Anzeige
16. November 2015, 11:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bill Gross: “Die Notenbanken müssen umlernen”

Janus-Stratege Bill Gross empfiehlt ein höheres Inflationsziel, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Der Zins als Steuerungsgröße für die Allokation von Kapital verliert zunehmend seine Wirkung, wenn sich kurz- und langfristige Zinsen gleichzeitig nahe der Nulllinie bewegen und die Zinskurve nahezu eben ist. 

Bill-Gross-21160 065-Kopie in Bill Gross: Die Notenbanken müssen umlernen

Bill Gross, Janus Capital: “Notenbanken weigern sich, ihre Politik an die erheblich veränderte Ökonomie anzupassen.”

Dies führt in der Folge zu sinkenden Erträgen der Unternehmen und zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

Zu dieser Einschätzung kommt Bill Gross, Fondsmanager und Anlagestratege des US-amerikanischen Asset Manager Janus Capital in seinem aktuellen Investmentausblick. “Das klingt zunächst widersprüchlich. Denn wenn sich eine Regierung oder ein Unternehmen nahezu kostenfrei Geld leihen kann, sollte es zumindest theoretisch kein Problem sein, Profit daraus zu schlagen oder die Wirtschaft anzukurbeln”, sagt Gross.

“Der Punkt ist allerdings: Wenn es in unserem modernen Finanzsystem nicht mehr möglich ist, die zur Verfügung stehenden Kreditmittel profitabel zu verwenden, verlangsamt sich das System tendenziell und hemmt damit die Unternehmensgewinne ebenso wie das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft.”

Korrelation zwischen Zinssätzen und Unternehmensgewinnen

Als Beleg für seine These verweist Gross auf das Zusammenspiel zwischen den Unternehmensgewinnen der US-Firmen und der Zinskurve am US-Kapitalmarkt, deren Entwicklung er für den Zeitraum von 1993 bis 2015 verglichen hat. “Mit einem zeitlichen Versatz von ein bis zwei Jahren zeigt sich eine bemerkenswerte Korrelation zwischen steigenden beziehungsweise sinkenden Zinssätzen und dem Wachstum der Unternehmensgewinne”, sagt Gross, “sogar dann, wenn die Verflachung der langfristigen Sätze entgegen der gleichzeitigen Straffung der Geldpolitik durch die Fed erfolgt, so wie das in den Jahren von 1993 bis 1997 der Fall war.”

Billiges Geld als Stimulanz des Wirtschaftswachstums

Mit ihrer Politik der extrem niedrigen Zinsen, so die Schlussfolgerung des Anlageexperten, egalisieren die Notenbanken den Faktor (Lauf)Zeit bei der Aufnahme von Krediten und treiben zwar die Vermögenspreise hoch, ohne dass sie es jedoch schaffen, dass es zu einer Wertschöpfung und damit neuen Vermögenswerten in der Realwirtschaft kommt. “Die Notenbanker sollten sich nun allesamt fragen, ob ihre Politik des ultra-billigen Geldes wirklich das Wirtschaftswachstum stimuliert oder vielleicht die Unternehmensgewinne drückt und damit eine konjunkturelle Erholung behindert”, so Gross. “Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass eher das Letztere anzunehmen ist.”

Gross: Zinskurve steiler machen

Was sollten nun Notenbanken tun, die diesen Zusammenhang verstanden haben? Für Gross liegt die Antwort auf der Hand. “Sie sollten versuchen, eine steiler verlaufende Zinskurve zu erzeugen und ihre Leitsätze erhöhen, um den Geschäftsbanken eine Geschäftspolitik zu ermöglichen, die sich stärker als bislang an finanziellen Kriterien orientiert”, sagt der Janus-Experte. “Und auch die privaten Sparer haben dann wieder die Möglichkeit, höhere Zinsen zu erzielen und damit ihre verfügbaren Einkommen zu steigern.” Doch wie soll es möglich sein, die Zinskurve steiler zu machen, wenn die Notenbanken gleichzeitig daran gehen, ihre Geldpolitik wieder zu normalisieren? “Dafür gibt es meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten”, sagt Gross.

