11. Juli 2016, 08:47
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Metzler: Zinserwartungen kollabieren

Es wird noch einige Wochen dauern, bis die Folgen für die Realwirtschaft nach dem Brexit-Schock in den Konjunkturdaten sichtbar werden. Erkennbar ist jedoch schon jetzt, dass die Finanzmarktakteure mit einer deutlich expansiveren Geldpolitik rechnen und auch mit deutlich niedrigeren Leitzinsen als vor dem Brexit-Referendum. Gastkommentar von Edgar Walk, Metzler Asset Management.

Walk in Metzler: Zinserwartungen kollabieren

Edgar Walk, Metzler Asset Management

Die Finanzmarktakteure erwarten einen Rückgang des Zinses für Tagesgeld in der Eurozone bis auf minus 0,6 Prozent bis zum ersten Quartal 2019; mit der ersten Leitzinserhöhung der EZB auf 0,25 Prozent wird für das erste Quartal 2023 gerechnet.

Die Zinserwartungen für das Tagesgeld sind dabei ein sehr guter Indikator für die Leitzinserwartungen. Mit der nächsten Leitzinserhöhung der US-Notenbank rechnen die Finanzmarktteilnehmer erst im ersten Quartal 2019, nachdem vor dem Brexit-Referendum noch von einer möglichen Leitzinserhöhung im Juli 2016 die Rede war.

Einschränkung der Kreditvergabe größtes Risiko für Eurozone

In dieser Woche dürfte die Bank von England (Donnerstag) mit einer ersten Leitzinssenkung von 0,5 auf 0,25 Prozent den Auftakt zu einer weiteren weltweiten Lockerung der Geldpolitik machen. Da das Leitzinsniveau die Nettozinsmargen der Banken und damit deren Gewinne beeinflusst, kamen die Aktien der europäischen Banken unter anderem auch aufgrund des Kollapses der Zinserwartungen unter Druck.

Das größte Risiko für die Wirtschaft der Eurozone ist vor diesem Hintergrund eine Einschränkung der Kreditvergabe durch die Banken als eine Reaktion auf die Aktienkursturbulenzen Derzeit rechnen wir für 2017 nur mit einer moderaten Wachstumsverlangsamung in der Eurozone auf 1,0 Prozent. Sollte sich jedoch die Kreditvergabe in der Eurozone merklich verringern, könnte das Wachstum 2017 deutlich geringer ausfallen als von uns erwartet.

Investitionsausgaben in Deutschland unverändert

Immerhin zeigt eine Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) nach dem Brexit-Referendum, dass die deutschen Unternehmen ihre Investitionsausgaben in Deutschland nicht ändern und auch keine Mitarbeiter entlassen wollen. Die deutschen Unternehmen erwarten jedoch einen spürbaren Rückgang ihrer Exporte nach Großbritannien, geringe Direktinvestitionen in Großbritannien und Entlassungen bei ihren Tochterunternehmen auf der Insel.

Ein erster Blick auf die Industrieproduktion in der Eurozone im Mai dürfte zwar aufgrund des vermutlichen Rückgangs von etwa 1,0 Prozent zum Vormonat enttäuschen. Ein zweiter Blick zeigt aber, dass es dieses Jahr im Mai viele Feiertage gab, was die Produktionsdaten saisonal verzerrt haben könnte. Erste veröffentlichte Daten der deutschen Automobilindustrie zeigen, dass die Produktion im Juni stark expandiert ist. Die Inflation dürfte sich im Rahmen der ersten Schätzung von Eurostat bewegen.

US-Wirtschaft und China im Fokus
Die Konjunkturdaten aus den USA konzentrieren sich in der kommenden Woche auf Freitag. Die Einzelhandelsumsätze sowie die Industrieproduktion dürften mit einem Anstieg eine stabile Konjunktur signalisieren, während die Erzeugerpreise und die Konsumentenpreise für einen anhaltend moderaten Anstieg der Preisdynamik sprechen dürften.

In China wird sich der Fokus auf die Industrieproduktion im Mai und das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal richten. Insgesamt stehen derzeit die Chancen gut, dass die chinesische Regierung das Wachstum der Wirtschaft kontrolliert verlangsamen kann, ohne eine harte Landung zuzulassen.

Edgar Walk ist Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management.

Foto: Metzler Asset Management

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Verbraucher wissen kaum, was Beratung kostet

Nur wenige Verbraucher kennen die tatsächlichen Kosten bei Abschluss einer privaten Rentenversicherung. Gleichzeitig sind Nettoversicherungen als Alternative zu Provisionstarifen immer noch nicht in der Breite bekannt. Viele Kunden wissen nicht, ob sie diese Produkte bei ihrem Finanzberater oder ihrer Versicherungsgesellschaft abschließen können.

mehr ...

Immobilien

Gute Alternative: „Grundstücksmiete“ statt Grundstückskauf

Bei steigenden Kosten für Bauland kann ein Erbbaugrundstück eine gute Alternative für Bauherren sein. Darauf verweisen die Experten des Bauherren-Schutzbunds e.V. (BSB). Beim Erbbaurecht wird der Bauherr Mieter des Grundstücks – und nicht Eigentümer.

mehr ...

Investmentfonds

„Das Unternehmen ist das entscheidende Investment“

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint beinahe täglich größere Kreise zu ziehen und Anleger immer stärker zu verunsichern. Cash. sprach mit Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, wie sich Anleger jetzt verhalten sollen und welcher Ausgang des Konflikts realistisch ist.

mehr ...

Berater

“Es stehen noch viele Innovationen aus”

Der Sektor Medizintechnik verzeichnet seit Jahren hohe Wachtumsraten. Cash. befragte Marc-André Marcotte, Partner des Private Equity Teams von Sectoral Asset Management, zu den Perspektiven und was bei Investments in diesen Bereich besonders wichtig ist.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Investment erwirbt Wohnanlage in Berlin-Neukölln

Die Deutsche Investment Kapitalverwaltungsgesellschaft hat in Berlin-Neukölln eine Wohnanlage mit 286 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten auf rund 16.500 Quadratmetern Mietfläche erworben. Der Ankauf erfolgte im Rahmen eines Individualmandats für einen institutionellen Investor, welchen die Deutsche Investment im Verbund mit der EB GROUP betreut. Verkäufer ist eine private Eigentümergemeinschaft. Der Nutzen-/Lastenwechsel erfolgt voraussichtlich zum 1. Oktober 2019. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

mehr ...

Recht

Gesetzlicher Unfallschutz greift auch bei Probearbeit

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt auch an Probearbeitstagen. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel von Dienstag hervor.

mehr ...