Bankenstresstest: „EZB hat nur einen Versuch“

Die Überprüfung der Assetqualität europäischer Banken durch die Europäische Zentralbank (EZB) läuft. Justin Bisseker, Analyst für europäische Banken beim britischen Vermögensverwalter Schroders, geht von einem glaubwürdigen Prozess aus, schlicht weil es keine Alternative gibt.

Auch deutsche Banken zittern vor EZB-Entscheidung.

„Die Europäische Zentralbank hat nur diesen einen Versuch, bevor sie die Position als Europas führender Bankenregulierer übernimmt. Ein Fehltritt wäre da unglaublich peinlich.“ Deshalb werden auch schon erste Stimmen laut, die mit der Überprüfung der Assetqualität und dem Stresstest den Beginn einer Konsolidierungswelle im europäischen Bankensektor sehen.

Anzeichen für eine Konsolidierung

„Es gibt Anzeichen, die für eine Konsolidierung sprechen“, bestätigt auch Bisseker. „Viele Banken finden keinen Zugang zu neuen, unabhängigen Kapitalquellen oder aber die Regulierungsbehörden werten den aktuellen EZB-Prozess als frei Haus gelieferte Due Dilligence.“

Mit anderen Worten: Je strenger die Asset Quality Review der EZB ausfalle, desto größer die Anzahl der Banken, die den Stresstest nicht bestünden. Und damit würde natürlich die Wahrscheinlichkeit steigen, dass schwächere Banken von ihren stärkeren Wettbewerbern geschluckt würden.

Kombination aus niedriger Profitabilität und hoher Fragmentierung

„In einigen Märkten wird das Banksystem auch weiterhin von einer Kombination aus niedriger Profitabilität und hoher Fragmentierung geprägt sein“, erläutert Bisseker. Beispiele seien vor allem Deutschland und Italien. In anderen Ländern wie Spanien gäbe es eine große Anzahl problematischer Assets, die nach höheren Rückstellungen verlangten. Für einige Banken könnte es schwer werden, diese Rückstellung auf unabhängiger Basis zu bilden – besonders, wenn die Umsicht des Managements in Frage gestellt wird.

„Es ist außerdem ein offenes Geheimnis, dass die EZB gerne eine stärkere Integration innerhalb des europäischen Bankenmarktes sehen würde, was ja auch schon einer der Gründe für die ‚Bankenunion’ war“, erklärt Bisseker. Und eine solch verbesserte Fungibilität von Kapital und Liquidität innerhalb der Eurozone könnte ebenfalls die Übernahmeaktivitäten ankurbeln. Soweit zur Theorie.

Nur vereinzelte Übernahmen

Die Praxis, so glaubt Bisseker, sieht ganz anders aus. Tatsächlich rechnet er nur mit vereinzelten Übernahmen. „Als Investoren mit Engagement im europäischen Bankensektor schreiten wir nur ganz behutsam voran. Es ist wahrscheinlich, dass die Aktien potenzieller Übernahmeziele stark unter Druck geraten werden, sollte die EZB-Überprüfung Lücken bei Rückstellungen oder der Kapitalausstattung ans Licht bringen“, betont Bisseker.

Außerdem glaubt der Schroders-Experte, dass vor allem viele Banken in der Peripherie ihre Finanzierung neu ausbalancieren und auf eine breitere Kapitalstruktur stellen müssen. Auch die hohe Abhängigkeit von Gewinnen aus Carry Trades sei unakzeptabel. „Keine Führungsriege wird für nicht nachhaltige Einnahmen belohnt werden“, prognostiziert Bisseker.

Foto: Shutterstock

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