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11. Juli 2016, 09:34
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Die Bankenkrise bremst den Dax nicht

Nach dem Brexit-Referendum gerieten die klassischen Bankaktien in der Eurozone fast ausnahmslos unter Druck. Der berühmte Großspekulant George Soros wettete zuletzt 100 Millionen Euro auf einen weiteren Kursverfall bei der Deutschen Bank. Der Rademacher-Kommentar

Rademacher in Die Bankenkrise bremst den Dax nicht

Tim Rademacher, leitender Redakteur bei Cash., ist davon überzeugt, dass die Bankenkrise den Markt nur temporär belastet.

Allerdings sind die jüngsten Kursabschwünge bei den Geldinstituten kein neues Phänomen. Von der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 konnten sich die Unternehmen nie richtig erholen. Die zahlreichen Krisen in Europa führten zudem zu vielen Kapitalerhöhungen und somit zu einer massiven Verwässerung für die Altaktionäre. Auch in einem wirtschaftlichen relativ positiven Umfeld, wie in den vergangenen Jahren kamen die Geldhäuser in Europa nicht voran.

Die Gründe für den Wertverfall der Bankaktien sind vielschichtig. Das negative Zinsniveau und die damit verbundenen niedrigen Margen im Kreditgeschäft sind hierbei nur die Spitze des Eisbergs. Da ein Kurswechsel bei der EZB-Geldpolitik zumindest bis zum Jahr 2018 nicht zu erkennen ist, bleibt eine kräftige Erholung der Nettogewinne bei den Gesellschaften nahezu unerreichbar.

Eine langfristig massive Herausforderung ist zudem auch die Fintech-Welle, welche den ganzen Kontinent erreicht hat und stetig voranschreitet. In den vergangenen zehn Jahren wurden zahlreiche kleine Firmen gegründet, die Finanzdienstleistungen fast ausschließlich über das Internet anbieten und bei der Neukundengewinnung immer erfolgreicher sind. Der Unterschied zu den Traditionshäusern liegt zum einen in der stärkeren Innovationskraft, den flexibleren Strukturen und den geringeren Kosten, da zumeist junge Mitarbeiter für die Fintechs tätig sind. Dieser Trend führt bei den klassischen Filialbanken nicht nur zu einem Verlust von Klienten, sondern auch zu einem Margendruck.

Zudem erschwert die zunehmende Regulierung das Geschäft für diesen Sektor. Zum einen sind viele Rechtstreitigkeiten, die bereits während vor Jahren aufkamen immer noch nicht aufgearbeitet. Es drohen weitere Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Zum anderen werden die Gesetze rund um das Bankgeschäft nahezu permanent verschärft.

Hinzu kommt in einigen Ländern wie in Italien und Frankreich die generelle ökonomische Wachstumsschwäche. So sind zahlreiche Branchen massiv unter Druck und sitzen auf einem massiven Schuldenberg. Alleine in Italien werden die faulen Kredite auf 360 Milliarden Euro taxiert. Strukturelle Reformen, wie sie Deutschland unter Gerhard Schröder durchgeführt hat, sind in diesen Ländern nur schwer umzusetzen, so dass die Wirtschaft auch in den kommenden Jahren nur schwer ins Laufen kommt.

Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass die Papiere der Geldinstitute nicht nur in Italien massiv abgestoßen wurden. In Deutschland brach der Kurs der Deutschen Bank-Aktie seit dem Allzeithoch im Jahr 2007 um rund 90 Prozent ein, das Papier der Commerzbank verzeichnete, bereinigt um einen Reverse-Split, sogar einen Wertverfall von über 95 Prozent. Da sich die Anzahl der ausgegebenen Papiere bei den Instituten in der Zwischenzeit massiv erhöht hat, ist es sehr illusorisch, dass diese Notierungen selbst langfristig jemals erreicht werden.

Sollten europäische Staaten bei einigen Instituten abermals eingreifen müssen, so droht für die Anteilseigner zudem ein weiterer massiver Wertverlust. Politikexperten erwarten, dass Regierungen als Gegenleistungen für die Hilfe beispielsweise frisch gedruckte Aktien erhalten, so dass der Anteil der Altbesitzer massiv sinkt. Hilfsmaßnahmen ohne Gegenleistungen der Aktionäre sind schon aufgrund der politischen Stimmung undenkbar.

Seite zwei: Der Dax bleibt trotzdem Zugpferd

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