EZB-Entscheid: GAM rechnet mit Enttäuschung der Märkte

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Einlagenzins für Banken morgen voraussichtlich nur um 10 Basispunkte (0,1 Prozent) senken. Diese Ansicht vertritt Larry Hatheway, Chefvolkswirt beim Asset Manager GAM.

EZB-Zentrale in Frankfurt

Zusätzlich dürfte die Notenbank eine Verlängerung ihres Anleiheankaufprogramms über den September 2016 hinaus bekannt geben. „Dieses Maßnahmen-Duo dürfte die Märkte enttäuschen“, so Hatheway. Bisher sei die Notenbank unter dem Präsidenten Mario Draghi stets in der Lage gewesen, die Erwartungen des Marktes zu erfüllen oder zu übertreffen.

„Die Erwartungen sind hoch“

Diesmal allerdings könnten die Dinge anders liegen, argumentiert Hatheway: „Die Erwartungen sind hoch. Sie beinhalten eine Senkung des Einlagenzinses um 20 bis 25 Basispunkte zusätzlich zu einer Ausweitung des Anleiheankaufprogramms.“ Hatheway selbst ist zurückhaltender und führt dafür zwei Gründe an. „Zum einen hat sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone stabilisiert, seit Draghi im Oktober eine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt hat. Zum anderen liegt die Inflation zwar weiterhin deutlich unter dem Ziel der EZB – Basiseffekte legen aber nahe, dass sie in den kommenden Monaten anziehen wird.“

Entwicklung des US-Dollar entscheidend

Die Frage sei, ob die Divergenz zwischen der Geldpolitik im Euroraum und anderen Wirtschaftsräumen Aktien und weitere Risikowerte weiterhin begünstige oder eher eine Gefahr darstelle. Viel hänge von der Entwicklung des US-Dollar ab, so der Experte: „Wenn die EZB ihre Geldpolitik stärker lockert als von den Marktteilnehmern erwartet und die Fed Mitte Dezember den Leitzins anhebt, wird das den US-Dollar weiter stärken.“

Rohöl weiter unter Druck?

Dies wäre aus verschiedenen Gründen problematisch. So würden sich ohnehin schon viele Investoren die Frage stellen, ab welchem Zeitpunkt der sich abschwächende Renminbi zu einem Abwertungswettlauf in Asien und Schwellenländern in anderen Regionen führen wird. Zudem könnte die Kombination aus einem starken US-Dollar und einer Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die Fördermenge unverändert zu lassen, die Preise für Rohöl und andere Rohstoffe weiter unter Druck bringen. (fm)

Foto: Shutterstock

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