Schweizer Banken wollen nach Steuerdeal Italien-Kunden halten

Italienische Kunden werden auf ihre geheimen Vermögen Steuern und Strafen in Höhe von 7 Prozent bis 12 Prozent zahlen müssen, wenn sie diese Konten freiwillig den Behörden melden, vergleichen mit bis zu 40 Prozent, wenn die Schweiz diese Vereinbarung nicht erreicht hätte, schätzt Schlichting. Das wird zu gewissen Abflüssen führen.

Ein Drittel italienischer Gelder verloren

Die beiden größten Schweizer Banken, UBS Group AG und Credit Suisse Group AG, berichteten, sie hätten etwa ein Drittel der italienischen Gelder, die in der Steueramnestie von 2009 angegeben wurden, verloren.

“Italien war der größte noch verbliebene Markt, für den eine Lösung zu nicht deklarierten Geldern gefunden werden musste”, sagt Andreas Venditti, Bankanalyst bei Vontobel in Zürich. “Auf die Banken dürften Milliarden an Bruttoabflüssen zukommen, aber die größten Kunden werden wohl ihre Konten hier behalten, nachdem sie sie deklariert haben.”

KPMG hat bereits etwa 300 italienische Kunden dieses Jahr zur freiwilligen Offenlegung beraten, es begann mit drei oder vier pro Woche im Januar und stieg in der vergangenen Woche auf etwa 70, berichtet Schlichting. Von den 300 Kunden hat nur einer beschlossen, aus persönlichen Gründen sein gesamtes Geld aus der Schweiz abzuziehen, während einige Klienten das dort verwaltete Kapital nach der Offenlegung erhöht haben, sagt er.

„Italiener mangelndes Vertrauen in Italiens Verwaltung”

“Italiener haben mangelndes Vertrauen in die Verwaltung in Italien”, erläutert Louis Macchi, Steuerberater bei PwC. “Das ist einer der Gründe, warum ich glaube, dass die Kunden ihr Geld weiterhin in der Schweiz lassen werden.” Er rechnet mit mindestens 50.000 freiweilligen Offenlegungen unter dem Programm.

Die Schweiz ist das weltgrößte Zentrum für Offshore-Gelder und verwaltet etwa 2,3 Billionen Dollar für Kunden, die ihren Wohnsitz dort nicht haben, schätzt Boston Consulting Group. Geheime Konten im Land gerieten ins Visier, nachdem die UBS 2009 zugab, Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Ferner zahlte die Bank 780 Mio. Dollar, um einer Strafverfolgung zu entgehen und händigte Informationen über etwa 4700 Konten aus. Credit Suisse wurde im vergangenen Jahr wegen ähnlicher Vorwürfe von den US-Behörden mit einer Strafe von 2,8 Mrd. Dollar belegt.

Seite drei: Vergangenheit aufarbeiten

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