Dirk Müller: „Der Zins ist faktisch ausgeschaltet“

Dirk Müller zählt zu den bekanntesten Börsenexperten Deutschlands. Cash. traf ihn auf dem Frankfurter Parkett und befragte ihn zur Entwicklung des Aktienmarktes, der richtigen Strategie für Anleger und zum ersten eigenen Fonds.

Dirk Müller
„Wenn der Zins weg ist, habe ich keinen Kompass mehr, der mir sagt, was riskant ist und was nicht.“

Cash.: Die EZB pumpt Milliarden in die Märkte, die Kurse steigen. Paradiesische Zeiten für Anleger, oder?

Müller: Für die Aktienmärkte hat es nur einen kurzfristigen positiven Effekt. Grundsätzlich ist dadurch aber eine Situation entstanden, die von den meisten Marktteilnehmern gar nicht wahrgenommen wird. Wir haben rund um den Globus faktisch den Zins ausgeschaltet. Dabei hat der Zins als Risikoparameter eine wichtige Aufgabe in unserem Finanzsystem. Es ist der wichtigste Kompass unserer Finanzmärkte und unserer Wirtschaft, um Risiken abschätzen zu können. Kaum ein Investor ist in der Lage, diese allein einzuschätzen.

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Wenn der Zins weg ist, habe ich keinen Kompass mehr, der mir sagt, was riskant ist und was nicht. Das führt dazu, dass wir seitens der Investoren extreme Fehlallokationen bekommen. Wir haben beispielsweise die Situation, dass eine zehnjährige italienische Staatsanleihe derzeit für 1,15 Prozent Rendite zu haben ist, eine zehnjährige US-Anleihe dagegen für 2,15 Prozent. Das heißt, ich habe einen fast doppelt so hohen Zinssatz bei amerikanischen zehnjährigen Anleihen wie bei italienischen. Und dennoch liegen dazwischen sechs bis sieben Risikostufen, aber in die andere Richtung. Dreißig Jahre Italien sind momentan weniger rentierlich als zehn Jahre US, das ist ein völliger Irrsinn.

Seite zwei: „Das ist natürlich ein Wahnsinn“

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