Inflationsziel erhöhen

“Die eine ist, das Inflationsziel zu erhöhen. Bei einer Anhebung auf weltweit drei Prozent, sollten die Zinssätze im zehn- bis dreißigjährigen Laufzeitbereich stärker steigen als die kurzfristigen Sätze.” Die zweite Möglichkeit besteht Gross zufolge darin, dass die Fed die Strategie bei ihren Anleihekäufen ändert. “Statt Anleihen mit zwei bis fünf Jahren zu verkaufen und den Erlös in Langläufer zu investieren, sollte sie genau das Gegenteil machen”, empfiehlt Gross. “Aber das werden Yellen und Draghi nicht tun, weil sie an ihre monetären Modelle glauben.”

“Notenbanken sind verbohrt”

Die Folge sind seiner Einschätzung nach weitere Ungleichgewichte zwischen den am Kapitalmarkt angebotenen Sparvermögen und Investitionen, eine flache Zinskurve und ein schwaches Wirtschaftswachstum, das zwischen einem und zwei Prozent liegen wird. “Die Notenbanken sind sicherlich nicht dumm – aber verbohrt, weil es ihnen widerstrebt, ihre Politik an eine Ökonomie anzupassen, die sich ausgehend vom Finanzsektor in den vergangenen 40 Jahren erheblich verändert hat.” (fm)

Foto: Janus

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 8/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Durchstarter Indien – Führungskräfte absichern – Bausparen – US-Immobilien


Ab dem 20. Juli im Handel.

Cash. 7/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

US-Aktien – Unfallpolicen – Altersvorsorge – Ferienimmobilien

+ Heft im Heft: Cash.Special Vermögensverwaltende Fonds

Versicherungen

Policen im Fondsmantel: Experten streiten um Transparenz und Renditechancen

Die Versicherer setzen immer stärker auf Angebote, die in einem Fondsmantel daherkommen oder eine Index-Partizipation vorsehen. Marktexperten monieren allerdings, dass Indexpolicen nicht hinreichend transparent seien.

mehr ...

Immobilien

EZB-Chef sorgt mit Aussagen für Überraschung am Markt

Die EZB hält vorerst an expansiver Geldpolitik fest, gibt jedoch vorsichtige Hinweise hinsichtlich Kurswechsel. Zuvor hatte EZB-Chef Mario Draghi für Unruhe am Markt gesorgt.

mehr ...

Investmentfonds

Multi-Asset-Auswahl: Sieben goldene Regeln

Seit der Finanzkrise ist die Nachfrage nach Multi-Asset-Produkten rasant gestiegen. Angesichts hunderter Strategien stellt der Auswahlprozess für Anleger und Vermögensverwalter ein Problem dar. Zwar verfolgt jeder Anleger unterschiedliche Ziele – doch es gibt gemeinsame Nenner. 

mehr ...

Berater

Führung im digitalen Vertrieb: Die fünf wichtigsten To-dos

Die Digitalisierung bietet große Chancen für den Versicherungsvertrieb und die Weiterentwicklung von Kundenbeziehungen. Führung und Vertrieb müssen eng zusammenarbeiten, um das Beste aus Online- und Offline-Welt miteinander zu verbinden. Das sind Ihre fünf wichtigsten To-dos.

mehr ...

Sachwertanlagen

Beluga-Prozess nähert sich dem Ende

Im Strafprozess um den Niedergang der Bremer Schwergutreederei Beluga hat das Landgericht Bremen nach über 50 Verhandlungstagen erstmals seine Vorstellungen zum möglichen Strafrahmen für die vier Angeklagten vorgelegt.

mehr ...

Recht

Vererben: Die häufigsten Fehler im Testament

Durch ein Testament kann der Erblasser von der gesetzlichen Erbfolge abweichen sowie Streitigkeiten unter den Erben vermeiden. Werden beim Verfassen und Aufbewahren von Testamenten jedoch scheinbar kleine Fehler gemacht, können diese oft weitreichende Folgen haben.

mehr ...