch – die EZB weiten ihre Bilanzen aus. So viel Geld wie die japanische wird jedoch voraussichtlich keine der beiden Notenbanken drucken. Uns überrascht es daher nicht, dass der Yen abwertet und die japanischen Aktienkurse deutlich gestiegen sind.

Abwertungswettlauf nützt am Ende niemandem

Sind das nun gute Aussichten für Japan und die Weltwirtschaft? Eine einfache Antwort wäre schön. Doch wir sehen das Risiko von Währungskriegen. Wenn die Binnenwirtschaft schwach ist, weil Verbraucher und Unternehmen Schulden abbauen, versuchen viele Länder sich in den Export zu retten. Aber das ist bei unterdurchschnittlichem Wachstum der Weltwirtschaft nicht einfach. Das Bestreben, die eigene Währung zu schwächen und dadurch Weltmarktanteile zu gewinnen, ist dann naheliegend. Aber eine Abwertung der eigenen Währung bedeutet eine Aufwertung der übrigen Währungen. Die Folge ist ein Abwertungswettlauf, der am Ende zu nichts führt.

Besonders besorgniserregend ist die Aufwertung des Euro gegenüber dem Yen. Der Euroraum braucht Wachstum, um aus der Schuldenkrise herauszukommen. Der Aufschwung in Deutschland ist beeindruckend, aber die Angst groß, dass die japanischen Wechselkursmanipulationen den deutschen Exporten schaden. Am Ende wird die EZB gezwungen sein, Geld zu drucken, um den Euro zu schwächen. Im Währungskrieg entstünde dann eine neue Front. Wir sind überzeugt: Japan hält seine Währungspolitik nicht für einen Angriff auf andere Länder, sondern einzig und allein für eine Maßnahme, die jahrzehntelange Deflation zu überwinden. Aber natürlich gibt es hier unterschiedliche Auffassungen.

Ein anderes wichtiges Thema ist die Unabhängigkeit der Notenbanken – seit Jahrzehnten ein Grundpfeiler solider Wirtschaftspolitik. Technisch sind die Notenbanken der meisten Industrieländer Teil der Regierung, doch sind sie meist autonom und können ihre eigene Geldpolitik verfolgen. Doch in Zeiten des Schuldenabbaus erscheint eine enge Zusammenarbeit von Notenbanken und Regierungen immer wichtiger – so wie zurzeit in Japan. Das ist nicht ungefährlich! Es besteht die Gefahr einer Staatsfinanzierung über die Notenpresse und damit einer langfristig höheren Inflation. Doch nicht nur in Japan werden die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik verwischt. Fed und EZB verhalten sich ähnlich: die Fed mit ihrem Quantitative Easing Programm sowie einer nicht mehr nur an der Inflation, sondern auch am Arbeitsmarkt orientierten Geldpolitik; die EZB mit ihren Outright Monetary Transactions. Wir befinden uns bereits jetzt auf einem gefährlichen Weg.

 

Autor Robert Spector arbeitet als CFA Portfolio Manager beim US-Vermögensverwalter MFS Investment Management mit Sitz in Boston. Aktuell managt MFS weltweit Vermögen im Wert von rund 244 Milliarden Euro.

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