15. Juni 2015, 10:51
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Fidelity sieht zyklische Aktien in Europa vorn

Die europäische Wirtschaft wird aktuell von mehreren Faktoren gestützt.

Marktkommentar: Matthew Siddle, Fidelity Worldwide Investment

Europa

Matthew Siddle, Fidelity

 

So kurbeln die Stimulusmaßnahmen der Europäischen Zentralbank EZB das Wachstum in Europa weiter an. Der nach wie vor niedrige Ölpreis erhöht die Kauflaune der europäischen Verbraucher und der gegenüber wichtigen Handelswährungen schwache Euro verschafft europäischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil.

Auch die größere Kreditbereitschaft der Banken und die günstigeren Finanzierungsbedingungen dürften für weiteres Wachstum der europäischen Unternehmen sorgen. Das sollte die zuletzt positive Dynamik bei den Gewinnkorrekturen in Europa untermauern. In den vergangenen Wochen sind sie ins Plus gedreht, nachdem die Unternehmensgewinne zuvor 210 Wochen in Folge nach unten revidiert worden waren. Auch beim Vergleich mit anderen Regionen steht Europa bei den Gewinnkorrekturen wieder gut da.

Geldmenge wächst schnell

Interessant ist auch, dass derzeit die Geldmenge M1, Kennzahl für das im Umlauf befindliche Bargeld, schneller wächst als 2009 nach der Finanzkrise. In den letzten 15 Jahren war die Beschleunigung der Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge M1 ein guter Indikator für einen folgenden Anstieg der Aktivität in der Industrie.

Die größte Gefahr für dieses positive Gesamtumfeld geht von politischen Unwägbarkeiten aus, vor allem von der Schuldenkrise in Griechenland. Auf kurze Sicht könnten hiervon Schwankungen an den Aktienmärkten ausgehen. Möglichen Ansteckungsgefahren dürfte die EZB mit ihrem quantitativen Lockerungsprogramm jedoch entgegenwirken. Außerdem bestehen die Verbindlichkeiten Griechenlands inzwischen überwiegend gegenüber der EZB und dem Internationalen Währungsfonds IWF. Das federt die negativen Folgen einer Pleite Griechenlands für das europäische Finanzsystem ab.

Nach der Rally seit Jahresbeginn liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse europäischer Aktien basierend auf künftigen Gewinnen mittlerweile über dem Niveau ihrer langjährigen Durchschnittswerte und die Kurs-Buchwert-Verhältnisse auf diesem Niveau. Aber verglichen mit US-Aktien und Unternehmensanleihen sind Aktien aus Europa nach wie vor günstig. Und Zykliker werden verglichen mit defensiven Aktien weiterhin auf günstigem Niveau gehandelt, obwohl die Gewinne ersterer kräftiger gestiegen sind.

Medienbranche aussichtsreich

Insgesamt habe ich daher die stärker binnenwirtschaftlich orientierten defensiven Branchen unter- und die zyklischen Branchen übergewichtet. Innerhalb der zyklischen Konsumgüterbranche gewichte ich vor allem attraktiv bewertete Medientitel über. Besonders interessant finde ich Werbeagenturen wie Publicis mit soliden langfristigen Fundamentaldaten, die in den Schwellenländern und der Online-Werbung stark vertreten sind.

Übergewichtet habe ich auch die Gesundheitsbranche. Aufgestockt habe ich beispielsweise Roche und Smith & Nephew, einen Anbieter von Medizintechnik. Vorteilhaft war auch die Übergewichtung der Technologiebranche, in der ich das Engagement seit Jahresbeginn kontinuierlich erhöht habe. Dabei habe ich die günstigen Kursniveaus genutzt, um einen Bestand bei SAP aufzubauen. Seit Jahren erwirtschaftet der Softwareentwickler nicht nur starke Erträge, sondern erzielt auch ein über dem Markt liegendes Gewinnwachstum. Zweifel an der Fähigkeit des Softwarehauses, den Wettbewerb im wachsenden Cloud-Geschäft auf Abstand zu halten, haben den Kurs auf ein langjähriges Tief fallen lassen. Ich bin aber überzeugt, dass SAP, auch wenn es spät auf den Zug aufgesprungen ist, inzwischen über eine starke Cloud-Sparte verfügt. Parallel dazu baut es sein Kerngeschäft weiter aus.

