Anzeige
11. Juli 2014, 08:50
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bankenstresstest: “EZB hat nur einen Versuch”

Die Überprüfung der Assetqualität europäischer Banken durch die Europäische Zentralbank (EZB) läuft. Justin Bisseker, Analyst für europäische Banken beim britischen Vermögensverwalter Schroders, geht von einem glaubwürdigen Prozess aus, schlicht weil es keine Alternative gibt.

Frankfurt-am-Main- in Bankenstresstest: EZB hat nur einen Versuch

Auch deutsche Banken zittern vor EZB-Entscheidung.

“Die Europäische Zentralbank hat nur diesen einen Versuch, bevor sie die Position als Europas führender Bankenregulierer übernimmt. Ein Fehltritt wäre da unglaublich peinlich.” Deshalb werden auch schon erste Stimmen laut, die mit der Überprüfung der Assetqualität und dem Stresstest den Beginn einer Konsolidierungswelle im europäischen Bankensektor sehen.

Anzeichen für eine Konsolidierung

“Es gibt Anzeichen, die für eine Konsolidierung sprechen”, bestätigt auch Bisseker. “Viele Banken finden keinen Zugang zu neuen, unabhängigen Kapitalquellen oder aber die Regulierungsbehörden werten den aktuellen EZB-Prozess als frei Haus gelieferte Due Dilligence.”

Mit anderen Worten: Je strenger die Asset Quality Review der EZB ausfalle, desto größer die Anzahl der Banken, die den Stresstest nicht bestünden. Und damit würde natürlich die Wahrscheinlichkeit steigen, dass schwächere Banken von ihren stärkeren Wettbewerbern geschluckt würden.

Kombination aus niedriger Profitabilität und hoher Fragmentierung

“In einigen Märkten wird das Banksystem auch weiterhin von einer Kombination aus niedriger Profitabilität und hoher Fragmentierung geprägt sein”, erläutert Bisseker. Beispiele seien vor allem Deutschland und Italien. In anderen Ländern wie Spanien gäbe es eine große Anzahl problematischer Assets, die nach höheren Rückstellungen verlangten. Für einige Banken könnte es schwer werden, diese Rückstellung auf unabhängiger Basis zu bilden – besonders, wenn die Umsicht des Managements in Frage gestellt wird.

“Es ist außerdem ein offenes Geheimnis, dass die EZB gerne eine stärkere Integration innerhalb des europäischen Bankenmarktes sehen würde, was ja auch schon einer der Gründe für die ‚Bankenunion’ war”, erklärt Bisseker. Und eine solch verbesserte Fungibilität von Kapital und Liquidität innerhalb der Eurozone könnte ebenfalls die Übernahmeaktivitäten ankurbeln. Soweit zur Theorie.

Nur vereinzelte Übernahmen

Die Praxis, so glaubt Bisseker, sieht ganz anders aus. Tatsächlich rechnet er nur mit vereinzelten Übernahmen. “Als Investoren mit Engagement im europäischen Bankensektor schreiten wir nur ganz behutsam voran. Es ist wahrscheinlich, dass die Aktien potenzieller Übernahmeziele stark unter Druck geraten werden, sollte die EZB-Überprüfung Lücken bei Rückstellungen oder der Kapitalausstattung ans Licht bringen”, betont Bisseker.

Außerdem glaubt der Schroders-Experte, dass vor allem viele Banken in der Peripherie ihre Finanzierung neu ausbalancieren und auf eine breitere Kapitalstruktur stellen müssen. Auch die hohe Abhängigkeit von Gewinnen aus Carry Trades sei unakzeptabel. “Keine Führungsriege wird für nicht nachhaltige Einnahmen belohnt werden”, prognostiziert Bisseker.

Foto: Shutterstock

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Große Koalition schafft Durchbruch bei bAV-Reform

Geringverdiener sollen über eine Stärkung der Betriebsrente besser vor Altersarmut geschützt werden. Dazu solle insbesondere für kleine und mittlere Betriebe die Einrichtung einer betrieblichen Altersversorgung attraktiver werden – durch steuerliche Förderung und Entlastung bei der Haftung. Dies sieht eine Reform der Betriebsrente vor, auf die sich die Koalitionsfraktionen verständigt haben und die noch vor Ende der Legislaturperiode verabschiedet werden soll.

mehr ...

Immobilien

Klimaschutz geht auch günstiger

Klimaschutz ist für Hausbesitzer häufig teuer, denn kostengünstige Maßnahmen werden nicht ausreichend gefördert. Das bemängelt die “Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand”. In einem Forschungsprojekt untersucht sie die Einsparpotenziale verschiedener Technologien.

mehr ...

Investmentfonds

Lyxor bringt ETF gegen Zinsanstieg in den USA

Für Anleger, die kostengünstig im Markt für US-Unternehmensanleihen engagiert sein möchten, gleichzeitig aber einen Zinsanstieg befürchten, hat Lyxor nun den $ Floating Rate Note Ucits ETF  aufgelegt.

mehr ...

Berater

“BU-Beratung durch Makler als bester Weg zur passenden Lösung”

“Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein hoch erklärungsbedürftiges Produkt”, sagt Michael Stille, Vorstandsvorsitzender der Dialog Lebensversicherung. Im Interview mit Cash. sprach er über die Bezahlbarkeit von BU-Policen und “best advice” vom Versicherungsmakler.

mehr ...

Sachwertanlagen

Prospekthaftung: BaFin gibt Entwarnung – ein wenig

Die BaFin hat gegenüber Cash. zu einem BGH-Urteil Stellung genommen, das einen von ihr geprüften Fondsprospekt mit deutlichen Worten kassiert hatte und damit auch Fragen zur Rechtssicherheit aktueller Emissionen aufwirft.

mehr ...

Recht

Kfz-Schadenregulierung: Vorsicht bei Verjährung

Wer Leistungen gegen einen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend macht, sollte berücksichtigen, dass eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. In einem aktuellen Urteil verlor ein Kläger vor dem Bundesgerichtshof, der sich mit der Verjährung verkalkuliert hatte.

mehr ...