Auch Energiewerte gewichte ich derzeit über, denn der Ölmarkt pendelt sich wieder ein. Dabei sind die Reservekapazitäten äußerst niedrig, während die Zahl der aktiven Förderanlagen und das Produktionswachstum in den USA rapide abnehmen. Zugleich erholt sich dank niedriger Preise die Nachfrage langsam wieder. Trotz Übergewichtung in der Energiebranche sind Rohstoffe als Ganzes in meinen Fonds schwächer vertreten als im Vergleichsindex, denn auf Eisenerz oder andere Metalle trifft das Argument der Wiederherstellung des Marktgleichgewichts nicht zu. Banken habe ich ebenfalls untergewichtet, den spanischen Bankenriesen Banco Santander beispielsweise habe ich gar nicht im Portfolio. Dies trifft auch auf Versorger- und Telekommunikationsaktien zu, denen immer noch strukturelle Probleme zu schaffen machen.

Autor Matthew Siddle managt den Fidelity European Growth Fund der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment mit Deutschlandsitz in Kronberg im Taunus.

Ihre Meinung



 

Versicherungen

BU: Nicht der Preis, sondern das subjektive Kaufrisiko verhindert den Abschluss

In 2018 waren 29 Prozent der Erwerbstätigen durch eine Berufsunfähig-keitsversicherung abgesichert. Immerhin eine Steigerung um 10 Prozentpunkte seit 2008, aber immer noch sind zwei Drittel der Erwerbstätigen ohne Schutz gegen einen Einkommensverlust durch Arbeitsunfähigkeit. Obwohl die Sensibilität für eine Absicherung des Wohlstands der Fa- milie und für sich selbst sehr groß ist, stehen vor allem zwei Fragen dem Abschluss entgegen.

mehr ...

Immobilien

Savills IM erwirbt deutsches Logistikportfolio

Savills IM erwirbt drei Umschlaghallen in Deutschland mit insgesamt run 15.400 qm Mietfläche. Derzeitig ist das Objekt noch vollständige und langfristig an die Deutsche Post Immobilien GmbH vermietet.

mehr ...

Investmentfonds

ÖKOWORLD bietet Eltern und Großeltern den passenden politischen Investmentfonds

Der Zusammenschluss „Parents for Future“ ist eine wirkungsvolle Initiative, die jungen Menschen der “Fridays für Future”-Bewegung in ihren Forderungen nach einer konsequenten Klima- und Umweltschutzpolitik unterstützt. Der ROCK ´N `ROLL FONDS von ÖKOWORLD ist als erster Elternfonds der Welt ist genau für diese Community gemacht.

mehr ...

Berater

Vollzogen: Baloise schließt Übernahme von Fidea ab

Die Baloise Group schließt nach der Genehmigung aller Behördenden Erwerb des belgischen Versicherers Fidea NV nun ab. Mit der Übernahme stärkt die Baloise ihre Marktposition im attraktiven belgischen deutlich.

mehr ...

Sachwertanlagen

Aberdeen Standard Investments nimmt schwedische Immobilien ins Portfolio

Aberdeen Standard Investments (ASI) hat seinen paneuropäischen Wohnimmobilienfonds Aberdeen Pan-European Residential Property Fund (ASPER) SICAV-RAIF mit dem Kauf eines Portfolios neuer Wohnimmobilien in Schweden erweitert. Mit dieser jüngsten Akquisition ist das Fondsportfolio nun über sechs Länder und 27 verschiedene Anlagen diversifiziert und hat ein Vertragsvolumen von über 750 Mio. Euro erreicht.

mehr ...

Recht

Testament: Warum es bei Patchwork-Familien ein Muss ist

Stief- und Patchwork-Familien sind längst keine Seltenheit mehr, sondern für viele Menschen ist es der Alltag. Warum für diese Familienkonstellationen ein Testament unabdingbar ist. Interview mit Cornelia Rump, Fachanwältin für Erbrecht, in einem Interview mit der Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“.

mehr ...